Online-Handel

In der Schweiz brummt der Handel mit Wildtieren im Verborgenen

Der Cat Ba Leopardgecko kommt nur im Cat Ba Island Nationalpark in Nordvietnam vor, und ist vom Aussterben bedroht.

Der Cat Ba Leopardgecko kommt nur im Cat Ba Island Nationalpark in Nordvietnam vor, und ist vom Aussterben bedroht.

Eine Studie aus Deutschland stellt fest, dass immer mehr Wildtiere und Tierprodukte im Internet gehandelt werden – auch illegal. In der Schweiz wird der Online-Handel nur sporadisch untersucht. Verbotene Deals sind für die Fahnder oft unerreichbar.

Ob mit Geckos, Schildkröten, Vogelspinnen oder Elfenbein: Der Handel mit bedrohten Wildtieren und Wildtierprodukten im Internet läuft heiss. Das bezeugt eine Studie, die der Internationale Tierschutz-Fonds (IFAW) veröffentlicht hat. Sechs Wochen lang beobachtete der IFAW 280 Online-Marktplätze in 16 Ländern, darunter in China, Deutschland und Grossbritannien. Das Ergebnis: In gesamthaft 9‘482 Anzeigen wurden 33‘000 lebende Tiere, Tierprodukte und -präparate zum Verkauf angeboten, die unter Artenschutz stehen. In einer ähnlichen Untersuchung im Jahr 2008 hatte der Tierschutz-Fonds noch 7‘000 Angebote gefunden.

Wie viele der Tiere illegal gehandelt wurden, lässt sich laut den Autoren der Studie zwar nicht eindeutig sagen. Die Beobachter leiteten aber fast 1‘200 Angebote an die Polizei des jeweiligen Landes weiter, wegen Zweifeln an der Legalität. Der IFAW schätzt zudem, dass mit dem illegalen Handel mit Wildtieren jährlich umgerechnet über 16 Milliarden Franken umgesetzt werden.

Stichproben im Netz

In der Schweiz beschäftigt sich das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) mit der Kontrolle des verbotenen Wildtierhandels. Das Internet durchforste man alle paar Wochen stichprobenweise nach illegalen Angeboten, sagt Mathias Lörtscher, Leiter Artenschutz beim BLV. Angeschaut würden primär Schweizer Diskussionsforen von Reptilienhaltern, wo Tiere und Präparate den Besitzer wechseln. «Wir finden pro Jahr etwa 1-2 Fälle, denen wir nachgehen müssen», sagt Lörtscher. Zu einem Strafverfahren sei es bisher aber noch nie gekommen. Bei den wenigen Fällen hätten die Verkäufer lediglich die nötigen Dokumente nicht offengelegt, hätten sie aber auf Nachfrage vorgewiesen.

Das bedeutet allerdings nicht, dass es in der Schweiz keinen illegalen Handel mit Wildtieren gibt. «Verbotene Geschäfte werden auf Websites getätigt, von denen wir nichts wissen oder in geschlossenen Foren, zu denen wir keinen Zugang haben», so Lörtscher. Er sei sich bewusst, dass das Internet ein geeignetes Medium für solche Deals sei.

Corina Gyssler vom WWF sieht darum Handlungsbedarf: «Die Schweiz macht zu wenig, um den verbotenen Online-Handel zu kontrollieren. Derzeit kennen wir diesen viel zu wenig und können illegale Aktionen deshalb auch nicht unterbinden.»

Schmuggel unterbinden

Wichtiger sei aber, dass bedrohte Tiere erst gar nicht in die Schweiz geschmuggelt würden, sagt Lörtscher. Seit 1973 regelt das Washingtoner Artenschutzabkommen Cites den Handel mit bedrohten Tieren, Tierprodukten und -präparaten. Für über 35‘000 geschützte Arten verbietet es den Handel oder stellt ihn unter strenge Vorschriften. Die Schweiz war eines der ersten Länder, die das Abkommen ratifiziert hatten. Wer ein Cites-geschütztes Tier importieren will, braucht dafür ein Cites-Zertifikat des Herkunftslandes. Ohne Zertifikat gilt der Import als Schmuggel – und der kann hart bestraft werden: Je nach Art und Menge der Schmuggelware drohen Bussen von bis zu 40‘000 Franken, Gelstrafen von maximal 1 Million Franken oder bis zu 3 Jahre Gefängnis.

Beim Schweizer Zoll geben Import und Export von Wildtieren immer mehr zu tun. 2011 machte die Grenzwache 867 Beanstandungen, 2013 schon 1023. Lörtscher wiegelt ab: «Tatsächliche Schmuggelfälle sind davon nur etwa 100. Bei den anderen gibt es meist Probleme mit irrtümlich falsch ausgefüllten Ein- und Ausfuhrpapieren.» Das Problem sieht Lörtscher aber bei der unbekannten Dunkelzahl: Wegen der weitgehend offenen Grenzen sei es relativ einfach, unbemerkt bedrohte Wildtiere illegal ein- und auszuführen. Das Problem sei bekannt, beim Zoll würde aber Personalbestand reduziert statt erhöht: «Anspruch und Realität klaffen hier auseinander.»

Elfenbein hoch im Kurs

Im Internet wird derweil fleissig weiter um Vogelspinnen und Königspythons gefeilscht. Hoch im Kurs ist laut der Studie des Tierschutz-Fonds Elfenbein: Jedes dritte Angebot habe Elfenbein oder mutmassliches Elfenbein beinhaltet. Weiter schreiben die Autoren, dass zwischen 2010 und 2012 über 100'000 Elefanten getötet wurden, um an ihr Elfenbein zu gelangen. Das wertvolle Stosszahn-Material steht bei Online-Auktionsplattformen wie Ebay und Ricardo auf der Verbotsliste. Ricardo-Sprecher Simon Marquard sagt: «Wir untersagen jeglichen Handel mit lebenden Tieren und Präparaten von geschützten Tieren und Pflanzen.» 

Ein grosses Problem ist der Handel mit Elfenbein: Laut dem Internationalen Tierschutz-Fonds wurden zwischen 2010 und 2012 über 100'000 Elefanten nur wegen ihres Elfenbeins getötet.

Ein grosses Problem ist der Handel mit Elfenbein: Laut dem Internationalen Tierschutz-Fonds wurden zwischen 2010 und 2012 über 100'000 Elefanten nur wegen ihres Elfenbeins getötet.

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