Spitalseelsorge

Im Notfall einen Priester finden

Krankensalbung: Mit geweihtem Öl zeichnet der Priester ein Kreuzzeichen auf die Stirn und auf die Hände des Kranken. (Nadine Loesaus/KNA)

Salbung

Krankensalbung: Mit geweihtem Öl zeichnet der Priester ein Kreuzzeichen auf die Stirn und auf die Hände des Kranken. (Nadine Loesaus/KNA)

Der Leiter der katholischen Spital- und Klinikseelsorge im Kanton Zürich, Urs Länzlinger Feller, ist besorgt: Der 24-Stunden-Pikettdienst für Spitalpatienten, die nach einem Priester verlangen, ist noch nicht gesichert.

Alfred Borter

Ernste oder gar lebensbedrohliche Situationen im Spital halten sich nicht an Bürozeiten. Es kommt vor, dass das Pflegepersonal mitten in der Nacht erkennt, dass das Leben eines Patienten oder einer Patientin zu Ende geht. Dann werden die Angehörigen informiert, nach Möglichkeit auch der Seelsorger oder die Seelsorgerin, welche den Patienten im Spital begleitet hat. Und nicht selten äussern katholische Patienten oder ihre Angehörigen den Wunsch nach einer Krankensalbung.

Stärkung von Leib und Seele

Früher sagte man «letzte Ölung», und die Gläubigen waren darauf bedacht, dass kein Mensch seine Reise ins Jenseits antreten musste, ohne die Sterbesakramente erhalten zu haben. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil wird die Krankensalbung den Gläubigen gespendet, die aufgrund von Krankheit oder Altersschwäche in Gefahr geraten, also nicht allein Sterbenden. Die Salbung mit dem vom Bischof geweihten Öl soll gemäss der offiziellen Lesart ein Zeichen des Erbarmens Gottes sein, das Krankheit, Schmerz und Bedrängnis vertreibt und heilsam für den Leib, für Seele und Geist ist.

Nur Priester sind befugt

In den 36 Spitälern des Kantons kommen im Jahr, wie Urs Länzlinger Feller, Dienststellenleiter der Spital- und Klinikseelsorge der römisch-katholischen Kirche im Kanton Zürich, berichtet, rund 300 notfallmässige Einsätze vor. Eine Schwierigkeit, den Wünschen der Kranken und ihrer Angehörigen nachzukommen, besteht nun aber darin, dass in seinem Team von 36 Seelsorgern und Seelsorgerinnen nunmehr neun zum Teil ältere Priester mit kleinen Pensen sind, und allein Priester sind befugt, das Sakrament der Krankensalbung zu spenden.

Obschon auch andere, in den Kirchgemeinden tätige Priester allenfalls einspringen, kann es vorkommen, dass innert nützlicher Frist kein Priester erreicht werden kann, der die Krankensalbung vornehmen kann. Länzlinger versteht, dass sich Angehörige dann ärgern, und ist überzeugt: «Es ist für uns eine Riesenchance, als Kirche gemeinsam mit den reformierten Spitalpfarrern nahe bei den Kranken, Leidenden und Sterbenden zu sein.» Damit könne man als «Geh-hin-Kirche» auch mit kirchenferneren Menschen in Kontakt kommen und möglicherweise auch ihnen seelsorgliche Begleitung und Trost in einer schwierigen Zeit anbieten.

Länzlinger würde es begrüssen, wenn alle katholischen Spitalseelsorgenden die Erlaubnis hätten, die Salbung vorzunehmen, aber er weiss: «Das geht aus kirchenrechtlichen Gründen nicht.» Immerhin darf ein Laienseelsorger oder eine Laienseelsorgerin eine Krankensegnung mit Weihwasser anbieten. Mit der Reorganisation der Spitalseelsorge im Jahr 2005 ist es gelungen, die Lage zu verbessern, doch der Auftrag, sicherzustellen, dass jederzeit spätestens nach 60 Minuten ein Priester im Spital eintrifft, um eine Krankensalbung vorzunehmen, liess sich noch nicht überall voll umsetzen.

Finanzsorgen

Ausserdem macht Länzlinger die Finanzfrage Sorge. In der Stadt Zürich sichert der Stadtverband den Priesterpikettdienst während der Nächte und an Wochenenden mit 50 000 Franken jährlich, obschon die Aufgabe jetzt eigentlich bei der kantonalen Kirche zentralisiert ist. Die Zentralkommission, das «Regierungsorgan» der katholischen Körperschaft, hatte für das Anliegen, die Kosten auf die kantonale Kasse zu nehmen, vorerst kein Gehör, was Länzlinger zwar bedauert, aber auch versteht: «In der heute angespannten Finanzlage ist es schwierig, jemanden davon zu überzeugen, dass man mehr Geld einsetzen sollte.» Trotzdem ist er zuversichtlich, dass Zentralkommission und Synode später doch noch überzeugt werden können, dass der Priesterpikettdienst im ganzen Kanton spätestens ab 2011 voll funktionieren sollte, zumal auch der Zürcher Generalvikar und Weihbischof Paul Vollmar das Projekt unterstützt. «Das werden wir mit vereinten Kräften hinkriegen», meint der Leiter der katholischen Spitalseelsorge.

Nottaufe kann jedermann vollziehen

Übrigens hat die katholische Kirche die Nottaufe anders geregelt als die Erteilung des Sakraments der Krankensalbung: Obschon auch die Taufe ein Sakrament ist, darf jedermann, der guten Willens ist, ein noch ungetauftes Kind, das im Sterben liegt, taufen. Auch beim Sakrament der Ehe nimmt es die katholische Kirche nicht mehr so streng: Hier darf auch ein Diakon oder delegierter Laienseelsorger die feierliche Handlung vornehmen.

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