Von Thomas Stöckli

In der Schweiz gibt es eine Vielzahl interessanter Zeugen der industriellen Vergangenheit. Eine systematische Übersicht über diese oft unbekannten und verborgenen Schätze fehlt noch. Die ISIS (Informationsplattform für schützenswerte Industriekulturgüter der Schweiz) will diese Lücke schliessen. Seit kurzem sind unter www.industrie-kultur.ch nebst Objekten des Kantons Bern auch solche aus dem Kanton Zürich inventarisiert und abrufbar.

Harte Zeiten für Textilverarbeiter

Die unvollständige Auflistung enthält bisher 23 Ämtler Industriekulturgüter, sieben allein in der Textilverarbeitung. Längst umgenutzt sind die einstige Seidenzwirnerei in Rifferswil und die Spinnerei in Zwillikon, die ehemalige Färbereien «Zur Farb» in Knonau und in Maschwanden sowie die Seidenwebereien Stehli in Obfelden und Haas in Ottenbach. Einzig die Seidenweberei Weisbrod in Hausen produziert auch heute noch ihre hochwertigen Textilien.

Im ISIS-Inventar ist Weisbrod nicht nur als Gesamtbetrieb vertreten, sondern auch durch die ehemalige Ferggerei, die sich seit 1950 allerdings in Privatbesitz befindet. «Schön, dass unser Erhaltungstrieb anerkannt wird», findet Ronald Weisbrod. Wenn es um den Schutz weiterer Gebäude geht, ist der Verwaltungsrats-Präsident allerdings zurückhaltend mit Lob. Um konkurrenzfähig zu bleiben, ist das Unternehmen nämlich auf weiteren Wachstum angewiesen. Für das kürzlich errichtete neue Webereigebäude musste auch ein alter Fabrikteil weichen.

«Der Unternehmergeist zieht sich durch unsere Geschichte», so Ronald Weisbrod. Im Familienbetrieb sei der Respekt vor den Leistungen der vorangegangenen Generationen gross, entsprechend auch die Durchhaltekraft länger. «In schlechten Zeiten denken wir nicht gleich an Liquidation», so Ronald Weisbrod.

Seit einem Jahr hat der Hausemer Traditionsbetrieb mit erheblichen Umsatzeinbrüchen zu kämpfen. Die Wirtschaftskrise wirkt sich ganz besonders auf export-orientierte Unternehmen aus.

Schaubetrieb im Reppischtal

Zumindest für den Schaubetrieb sind das Bergwerk Riedhof in Aeugst und die Stalliker Aumüli erhalten geblieben. Im Inventar gebe es kleine Anpassungen zu machen, so Pro-Aumüli-Vereinspräsident Fredi Hofmann. Auch das Bild sei nicht aktuell. Sägereien und Mühlen, Trafostationen und ein Stromwerk sowie Bahnhöfe und Brücken runden die Vielfalt Ämtler Industrieobjekte ab.