Immer weniger wollen heute noch ins Heim

Im Baselbiet nehmen immer mehr Menschen die Spitex in Anspruch. Das führt zu personellen Engpässen. Entgegenwirken könnte eine Aufwertung des Pflegeberufs.

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Spitex Liestal

Spitex Liestal

Dina Zwimpfer

Immer mehr Baselbieter machen von der Spitex Gebrauch. Diese Zunahme betrifft aber nicht alle Angebote der Spitex im gleichen Mass. Während die Nachfrage im Bereich der Hauswirtschaft wegen einer differenzierteren Abklärung eher rückläufig ist, wird der Bedarf nach Pflege immer grösser.

Bei der Spitex Regio Liestal, die für die Gemeinden Frenkendorf, Füllinsdorf, Hersberg, Liestal und Seltisberg zuständig ist und ein Einzugsgebiet von rund 25000 Einwohnern abdeckt, nimmt die Zahl der Pflegestunden jährlich um drei Prozent zu - bei rund 35000 Jahresstunden macht dies über 1000 Stunden. «Viele Spitäler entlassen ihre Patienten früher», erklärt Lukas Bäumle diese Tendenz. «Daher benötigen die entlassenen Spital-Patienten für längere Zeit die Hilfe der Spitex», ergänzt der Geschäftsführer des Spitex-Verbands Baselland.

Diese frühen Spital-Entlassungen sind Folge einer Regelung, die 2012 in Kraft treten wird, jetzt aber schon vorbereitet wird: Spitäler rechnen ab diesem Zeitpunkt nicht mehr nach Tagen, sondern pro Fall ab. Für die Spitäler ist es deshalb in Zukunft lukrativer, die Patienten möglichst bald wieder zu entlassen.

Ein weiterer Grund für die zunehmende Nachfrage sind die Fälle von Demenz und von ambulanter psychiatrischer Versorgung, die in den letzten Jahren spürbar zugenommen haben. «Bei psychischen Problemen unterstützt die Spitex beispielsweise eine depressive Person, die in einer Klinik behandelt wurde und nun wieder in Alltags-Geschäfte des Haushalts eingeführt werden muss», beschreibt Bäumle. Auch ältere Leute machen immer häufiger von der Spitex Gebrauch. «Viele betagte Menschen wohnen möglichst lange zu Hause, weil das Altersheim relativ teuer ist», sagt Bäumle.

Als Folge dieses stetig grösser werdenden Bedarfs sind Pflegeberufe im Baselland chronisch unterbesetzt. «Es würde eine bessere gesellschaftliche Anerkennung des Berufs brauchen», sagt Claudia Aufdereggen, Geschäftsleiterin von Spitex Regio Liestal, der grössten von rund 30 Baselbieter Spitex-Organisationen. Die Spitex hat grössere Probleme als Spitäler, an neues Personal zu kommen, da sie ein spezielles Profil ansprechen. «Wir brauchen sehr flexible und selbstständige Leute, denn sie müssen alleine zu ihren Kunden gehen.»

Abgelegene Regionen haben zudem grössere Probleme als zentralere Gebiete. Aufdereggen: «Der Arbeitsweg und die geografische Lage einer Spitex können die Rekrutierung erschweren.» Spitex Regio Liestal habe derzeit keine dramatischen Probleme bei der Stellenbesetzung, sei aber ebenso mit dem mangelnden Angebot an qualifizierten Pflegefachpersonen konfrontiert. «Wir versuchen, mit Weiterbildungen und mit der Möglichkeit zu fachlichen Spezialisierungen ein attraktiver Arbeitgeber zu bleiben.»

Auch für die Spitex Basel ist das Suchen von qualifizierten Fachkräften eine grosse Herausforderung. «Der Stellenmarkt ist zeitweise regelrecht ausgetrocknet», sagt Ortrud Biersack, Leiterin des Zentralsekretariats der Spitex Basel, der grössten Spitex-Organisation im Kanton Basel-Stadt.
Im Gegensatz zur Baselbieter Spitex nahmen die Leistungsstunden der Spitex Basel im 2009 im Vergleich zum Vorjahr jedoch ab. «In Basel-Stadt haben wir eine andere Demografie als im Baselbiet», erklärt Biersack. «Die Stadt ist dem Land bei der Alterung voraus - unsere Hauptkunden sind schon heute zwischen 80 und 89, in Baselland dauert diese Entwicklung noch an.» Konkrete Gründe für die Abnahme kann Biersack dennoch nicht nennen. Sie betont aber die natürlichen Schwankungen bei der Spitex, die von vielen Faktoren abhängen. «Zudem gibt es in Basel ausser uns noch einige kleine, private Spitex-Anbieter. Der Markt ist deshalb heterogener als im Baselbiet», sagt Biersack.