In der Hitze des Grillwagens

Die tägliche Portion Meiereien...

Drucken
In der Hitze des Grillwagens

In der Hitze des Grillwagens

Aargauer Zeitung

jörg meier

«Sie sollten sich verändern», sagte Polderhorn, als er wieder unverhofft vor dem Redaktor stand.

«Verändern? Ich? Warum? Ich bin zufrieden, mit dem, was ich tue», sagte der Redaktor. «Lassen Sie mich bitte in Ruhe. Ich muss arbeiten.»

«Das habe ich nicht anders erwartet», entgegnete Polderhorn ungerührt. «Den Kopf in den Sand stecken und das Leben vorbeiziehen lassen. Das ist doch typisch für Sie. Haben Sie noch nie gespürt, dass es auch für Sie mehr geben muss als das Leben im Grossraumbüro? Zudem könne Sie ja nie wissen, wie lange Sie Ihren Job überhaupt noch haben.»

Noch bevor der Redaktor reagieren konnte, fragte Polderhorn: «Können Sie grillieren?»

Das könne er, sagte der Redaktor, er sei kein Turnier-Griller, aber doch, momoll.

«Gut», sagte Polderhorn, «und über 40 Jahre alt sind Sie ja auch längst, Sie sind einigermassen sauber, gepflegt und belastbar, können Deutsch und Auto fahren. Sie sind der Richtige.»

«Der Richtige – wofür?», fragte der Redaktor vorsichtig.

Polderhorn knallte ihm ein Stelleninserat aufs Pult. «Da», sagte er. «die suchen einen Grilloperator für die Region Baden-Aarau. Sie kriegen einen Grillwagen, grillieren und verkaufen Güggeli. Heute in Othmarsingen, morgen in Neuenhof, übermorgen in Rupperswil. Jeden Tag woanders. Vielleicht gibt es sogar einen Standort in Schwaderloch. Eine einfache Tätigkeit. Und Sie kommen unter die Leute. Spüren das wirkliche Leben in der Güggelihitze des Grillwagens. Und wenn Sie immer noch Lust haben, können Sie abends Ihre Grillereien schreiben.»

So sprach Polderhorn und verschwand. Als er weg war, nahm der Redaktor das Stelleninserat, las es und kam ins Grübeln.

Aktuelle Nachrichten