«In keiner Weise jugendgefährdend»

Das Hexenmuseum: Das Haus liegt in einem etwas verwunschen wirkenden Garten in Auenstein. (to)

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Das Hexenmuseum: Das Haus liegt in einem etwas verwunschen wirkenden Garten in Auenstein. (to)

Die Regierung will Besuche des Hexenmuseums durch Schulklassen nicht verhindern. Für Interpellant Samuel Schmid ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Mathias Küng

Aufgeschreckt durch die Einweihung eines «Hexenmuseums Schweiz» Anfang April 2009, wandte sich der frisch gewählte EDU-Grossrat und reformierte Pfarrer Samuel Schmid aus Biberstein Anfang Mai hilfesuchend an den Regierungsrat. Geleitet werde das Museum «von der Hexe Wicca, ihres Zeichens unter anderem geweihte Hohepriesterin von Avalon». Besonders aufhorchen liess Schmid, dass «Wicca» Führungen für Schüler ab 13 Jahren anbietet. Vom Regierungsrat wollte er wissen, ob Kinder, die die Ausstellung besuchen, psychologisch begleitet werden? Und ob es mit den Grundlagen der öffentlichen Schule vereinbar sei, mit Lehrern der Volksschule diesen «esoterischen Ort» zu besuchen?

Die regierungsrätliche Antwort liegt jetzt vor. Das Thema scheint auch in der Regierung eine gewisse Faszination auszuüben, kommt die Antwort doch sehr umfänglich daher. Die Regierung kommt zum Schluss, das Hexenmuseum Schweiz könne durchaus einen Beitrag leisten «zur Auseinandersetzung mit Aspekten der regionalen Kulturgeschichte, die sonst eher im Schatten stehen, vergessen oder verdrängt werden». Sie sieht aber auch Hinweise, «dass vom Hexenmuseum Schweiz nicht in erster Linie eine historisch-kritische Darstellung des Phänomens ‹Hexerei› erwartet werden kann, sondern eine Interpretation, in der das Geschichtsbild und die Vorstellungswelt der so genannten Wicca-Bewegung mitschwingen». Diese werde den «Neuen religiösen Bewegungen» zugeordnet. Deren Anhänger sähen darin eine Form von wiederbelebter Naturreligion.

Gesuch für Swisslos-Gelder abgelehnt

Der Inhalt des Museums folge subjektiven Auswahlkriterien, könne aber «in keiner Weise als anstössig oder jugendgefährdend bezeichnet werden». Fast beruhigend fügt der Regierungsrat an, dass das Museum nicht auf der Liste des Projekts «Eingeladen» aufgeführt sei, in dessen Rahmen Schulklassen freien Eintritt in 40 aargauische Museen erhalten. Ein Gesuch des Vereins Hexenmuseum Schweiz um einen Beitrag aus dem Swisslos-Fonds ist vom Regierungsrat übrigens am 18. März 2009 abgelehnt worden.

Wenn eine Lehrkraft einen Besuch im Hexenmuseum im Unterricht in einem übergeordneten thematischen Zusammenhang einbindet, dies eine differenzierte und kritische Auseinandersetzung mit den dort präsentierten Themen zum Ziel habe, hält die Regierung es «für vertretbar». Einen Grund, ihn zu verhindern, sieht sie nicht.

Schmid: «Erstaunliche Naivität»

Samuel Schmid freut sich über den Hinweis der Regierung, wonach es sich bei den «Wicca» um eine wiederbelebte Naturreligion handelt. Die laufe unter dem Begriff Okkultismus, so Schmid. Die Schlüsse, welche die Regierung aus dem Dargelegten zieht, zeugen für ihn indessen «von erstaunlicher Naivität». Ein Kontakt mit Okkultismus müsse «kompetent erfolgen». Schmid war schon im Hexenmuseum und hatte mit dessen Betreiberin «ein gutes Gespräch». Es gehe ihm nicht um sie oder darum, etwas zu verbieten. Es gehe um die Art und Weise der Konfrontation mit dem Thema. Ihn ärgert, wenn man in der Schule Stoff «über Hexen und Kaffeesatzlesen vermittelt bekommt, dafür kaum noch Grundwissen über den christlichen Glauben». Das letzte Wort in dieser Sache sei noch nicht gesprochen, so Schmid. Keine Frage: Wenn sein Vorstoss im Grossen Rat traktandiert ist, wird er dieses Forum nutzen.

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