Gericht in Oberkulm
Immer, wenn sie Probleme hatte, klaute sie drauflos

Innert einem knappen Jahr hatte sie 50 dreiste Diebstähle begangen, und das nicht zum ersten Mal in ihrem Leben. Nur 3½ Jahre nach ihrer letzten Verurteilung stand die heute 25-Jährige am Dienstag wieder vor Gericht in Oberkulm.

Drucken
Teilen
Bildarchiv_Gericht_Hammer_key.jpg

Bildarchiv_Gericht_Hammer_key.jpg

Keystone

Rosmarie Mehlin

Schmal ist sie, nicht gross, ein nettes Gesicht hat sie und ihr gerades langes Haar ist heller getönt als im Dezember 2005. Damals hatte Svetlana (Name geändert) in Aarau vor Gericht gestanden und war wegen gewerbsmässigen Diebstahls zu 21⁄2 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die Strafe war zugunsten einer stationären sozialtherapeutischen Massnahme aufgeschoben worden. Nach 14 Monaten hatte sie, weil sie Koks konsumiert hatte, die entsprechende Institution verlassen müssen und wurde in einer spezialisierten Stiftung weiter therapiert. Im Juni 2008 dann war sie erneut verhaftet worden, war aus der
U-Haft ausgebüxt und sitzt seit knapp 10 Monaten wieder hinter Gittern in der Strafanstalt Hindelbank.

Aus Dummheit oder aus Gewohnheit

Bereits als 15-Jährige hatte die hier geborene Bosnierin Diebstähle begangen und danach mehrfach vor dem Jugendanwalt gestanden. In den letzten sieben Jahren, seit Svetlana 18 ist, war sie dreimal verurteilt worden. Von der letzten Strafe - jener vom Gericht Aarau - waren nach bedingter Entlassung noch 355 Tage offen, aber Svetlana hatte (noch) nichts gelernt. Nein, sie machte haargenau so weiter wie vorher: Sie schlich sich - notabene während der Betriebs- respektive Öffnungszeiten - in Büro- und Verwaltungsgebäude, Schulhäuser, Praxen, Altersheime und entwendete Handtaschen, Rucksäcke, Portemonnaies, Natels und was ihr sonst noch so in die Hände kam. Sie war im Wynental ebenso aktiv wie in und um Aarau herum, in Baden, Zürich, Olten und Bern. Insgesamt warf ihr die Anklage 54 Diebstähle mit einem Deliktbetrag von Fr. 50 304.65 vor.

Nur einen davon bestritt Svetlana: In die Praxis ihres Zahnarztes sei sie nicht eingeschlichen, denn sie habe niemals Leute, die sie kenne, beklaut. An ein weiteres Objekt ihrer kriminellen Begierde konnte sie sich nicht erinnern. Ansonsten aber - warum? «Aus lauter Dummheit», antwortete sie auf diese Frage von Präsident Christian Märki als Erstes. Als Zweites dann: «Aus Gewohnheit. Ich bin einfach immer auf dieser Schiene gefahren, wenn es mir nicht gut ging.» Stehlen als Problemlösung? «Ja, das war es für den Moment. Danach habe ich mich aber jeweils geschämt.» Heute sei ihr nun endgültig bewusst, was sie getan habe, es tue ihr leid und sie wolle endlich auf den richtigen Weg kommen - am allerliebsten natürlich in Freiheit und mithilfe einer ambulanten Therapie.

Svetlana hatte keine schöne Jugend, sie leidet an ADHS, hat mehrere Lehren geschmissen, jahrelang Cannabis konsumiert. Laut psychiatrischem Gutachten leidet sie sowohl an einer schweren Störung des Sozialverhaltens wie auch an einer Persönlichkeitsstörung, weshalb die Fachleute dringend zur erneuten Anordnung einer stationären Massnahme raten.

Rücksichtslos und verwerflich

Der Staatsanwalt forderte eine Gesamtstrafe von 4 Jahren, inklusive der noch offenen 355 Tage aus der letzten Verurteilung. Der Verteidiger erachtete eine solche von 30 Monaten als angemessen: Seine Mandantin sei ja doch noch jung und einsichtig. Die einzelnen Taten seien nicht gravierend, die Menge allerdings ergebe eine schwere Delinquenz. Allerdings sei Svetlana medizinisch krank und brauche Hilfe.

Das Gericht sprach die 25-Jährige im bestrittenen, dem ihr nicht erinnerlichen, sowie einem, auf, in Svetlanas Wohnung sichergestellten, nicht zuzuordnenden Gegenständen pauschalisierten dritten Anklagepunkt frei, reduzierte entsprechend die vom Staatsanwalt beantragte Strafe auf 3 Jahre und 9 Monate und schob sie erwartungsgemäss zugunsten einer stationären Massnahme auf. Präsident Christian Märki hielt in der Begründung fest, dass Svetlanas Verschulden gross sei, dass sie mit «erschreckender Intensität, rücksichtslos und mit den Diebstählen in Altersheimen und Schulhäusern auch besonders verwerflich» gehandelt habe. Svetlanas Schuldfähigkeit sei unbestrittenermassen vermindert; sie sei zweifellos massnahmebedürftig und auch -fähig, ob ebenfalls -willig, sei allerdings nicht so klar.

Aktuelle Nachrichten