Kriegsteppich
In einen Teppich geknüpft: 9/11 zehn Jahre vor dem 11. September 2001

Ein Teppich aus Afghanistan zeigt Motive, die an das Attentat auf das World Trade Center in New York erinnern. Geknüpft wurde er allerdings bereits 1991.

Christoph Bopp
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Der Teppich: Das machte der afghanische Knüpfer daraus.

Der Teppich: Das machte der afghanische Knüpfer daraus.

DTV-Verlag

Ein französischer Innenarchitekt betritt im Frühling 1991 in Paris einen Laden für Orientteppiche, weil er auf der Suche ist nach einem blauen Afghanteppich. Der Verkäufer zieht schliesslich aus einem Stapel in einer Ecke ein Exemplar hervor, man hatte nur die blaue Ecke gesehen.

Die beiden Männer gucken sich das Motiv an und es kommt ihnen bekannt vor: Die berühmte Skyline von New York mit der Brooklyn Bridge im Vordergrund und den Twin Towers des World Trade Centers im Hintergrund. Der Handel ist schnell perfekt.

Der Teppich: Das machte der afghanische Knüpfer daraus.

Der Teppich: Das machte der afghanische Knüpfer daraus.

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Dann liegt das schöne Stück in der Wohnung des Innenarchitekten. Und niemand schaut genauer hin. Bis am 11. September 2001 die Flugzeuge in die Türme rasen. Da macht es Klick beim Innenarchitekten. Die berühmten Bilder mit der Rauchsäule aus dem ersten Turm erinnern ihn an die Darstellung auf dem Teppich. Er beginnt mit der Hilfe von Freunden, Bekannten und Experten einen Versuch, den Teppich zu interpretieren. Und findet immer mehr Indizien, die darauf hinweisen, dass auf diesem Teppich die Idee und die Motive zum Anschlag von 2001 dargestellt sind. 1991 war für den dschihadistischen Kampf ein Schlüsseljahr.

Die Vorlage: Postkarte der Skyline von Manhattan.

Die Vorlage: Postkarte der Skyline von Manhattan.

JUPITERIMAGES/DTV

Die Geschichte klingt fantastisch, und im Umfeld von 9/11 herrscht ja auch kein Mangel an allerlei Verschwörungstheorien. Aber die Tradition, Botschaften auf Teppichen bildlich darzustellen und verschlüsselte Hinweise hineinzukomponieren, existiert und wird in Afghanistan bis heute gepflegt. Die Geschichte der Recherche erzählt Jean-Charles Wall zwar etwas aufwendig, aber durchaus nachvollziehbar.

Jean-Charles Wall: Die Prophezeiung des afghanischen Teppichs. dtv München 2014. 224 S., Fr. 29.90.