Hurrikan
In Amerika beginnt die Hurrikan-Saison

Der Hurrikan «Alex» rast mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 Kilometern durch den Golf von Mexiko und verschlimmert das desaströse Ölleck.

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In Amerika beginnt die Hurrikan-Saison

In Amerika beginnt die Hurrikan-Saison

Christian Nünlist

Es ist der erste tropische Sturm der diesjährigen Hurrikan-Saison über dem Atlantik, der einen Namen erhalten hat. «Alex» hat mit seinen heftigen Regenfällen bereits am letzten Wochenende in Zentralamerika mindestens vier Menschen getötet, doch nun sind alle Augen auf den Golf von Mexiko gerichtet.

Gestern wurde «Alex» vom National Hurricane Center in Miami, Florida, als Hurrikan der Kategorie 1 eingestuft. Mitten in der vorausberechneten Schneise des Sturms liegen die Ölfelder der staatlichen mexikanischen Ölfirma Pemex. Die Unglücksstelle der explodierten Bohrinsel Deepwater Horizon und der sich in der Folge gebildete Ölteppich sind nicht direkt im Auge des Hurrikans, aber «Alex» behindert den Kampf gegen die Ölpest trotzdem.

Denn die Schiffe, die den Ölteppich auf der Wasseroberfläche abschöpfen, müssen ihre Arbeit wegen rauer See rund eine Woche lang aussetzen. Wegen der hohen Wellen von bis zu 3,70 Metern und starken Windböen wurden die Reinigungsschiffe in die Häfen zurückbeordert.

Auch die Entlastungsbohrungen – in die zurzeit die grössten Hoffnungen gesetzt werden, das Tiefseeleck zu stopfen – müssen wohl wegen «Alex» unterbrochen werden. Der Tanker, der am lecken Bohrloch Öl abpumpt, hielt hingegen gestern trotz hohen Wellengangs die Stellung.

«La Niña» bringt heftige Hurrikane

Mit «Alex» beginnt die Hurrikan-Saison ungewöhnlich früh, zuletzt hatte es 1995 schon im Juni einen Sturm dieser Stärke gegeben. Experten rechnen damit, dass es 2010 schlimmere Hurrikane geben wird als in den letzten Jahren. Dafür machen sie das Klimaphänomen «Southern Oscillation» verantwortlich – den Luftmassenaustausch zwischen Indischem Ozean und Pazifik, der in zwei Phasen unterteilt ist und nur alle paar Jahre auftritt: El Niño und La Niña.

Soeben ist eine El-Niño-Phase zu Ende gegangen, während der nur zu 25 Prozent mit überdurchschnittlichen Hurrikanen gerechnet worden ist. Während der nun gerade begonnenen La-Niña-Phase – dem Gegenteil von El Niño –, die bis mindestens August dauern wird, wird hingegen zu 85 Prozent mit überdurchschnittlicher Wirbelsturm-Aktivität gerechnet.

Für die US-Regierung und den Ölmulti BP bedeutet La Niña und die erhöhte Hurrikangefahr eine zusätzliche Herausforderung beim Kampf gegen die Ölpest. Direkt am Bohrloch müssen aus Sicherheitsgründen die Crews abgezogen werden, die das auslaufende Öl absaugen, mit Chemikalien besprühen und abbrennen. Während der «Hurrikanpause» fliesst also das Öl wieder ungehemmt aus dem Bohrloch, was die Ölkatastrophe verschlimmert.

Die Hurrikane verursachen auch an den Küsten Probleme: Denn Wind und Wellen benässen in der Folge das Land bis zu 40 Kilometer weit landeinwärts mit Meereswasser – Meereswasser, das in diesem Jahr von einem dünnen Ölfilm verschmutzt ist.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Die Hurrikan-Experten können vor der La-Niña-Saison nur mit einem Argument Trost spenden: Denn 96 Prozent aller grösseren Hurrikane bildeten sich in der Spitzenzeit von Ende August und Anfang Oktober. BP hofft, dass dann die zwei Entlastungsbohrungen erfolgt sein werden und das Leck am Bohrloch definitiv gestoppt sein wird.

Die Regierung von Barack Obama blickt aber vorerst mit grosser Sorge auf «Alex» und die kommende Hurrikan-Saison. Denn die Ölkatastrophe am Golf hat Obama bereits stark politisch geschadet – und La Niña hat erst gerade begonnen. Schlechte Aussichten.

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