Dialog: Raclette aus dem Weltkriegsbunker

Im Militärbunker lagern Steigmeiers jetzt Käse

Raclette aus dem Weltkriegsbunker

Raclette aus dem Weltkriegsbunker

Weil der heisse Sommer die Temperaturen im eigenen Keller zu stark in die Höhe trieb, suchten Vater und Sohn Steigmeier vom Endinger Strickhof ein alternatives Käselager. Fündig wurden sie in einem alten Militärbunker.

Peter Keller

«Die ideale Temperatur für die Käsereifung liegt bei 10 bis 15 Grad Celsius», sagt Urs Steigmeier. Im hofeigenen Kellerabteil, in dem die Käse aus eigener Produktion bisher während der Reifephase eingelagert gewesen waren, hat der heisse Juli die Temperatur über dieses Limit gedrückt.

Steigmeier erinnerte sich an den alten Militärbunker, der einige hundert Meter vom Strickhof entfernt neben dem Semli-Steinbruch ein kaum beachtetes Dasein fristet. Im Gegensatz zu zahlreichen anderen Bunkeranlagen im Surbtal war dieses Objekt nie einer anderen Nutzung zugeführt worden.

Steigmeier kämpfte sich via Internet und Telefon zur richtigen Amtsstelle vor, und dann ging alles unbürokratisch schnell: «Innerhalb von 5 Tagen haben wir die mündliche Zusage für eine Nutzung bis August bekommen.»

«Ideales Klima»

Die Käselaibe aus der letzten Produktionscharge sind bereits im Bunker eingelagert. «Die Temperatur liegt stabil bei 13 Grad und die Luftfeuchtigkeit ist hoch – ideale Verhältnisse für die Käsereifung», freut sich Franz Steigmeier, der täglich das Lager besucht und die Käse mit Salzlakenschmiere einstreicht und wendet.

Die ersten Erfahrungen mit dem Bunkerlager sind so gut, dass Steigmeiers grosses Interesse haben, die provisorische Notlösung in ein Definitivum umzuwandeln. Dazu braucht es ein Umnutzungsgesuch und eine Miet- oder Verkaufsbewilligung von Armasuisse. Die Strickhofbauern werden die entsprechenden Formulare ausfüllen und auf den Weg schicken.

Die Kundschaft freuts

Mit der Käseproduktion begonnen haben Urs und Franz Steigmeier in diesem Frühling als Teil einer Diversifikationsstrategie. Zweimal liessen sie bisher den Milchertrag ihrer Kühe von zwei Tagen durch einen Störkäser verarbeiten.

Aus den jeweils 1500 Litern Milch entstanden zweimal 150 Kilo Käse: ein tilsiterartiger Schnittkäse, Raclette und Mutschli mit verschiedenen Kräuter- und Gewürzbeilagen. «Sobald die Frage des Käselagers definitiv gelöst ist, werden wir sicher wieder käsen», versichert Urs Steigmeier. Verkauft wird ausschliesslich über den eigenen Hofladen – der Surbtalkäse hat guten Anklang bei der Kundschaft gefunden.

Regionales Militärdenkmal

Der Semli-Bunker war einst Teil einer Verteidigungslinie, die Anfang der Vierzigerjahre zum Schutz des Aaretals an der Westkante des Surbtals entlang gezogen wurde. Die Panzersperre aus «Drachenzähnen» war alle paar hundert Meter mit einem Bunker gesichert, der Maschinengewehrstellungen und eine 75-Millimeter-Panzerabwehrkanone deckte.

Der nun mit Raclette und Mutschli gefüllte Bunker figuriert dank seiner strategischen Stellung im Hang an der Firsthalde im Inventar der militärischen Denkmäler von regionaler Bedeutung. Dies dürfte kein Hinderungsgrund sein, ihn künftig weiter als Käselager zu nutzen.

Von amtlicher Seite steht man einer sanften, standortgerechten Nutzung der erhaltenswerten Objekte offen gegenüber, denn so werden sie automatisch auch unterhalten. Ansonsten zerbröseln die inzwischen 70-jährigen Anlagen still und leise.

Meistgesehen

Artboard 1