Naturschutz
Im Namen der Tiere: Füttern verboten!

Ab heute ist die Fütterung von Wildtieren in sämtlichen Schweizer Schutzgebieten offiziell verboten.

Irene Müller
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Gut gemeinte Tierliebe mit Folgen.

Gut gemeinte Tierliebe mit Folgen.

Keystone

Tierliebe ist zwar etwas Schönes, doch manchmal bringt sie mehr Schaden als Nutzen. Wenn man beim Picknick am See sein Brot mit den gierigen Enten und Schwänen teilt, ist das zwar gut gemeint, hat aber oft negative Auswirkungen auf die Tiere.

Deshalb hat der Bund nun beschlossen, das Füttern von Wildtieren in sämtlichen Wasser- und Zugvogelreservaten sowie in Jagdbanngebieten (– das sind geschützte Lebensräume, in denen das Jagen untersagt ist –) ab heute zu verbieten. «Das Ziel dabei ist vor allem, die Bevölkerung verstärkt darauf aufmerksam zu machen, dass das Füttern den Tieren nichts nutzt, sondern ihr natürliches Gleichgewicht stört», erklärt Reinhard Schnidrig, Chef der Sektion Wildtiere beim Bundesamt für Umwelt.

Am stärksten betroffen vom Verbot sind Schwäne und Enten, welche in stadtnahen Gebieten gerne mit Brot gefüttert werden. Dabei ist Brot als Futter für die Wasservögel alles andere als geeignet. Es enthält kaum Vitamine und Ballaststoffe und kann in grossen Mengen die Ernährung von Wasservögeln völlig aus dem Gleichgewicht bringen.

«Wildtiere brauchen kein zusätzliches Futter, dies schafft meistens nur Probleme», sagt Schnidrig. «Es kann zu Überpopulationen kommen und die Tiere verlieren die Angst vor den Menschen, richten manchmal grosse Schäden an und müssen allenfalls sogar geschossen werden.» Dies gelte nicht nur für Wasservögel, sondern für sämtliche Wildtiere, wie zum Beispiel Tauben, aber auch Wölfe und Bären.

Kein Schilderwald in Sicht

In den meisten Schutzgebieten und auch an vielen weiteren Orten mit grossen Wasservögel-Beständen stehen bereits Schilder, die die Passanten dazu auffordern, Wildtiere in Ruhe zu lassen. In Regionen wie beispielsweise dem aargauischen Reusstal hatten die jahrelangen Wildfütterungen starke Überpopulationen zur Folge. Mehr Schwäne bedeuten unter anderem mehr von Kot verdreckte Wiesen am Seeufer. «Das Verbot von Futter hat eine Halbierung der Population zur Folge», sagt Schnidrig. So hatte man auch die Situation im Reusstal wieder in den Griff bekommen.

«Es wird aber kein Schilderwald rund um Schweizer Seen geben», beruhigt Schnidrig. Das Ziel sei, in nächster Zukunft sämtliche Markierungen zu vereinheitlichen. Man will die Leute besser und klarer informieren.

Es sind auch keine Bussen für allfällige Gesetzesbrecher vorgesehen. Man will vermehrt das Gespräch mit den Leuten suchen, sie aufklären. Für die genaue Umsetzung der Bestimmungen des neuen Gesetzes sind allerdings die Kantone zuständig.

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