Im Zickzack durch zwei Täler

Naturwege: Im Luzerner Surental gehts über Kies alles die Sure entlang bis nach Sursee. (Alois Felber)

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Naturwege: Im Luzerner Surental gehts über Kies alles die Sure entlang bis nach Sursee. (Alois Felber)

Velofahrer lieben es, Umwege zu fahren. Diesen Eindruck vermitteln jedenfalls die Radrouten im Wynen- und Suhrental. Sie führen zum Teil auf verschlungenen Wegen durch Dörfer und über Felder.

Alois Felber

64 Kilometer liegen vor mir, als ich in Suhr beim Zentrum Bärenmatte meinen Teil des grossen Radroutentests der MZ in Angriff nehme. Durchs Suhrental solls über 330 Höhenmeter via Sursee hinauf nach Beromünster gehen und durchs Wynental wieder zurück nach Suhr: eine lockere zweieinhalbstündige Abendausfahrt, hatte mein Kollege gemeint. Ja, für trainierte «Gümmeler» vielleicht. Ich habe mir einen Tag dafür reserviert.

Schon kurz nach dem Start wird klar, dass dies nicht nur wegen meiner nicht existenten Fitness keine schlechte Idee war. Denn als verlangsamender Faktor kommen Orientierungsprobleme hinzu. Habe ich mir doch aus der Radroutenkarte eingeprägt, dass die kantonale Route 34, die mich zur nationalen Route 3 Richtung Sursee bringen soll, an der Kirche von Suhr vorbei nach Westen führt. Doch bei der Kirche zeigt der Wegweiser zurück zur Bärenmatte. Was ist falsch? - Es ist die Karte. Die Radroute führt direkt an der Suhre nach Unterentfelden und nicht, wie eingezeichnet, durch das rückwärtige Quartier. Also packe ich die Karte weg und richte mich nur noch nach den Wegweisern.

Wo geht es jetzt wohl weiter?

Das klappt vorerst auch ganz gut. Den lauschigen Bach entlang gehts über ein schmales Strässlein nach Unterentfelden. Dort aber schlägt die Radroute einige Haken durch die Quartiere nach Oberentfelden. Das und die Querung von mehreren Hauptstrassen erfordern Konzentration. Die Beschilderung ist zudem auch nicht immer allzu eindeutig. Trotzdem schaffe ich es, Route 3 zu erwischen, und pedale abseits des Verkehrs in Richtung Schöftland, vorbei an einem Hirschgehege und einem Golfplatz. Der Weg über die Felder lässt Muhen und Hirschthal links liegen. Aber auch hier gilt es, einige Hauptstrassen zu queren. Und ich muss immer wieder stutzen, wo es wohl auf der anderen Seite weitergeht. Die Ausschilderung könnte besser sein.

In Schöftland ist sie es. Zwar geht es auch hier im schon gewohnten Zickzack durch Quartiere und Fabrikhinterhöfe. Aber ich verfahre mich kein einziges Mal und notiere als weiteren Pluspunkt, dass das Schwimmbad gleich an der Radroute liegt.

Zum Baden ist es noch zu früh

Doch ich muss weiter. Die Radroute führt über eine Nebenstrasse nach Staffelbach und ab dort immer auf Kies weiter die Suhre entlang bis nach Sursee. Hier liesse sich trefflich die wunderschöne Landschaft geniessen, wenn am Horizont nicht dunkle Gewitterwolken dräuten. Deckung hat man aber nirgends. Häuser zum Unterstehen gibt es nicht. Ein Restaurant direkt am Radweg schon gar nicht. Eigentlich habe ich seit Suhr keines mehr bewusst gesehen.

Doch bald ist Sursee erreicht. Die Tour führt hier mitten durch die schmucke Altstadt. Dutzende Restaurants und Cafés laden nach 27 Kilometer Fahrt zur Rast. Die hätte ich eigentlich dringend nötig. Dass ich trotzdem weiterfahre, liegt nur am drohenden Gewitter. Bevor es losbricht, will ich mindestens Menziken erreichen.

Rettende Beiz für Unwetter

Fehlentscheid. Das Schild der Radroute 84 am Beginn der Steigung nach Beromünster hat mich noch gewarnt: «Steigt 190 Meter auf 3000 Meter». Das tönt harmlos, ist es aber nicht. Zumindest nicht für einen untrainierten 38-jährigen Journalis-ten mit leichtem Bauchansatz. Schon gar nicht, wenn er Hunger hat. Belohnt wird die Plackerei mit der wunderschönen Aussicht auf den Sempachersee. Dumm nur, dass der Himmel jetzt zappenduster ist.

Schliesslich bin ich froh, dass ich mich auf halber Höhe wieder mal wegen eines nicht ganz eindeutigen Wegweisers verfahre und vom Radweg auf die Hauptstrasse gerate. Denn diese steigt 30 Meter weniger hoch und führt mich direkt an ein Restaurant. Chommle heisst die rettende Gaststätte, in der ich Geschnetzeltes «Stroganoff» esse und die nächsten zwei Stunden dankbar sitzen bleibe, weil draussen ein Wolkenbruch nach dem anderen niedergeht.

Eine Abfahrt als Höhepunkt

Weiter gehts erst, als die Sonne wieder scheint. Nach Beromünster wartet ein absolutes Highlight: Die Abfahrt über den neuen wunderschönen Veloweg nach Menziken hinunter. Das macht Spass. Umso mehr, als am Ende der Abfahrt schon wieder ein Schwimmbad direkt an der Radroute liegt, das - bei anderem Wetter - zu einer Abkühlung locken würde.

Doch dann steht wieder ein Zickzack-Parcours durch Menziken und Reinach auf dem Programm. Nachdem ich den richtigen Weg zum x-ten Mal nicht erwischt habe, fahre ich entnervt einfach geradeaus durch die Quartiere und übers Feld nach Gontenschwil. Das geht auch.

Für diesen Abschnitt meint meine Karte ja sowieso: «Signalisation in Bearbeitung», also rolle ich eben auch über Hauptstrassen das Wynental hinunter. Von Zetzwil nach Kulm und dann wieder ab Teufenthal gehts aber über gut ausgeschilderte Radwege. Diese zwingen zwar erneut zu Umwegen. Immerhin bringt mich die Route jetzt aber ohne weitere Verfahrer zurück nach Suhr, wo ich mir erschöpft vornehme, endlich wieder mehr Sport zu treiben.

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