Westumfahrung
«Im Moment sind wir die Verlierer»

Die Westumfahrung bringt mehr Druck auf das Limmattaler Kreuz, sagt Präsident der Zürcher Planungsgruppe Limmattal, Willy Haderer. Abhilfe bringen könnte eine zügigere Planung beim Gubristausbau.

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Stau durch Weiningen

Stau durch Weiningen

Limmattaler Zeitung

Bettina Hamilton-Irvine

Herr Haderer, gemäss dem Fazit der Stadt und des Kantons Zürich hat sich die Westumfahrung bewährt. Sehen Sie das auch so?

Willy Haderer: Die Westumfahrung selber funktioniert bestens. Im Limmattal hat sich die Situation jedoch vielerorts verschlechtert. Auf der Engstringerkreuzung von Schlieren nach Unterengstringen hat es nun zu den Hauptverkehrszeiten regelmässig Stau. Auch wird statt des Gubrists oft die Regensdorferstrasse über den «Weininger» benutzt, um nach Regensdorf zu gelangen. Und auch auf der Zürcherstrasse von Weiningen nach Oberengstringen hat es mehr Verkehr als vorher.

Wo sehen Sie die Gründe dafür?

Haderer: Die Westumfahrung bringt mehr Druck auf das Limmattaler Kreuz und den Gubrist. Der ständige Stau am Gubrist und Limmattaler Kreuz verleitet viele Autofahrer dazu, schon in Weiningen die Autobahnein- oder ausfahrt zu benützen. Wer immer im Stau stecken bleibt, sucht halt Alternativen.

In Zürich und im Sihltal stellt man eine Verkehrsreduktion fest, für das Knonaueramt hofft man im November auf Besserung. Ist das Limmattal der grosse Verlierer?

Haderer: Im Moment schon, das ist ganz klar. Dass sich die Situation für das Sihltal und auch für Birmensdorf gebessert hat, ist unbestritten. Doch das Limmattaler Kreuz wird noch für die nächsten paar Jahre die leidtragende Region sein.

Sie erhoffen sich Besserung vom Gubristausbau. Dies könnte noch bis 2017 dauern.

Haderer: Zu meinem Schrecken habe ich diese Zahl vor Kurzem auch gehört. Vielleicht wird die Stadtbahn Limmattal ja sogar noch vor dem Gubristausbau Realität.

Die Einsprache der Gemeinde Weiningen, die eine Gubristüberdeckung möchte, könnte auch zur Verzögerung beitragen. Was ist Ihnen wichtiger, die Überdeckung oder eine frühere Realisation?

Haderer: Wir gehen davon aus, dass die Überdeckung innerhalb der Projektierung stattfinden kann. So wie die Verhandlungen laufen, sollte es dabei nicht zu zusätzlichen Verzögerungen kommen. Wenn es nicht möglich ist, dies innerhalb des sowieso schon riesigen Zeitraumes unterzubringen, dann ist unsere Strassenverkehrspolitik wirklich bankrott.

Ist es schlechte Planung, dass Teile des Limmattals bis zum Gubristausbau unter Mehrverkehr der Westumfahrung leiden müssen?

Haderer: Wir sind einfach viel zu spät dran mit unserer Motorenverkehrs-Taktik. Ich habe schon seit Jahren darauf gedrängt, dass man hier vorwärts macht.

Die Organisation Umverkehr fordert einen Ausbaustopp des Autbahnnetzes im Grossraum Zürich, um mehr auf öffentlichen Verkehr zu setzen. Was sagen Sie dazu?

Haderer: Das ist ein absoluter Unsinn. Die Realität zeigt, wie viel Verkehr eine Stadt oder Agglomeration erzeugt - nur schon intern, ohne Pendlerverkehr. Um diesen zu bewältigen braucht es beides, den motorisierten Verkehr als auch den öffentlichen Verkehr. Wir setzen im Limmattal sehr auf öffentlichen Verkehr, wie auch das Projekt Stadtbahn zeigt. Auch der Langsamverkehr wird gefördert. Man kann uns wirklich nicht vorwerfen, wir hätten nichts unternommen.

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