Pilz
Im Pilz-Körbchen herrscht noch gähnende Leere

Ende September haben Pilze Hochsaison – normalerweise. Bislang blieben die Körbchen der Sammler aber leer: Den empfindlichen Pilzen ist

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Pilz-Saison

Pilz-Saison

Schweiz am Sonntag

von Katja Schlegel

«Bis jetzt ist die Pilz-Saison ganz schlecht», sagt Kurt Minder, Pilzkontrolleur aus Arlesheim. Selbst an Stellen, an denen normalerweise immer Pilze zu finden sind, sei er bisher noch nicht fündig geworden. «Und wenn es jetzt noch Frost gibt, ist Hopfen und Malz verloren.»

Ähnlich schwarz wie Minder sehen das auch seine Kolleginnen Hilda Fuchs aus Hölstein und Magda Exnar aus Sissach. Beide bestätigen: In den Baselbieter Wäldern herrscht bis jetzt in Sachen Pilz tote Hose. «Die paar Pilzkontrollen, die ich bisher gemacht habe, sind kaum der Rede wert», sagt Fuchs. Und Exnar: «Ich musste vor drei Wochen sogar eine Pilz-Exkursion absagen, weil es einfach keine Pilze zu finden gab.»

Der Grund: Den Pilzen ist es zu trocken. Der heisse August und der freundliche September haben den Waldboden ausgedörrt. «Bei einigen Pilzsorten reichen Trockenheit und hohe Temperaturen aus, um das Wachstum zu stoppen», sagt Minder. Trotzdem: Regen bräuchte es nicht unbedingt, um die Pilze aus dem Boden zu locken. «Das Wetter kann so bleiben, wie es ist. Solange die Temperaturen nicht unter Null gehen, können einige Pilzarten noch kommen und die Saison retten», sagt Minder.

Die fehlenden Pilze sind aber kein saisonales Problem. Minder beobachtet den Rückgang des Pilzbestandes seit Jahren. «Eigentlich ist der Grossraum Basel ein sehr gutes Pilzgebiet.» Mehr als 2300 Sorten wachsen in der Region. «Aber heute muss man immer mehr in die Höhe, um fündig zu werden.» Warum dem so ist, wurde wissenschaftlich nicht untersucht.

Minder vermutet aber, dass die Pilze noch immer mit den Nachwirkungen des Rekordsommers 2003 zu kämpfen haben: «Bei einigen Pilzen hat die enorme Hitze das Wachstum nicht nur gebremst, sondern ganze Bestände zerstört.» Bis sich das Myzel, also das Pilzgeflecht im Boden, erholt oder neues entsteht, kann es Jahre dauern.

Den Schwarzen Peter schieben die Pilzler aber nicht allein dem Wetter zu. Schuld sei auch die moderne Forstwirtschaft. «Die schweren Traktoren verdichten die Waldoberfläche so, dass die bestehenden Bestände kaputt gehen», sagt Minder. Auch das Abholzen gewisser Bäume, beispielsweise der Birken, zerstört die Lebensgemeinschaft vieler Pilze.

«Durch das Fällen der Bäume änder sich der Lichteinfall, und das wiederum verändert die Pilzflora», sagt Minder. Das sei nicht zu verhindern, setze den äusserst lichtempfindlichen Pilzen aber häufig so zu, dass sie nicht mehr wachsen.

selbst wenn es in den nächsten Tagen regnen und warm bleiben würde - sicher können sich die Pilzler ihrer Beute nie sein: «Der Pilz ist ein unberechenbarer Kerl», so Exnar. Das Wetter sei nur eine von vielen Komponenten, die stimmen müssen, damit die Pilze aus dem Boden schiessen.

Trotzdem sind die Kontrolleure zuversichtlich: «Sie kommen jetzt langsam», sagt Minder und verrät: «Bei meinem letzten Streifzug durch den Wald habe ich innert drei Stunden über 100 Sorten ausgemacht.» Auch Magda Exnar zeigt sich vorsichtig optimistisch: «Es kann sein, dass noch ein Schub kommt, aber beim Pilz weiss man nie so recht. Und gerade das macht es ja so spannend.»