Langenthal
In der Marktgasse fliesst der Lebenssaft

Seit mehr als 20 Jahren entnimmt das Blutspendezentrum Langenthal jährlich mehr als 4000 Liter Blut. Dabei zeigt die Tendenz: Die Bereitschaft, Blut zu spenden nimmt ab. Gleichzeitig werden die medizinischen Kriterien für eine Spende strenger. Dem soll mit dem Blutspendemobil entgegengewirkt werden.

Drucken
Blutspende

Blutspende

az Langenthaler Tagblatt

Olivier Andres

Hinter den Mauern des Hauses an der Marktgasse 27 spielen sich blutige Dinge ab. Seit über 20 Jahren fliesst der rote Lebenssaft dort fast täglich in grossen Mengen; in einem Jahr kommen über 4000 Liter zusammen. Diese stammen von den rund 9000 Blutentnahmen, die Annemarie Bucher und ihr Team im Blutspendezentrum des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) jährlich durchführen.

Blutspenden in einem echten Londoner Bus Um das Blutspenden in den Sommermonaten zu fördern, liess sich der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) heuer etwas besonderes einfallen: Ein zu einem Blutspendemobil umgebauter doppelstöckiger roter Londonbus (Bild) tourt durch die ganze Schweiz und macht Halt in den meisten grösseren Städten. Heute und morgen ist das Blutspendemobil auch vor dem Choufhüsi in Langenthal zu Gast. Dabei bietet der Regionale Blutspendedienst Bern ein attraktives Programm an. Bei einem Wettbewerb gibt es Preise im Wert von mehr als 20 000 Franken zu gewinnen und ein Glücksrad lockt mit kleinen Sofortgewinnen. Auch die beiden Spieler des SC Langenthal Roland Gerber und Patrick Gurtner unterstützen die Aktion: Sie laden heute von 14 bis 15 Uhr zu einer Autogrammstunde ein. Doch das Wichtigste des Besuchs des Blutspendemobils bleibt das Spenden von Blut: Dies ist direkt vor Ort im einmaligen Ambiente eines echten, liebevoll restaurierten Londoner Busses möglich. Gleich nach der Spende versorgt das Hotel Bären die Spendenden beim Choufhüsi mit einer Auswahl an Sandwiches und einem Getränk nach Wahl. (MGT/oaw)

Blutspenden in einem echten Londoner Bus Um das Blutspenden in den Sommermonaten zu fördern, liess sich der Blutspendedienst des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) heuer etwas besonderes einfallen: Ein zu einem Blutspendemobil umgebauter doppelstöckiger roter Londonbus (Bild) tourt durch die ganze Schweiz und macht Halt in den meisten grösseren Städten. Heute und morgen ist das Blutspendemobil auch vor dem Choufhüsi in Langenthal zu Gast. Dabei bietet der Regionale Blutspendedienst Bern ein attraktives Programm an. Bei einem Wettbewerb gibt es Preise im Wert von mehr als 20 000 Franken zu gewinnen und ein Glücksrad lockt mit kleinen Sofortgewinnen. Auch die beiden Spieler des SC Langenthal Roland Gerber und Patrick Gurtner unterstützen die Aktion: Sie laden heute von 14 bis 15 Uhr zu einer Autogrammstunde ein. Doch das Wichtigste des Besuchs des Blutspendemobils bleibt das Spenden von Blut: Dies ist direkt vor Ort im einmaligen Ambiente eines echten, liebevoll restaurierten Londoner Busses möglich. Gleich nach der Spende versorgt das Hotel Bären die Spendenden beim Choufhüsi mit einer Auswahl an Sandwiches und einem Getränk nach Wahl. (MGT/oaw)

az Langenthaler Tagblatt

Etwa 3500 Stammspender umfasse ihre «Kundschaft», sagt die Zentrumsleiterin. Teilweise mehrmals pro Jahr spenden diese 4,5 Deziliter Blut. Ein Mann habe sich während seiner «Spenderkarriere», die maximal von 18- bis 65-jährig dauert, sogar 150-mal Blut abnehmen lassen. «Es gab Jahre, da kam er bis zu fünfmal vorbei», sagt Bucher. Häufiger geht nicht, denn: Zwischen zwei Spenden muss zwingend 76 Tage lang gewartet werden. «Die Flüssigkeit wird zwar innert 24 Stunden ersetzt, bei den roten Blutkörperchen dauert dies dagegen sechs bis acht Wochen», so Bucher.

In vielen Gemeinden ist der Blutspendedienst des SRK durch mobile Equipen präsent, die das Blutspenden mehrmals jährlich anbieten. «Unsere Aufgabe ist es dabei, jene Regionen abzudecken, die nicht von den mobilen Equipen besucht werden», beschreibt Bucher die Funktion des Blutspendezentrums. Dessen Einzugsgebiet erstreckt sich inzwischen über den Oberaargau hinaus bis in die Kantone Aargau, Solothurn und Luzern.

Die Spendebereitschaft nimmt ab

Von der Zentrale in Bern erhalten die neun Mitarbeiterinnen in Langenthal eine nach Wochen aufgeschlüsselte Vorgabe, welche Mengen und welche Blutgruppen sie entnehmen sollten. Dann geht es ans Telefonieren: passende Blutspender aus der Region werden zu einer Spende ins Zentrum eingeladen. «Wir können nicht hoffen, dass Spender spontan hereinlaufen», sagt Annemarie Bucher. «Wie die Fluggesellschaften überbuchen wir dabei.» Denn nicht selten komme es vor, dass Blutspender kurzfristig einen Termin absagen müssen oder diesen vergessen.

Die Bereitschaft zur Spende nimmt tendenziell eher ab. «Bereits 2008 war ein Rückgang der Spenderzahlen zu verzeichnen und heuer hat der Blutspendedienst Bern das Soll noch in keinem Monat erreicht», sagt Bucher. Dabei gebe es regionale Unterschiede: «Auf dem Land ist es etwas einfacher als in der Stadt.»

Der Ablauf einer Blutspende

Als erstes füllt der Spender einen Fragebogen zu seinem Gesundheitszustand aus. Auch das anschliessende kurze Gespräch mit einer medizinischen Fachperson dient der gesundheitlichen Kontrolle. Dabei werden Blutdruck, Puls, Temperatur und Hämoglobinwert gemessen. Die Blutspende selbst dauert rund zehn Minuten. Danach wird die Nadel entfernt und der Einstich mit einem Verband abgedeckt. Jede Spende wird den gesetzlich verlangten Labortests unterzogen. Danach wird das Blut in seine Bestandteile (rote Blutkörperchen, Blutplättchen und Plasma) aufgeteilt. Jeder Patient erhält nur noch jene Blutbestandteile, die er aufgrund seiner Krankheit benötigt. (oaw)

Verschärft präsentiert sich die Situation jeweils im Sommer: Die mobilen Equipen sind stark vermindert im Einsatz, gleichzeitig steigt jedoch der Blutbedarf infolge Ferien mit vermehrter Reisetätigkeiten. Selbst bei Blutknappheit gebe es aus Qualitätsgründen aber keine Importe, sagt die Zentrumsleiterin, die seit acht Jahren in Langenthal arbeitet.

Es könne daher vorkommen, dass nichtdringende Operationen verschoben werden müssten. Mit Aktionen wie dem Besuch des Blutspendemobils (siehe Kontext) werde im Sommer zusätzlich fürs Blutspenden geworben. Nicht möglich ist es, die Blutlager im Winter aufzustocken. «Das Blut, das heisst die roten Blutkörperchen, sind nur 49 Tage haltbar», sagt Bucher, bis zu diesem Zeitpunkt müsse das Blut beim Patienten Verwendung finden. Nur sehr selten kann es vorkommen, dass Blut vernichtet werden muss.

Blut zu spenden heisst Leben zu retten

Besonders schwierig sei es, neue junge Blutspender zu gewinnen, sagt Bucher. «Denn diese reisen heute mehr als früher.» Beispielsweise nach Aufenthalten in Malariagebieten muss jedoch sechs Monate bis zur nächsten Spende gewartet werden. Aber auch für Nicht-Reisende sind die Kriterien, die eine Spende vorübergehend verunmöglichen, zahlreicher geworden. «Mit dem Entdecken neuer Viren und Bakterien nehmen die Gründe für eine Rückweisung zu», sagt Bucher.

Da diese europaweit festgelegt würden, könne die Schweiz dabei nur beschränkt Einfluss nehmen. Obwohl sie die Suche nach neuen Spendern erschwerten, findet Bucher diese Kriterien notwendig, «denn ein Patient hat Anrecht auf sichere Blutprodukte».

Dies ist auch der Grund dafür, dass das SRK das Blutspenden nicht - wie in anderen Ländern üblich - finanziell entschädigt. «In diesen Ländern müssen viele Spenden aus Qualitätsgründen vernichtet werden», erklärt Bucher. Wer freiwillig und unentgeltlich spendet, habe keinen Grund etwas zu verheimlichen.

Das SRK setzt daher auf die Eigenmotivation der Spender. «Blut zu spenden ist vor allem ein gutes Gefühl für einen selber», sagt die Zentrumsleiterin. So weiss beispielsweise niemand, ob auch er einmal auf eine Blutspende angewiesen sein wird. Dass der Slogan «Blut spenden, Leben retten» ganz unmittelbar zutreffen kann, zeigte sich erst kürzlich. «Wir erhielten den Auftrag, für ein Kind in Neuenburg, das an einer speziellen Krankheit leidet, bestimmte Spender zu suchen», erzählt Bucher. Die ausgewählten Spender zeigten sich alle solidarisch und spendeten ihr Blut an diesem bestimmten Tag.

Aktuelle Nachrichten