Im Rausch ein Inferno entfacht

Er hat getrunken, gezündelt und dann einen Grossbrand verursacht. Mit den Konsequenzen wollte sich der 23-Jährige nicht abfinden. Das Obergericht hat nun das Urteil von 15 Monaten Freiheitsstrafe bedingt bestätigt.

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Im Rausch ein Inferno entfacht

Im Rausch ein Inferno entfacht

Solothurner Zeitung

Raffaela Kunz

Die Nacht vom 12. auf den 13. Juni 2005 sollte das Leben des damals knapp 18-jährigen Manuel T.* verändern. Zusammen mit drei Kollegen leerte er eine Flasche Wodka im «Pärkli» hinter der St.-Ursen-Kathedrale. Dann begab sich das Quartett zur Tankstelle beim Solothurner Hauptbahnhof, um Nachschub zu besorgen. Sie leerten eine weitere Flasche und kletterten auf Güterwaggons. Und dann passierte, was kaum jemandem in der Region verborgen blieb: Manuel T. zündelte leichtsinnig und betrunken auf dem Sitz eines Autowracks, das sich auf dem Güterareal der SBB befand. Es entstand ein Feuer, und weil sich das Wrack unmittelbar unter dem Vordach des hölzernen Güterschuppens befand, wurde aus dem dummen Bubenstreich ein Grossbrand. Der Güterschuppen brannte vollständig nieder.

«Betrunken und bekifft»

Die vier Jugendlichen wurden schnell ermittelt und überführt – unter anderem anhand von Fotos des Geschehens, die Manuel T. mit seiner Handykamera geschossen hatte. Die Konsequenzen für den Schweizer sind hart: Während seine Kollegen vor Jugendgericht freigesprochen wurden, lautete sein Verdikt Ende 2008 vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern: 15 Monate Freiheitsstrafe bedingt wegen Brandstiftung. Doch das ist nicht alles: Der junge Koch sieht sich mit Schadenersatzforderungen zwischen 700000 und 900000 Franken konfrontiert. «So viel Geld kann und will ich niemals zahlen», erklärte der gross gewachsene junge Mann an der gestrigen Verhandlung vor dem Obergericht des Kantons Solothurn. Er stellte sich auf den Standpunkt, dass es sich gar nicht um Brandstiftung gehandelt habe. «Ich war schon auch ein Auslöser für den Brand», gestand er zwar ein; allerdings sei alles eher ein Unfall gewesen. «Ich wollte niemals einen Grossbrand auslösen», versicherte der junge Mann. Überhaupt: Richtig realisiert, was passiert sei, habe er erst im Nachhinein. «Ich war betrunken und bekifft», beteuerte T. Er sei wie ohnmächtig gewesen und möge sich an nichts mehr richtig erinnern. Auch nicht daran, dass einer seiner Kollegen ihn dazu angehalten habe aufzuhören und in Panik vor einer Explosion davongerannt sei, nachdem er den Brandherd mit Cola zu löschen versuchte. Und schon gar nicht daran, warum er nicht einfach die Feuerwehr gerufen hat.

Er wusste, was er tat

An diesen Behauptungen meldeten die Oberrichter einige Zweifel an: Daniel Kiefer verwies auf die «interessanten Details», an die sich T. in den Aussagen vor den Untersuchungsbehörden noch erinnert habe. Auch seine Kollegen hätten ausgesagt, dass er noch gewusst habe, was er getan habe, so Kiefer: «Alles deutet darauf hin, dass sie nicht völlig neben den Schuhen standen.» Marcel Kamber nahm Bezug auf «bemerkenswerte Schilderungen von inneren Vorgängen», in T.s Aussagen wie dessen plötzliche Angst und den Entscheid abzuhauen und fand: «Sie hatten kein Blackout.»

Anderer Ansicht war T.s Verteidigerin. Sie kritisierte die Strafuntersuchungsbehörden heftig: «Wenn man das Ausmass des Delikts und das jugendliche Alter von T. bedenkt, hätte ihm ein Verteidiger zur Seite gestellt werden müssen.» Weil dies aber unterblieben sei, müsse T. wegen der Verletzung des Anspruchs auf ein faires Verfahren freigesprochen werden. Weiter stellte sie sich auf den Standpunkt, dass T. wegen des Alkohol- und Cannabiskonsums gar nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Folgen seines Verhaltens zu überdenken. «T. hatte einen Vollrausch», zeigte sie sich überzeugt und meldete Zweifel an dessen Schuldfähigkeit an. Falls T. dennoch verurteilt werde, müsse das Strafmass auf maximal sechs Monate gesenkt werden. «Wenn ich könnte, ich würde alles rückgängig machen», beteuerte T. In Anbetracht der massiven Folgen für sein Leben mag man ihm das glauben. Am Urteil indes änderte das nichts: Das Obergericht bestätigte den Entscheid der Vorinstanz. T. habe eventualvorsätzlich gehandelt. Über die Schadenersatzforderungen wird ein Zivilgericht entscheiden müssen.

*Name von der Redaktion geändert