Fulenbach

Im Hirschpark ging der Fuchs auf die Jagd

Dieses Jahr hat Meister Reineke in Fulenbach wiederum eines der Hirschkälber gerissen. (Bild: Archiv)

Junger Fuchs

Dieses Jahr hat Meister Reineke in Fulenbach wiederum eines der Hirschkälber gerissen. (Bild: Archiv)

Die Sommerattraktion im Fulenbacher Hirschpark sind die Kälber: Drei kleine Hirschlein rennen im Moment ihren Müttern nach – ein viertes ist dem Fuchs zum Opfer gefallen.

PETER KELLER

«Die letzten drei Jahre hatten wir Ruhe vor dem Fuchs», sagt Rudolf Keller, der zusammen mit seiner Frau Elisabeth die Damhirsche im Fulenbacher Tierpark betreut. Er führt dies auf die Abschussaktion zurück, die 2006 habe angeordnet werden müssen. «Wir mussten den Jagdaufseher aufbieten, denn die Füchse haben sich immer dreister über die Hirschkälber hergemacht und in der Nachbarschaft auch Lämmer gerissen.» Damals seien zwei Füchse in einer Nacht abgeschossen worden und ein dritter fiel dem Mähdrescher zum Opfer. Die Reduktion des Fuchsbestandes sei zwar nicht von allen Anwohnern goutiert worden, aber sie sei richtig und erfolgreich gewesen, ist Keller überzeugt.

Vor knapp einem Monat sind in Fulenbach im Abstand weniger Tage wieder vier Hirschkälber auf die Welt gekommen. Man habe um die Fuchsgefahr gewusst, sagt Keller, und extra zur Abschreckung Lampen aufgestellt, wo der Räuber jeweils unter dem Drahtzaun durch das Bächlein ins Gehege eindringe. Genutzt hats diesmal nichts. «Drei Hirschkälber konnte ich markieren», sagt Elisabeth Keller, «aber das vierte war schon kurz nach der Geburt verschwunden.» Die frisch geworfenen Kälber sind während der ersten Tage nach dem Wurf am verwundbarsten.

Nicht nur Hirsche im Park

Der Tierpark Fulenbach besteht heuer seit 35 Jahren. Das Land gehört der Bürgergemeinde Fulenbach, die es in den 1970er-Jahren von privater Seite günstig erwerben konnte und sich im Gegenzug bereit erklärte, das idyllische, von einem Bächlein durchzogene Gelände so zu nutzen, dass auch die Öffentlichkeit profitieren kann. Der Park, zu dem ein Wasserrad und eine malerische Kapelle am Standort der historischen Fulenbacher Gemeindekirche gehört, ist vor allem bei Familien ein beliebter Ausflugsort. Die Kapelle ist sonntags geöffnet und wird gerne von Hochzeitspaaren gebucht.

Hirschbetreuung aus Berufung

Elisabeth (68) und Rudolf (76) Keller betreuen die Hirsche seit 11 Jahren. «Ich habe bei der Pensionierung angedeutet, dass mir diese Aufgabe Spass machen könnte, und schon hatte ich das Amt», lacht Keller. Die Tiere sind den früheren Bauersleuten sehr ans Herz gewachsen. Vor allem Elisabeth Keller freut sich täglich aufs Neue: «Es ist schön, jeden Morgen die Hirsche zu füttern.» Sie bekommen trockenes Brot, das zur Hauptsache von Privaten und einer Bäckerei in Hägendorf angeliefert wird. Auf dem Speiseplan stehen aber auch Äpfel und Nüsse, und ganz besonders lieben sie Eicheln und Rosskastanien. Die Leckerbissen werden von Kindern gesammelt und in den Tierpark gebracht. Rudolf Keller mäht und presst auch das Gras im Umfeld des Parks als Wintervorrat: «Die Hirsche sind aber Feinschmecker», weiss er inzwischen; «die groben Halme fressen sie nicht, am liebsten hätten sie nur Emd.»

Seit der Gründung des Hirschparks dürften schon über 100 Kälber in Fulenbach zur Welt gekommen sein. Die Herde zählt im Moment 10 erwachsene Tiere und 3 Junge. Der Platzhirsch ist 7 Jahre alt. Er hatte seinen Vater, den Vorgänger, verdrängt. Zu Rudolf Kellers Aufgabe gehört es auch, den Bestand zu regulieren. Männliche Jungtiere werden vom Platzhirsch nur etwa ein Jahr in der Herde geduldet, dann beginnt der erbitterte Konkurrenzkampf. Früher habe der Jäger die Spiesser (jährige Hirschbullen) eliminiert, doch dies sei zu aufwändig und zu kostspielig geworden, sagt Keller. «Jetzt inseriere ich sie lebend in der ‹Tierwelt›. Sie gehen sehr gut weg und finden meistens einen schönen Platz in einem Gehege oder Park.»

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1