Schoren

Im Hardwald vorbildlich nachgelebt

Projekt überzeugt: Förster Markus Bürki (links) und Burgergemeindepräsident Paul Lappert. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Wald

Projekt überzeugt: Förster Markus Bürki (links) und Burgergemeindepräsident Paul Lappert. (Bild: Hanspeter Bärtschi)

Durch gezieltes Bewirtschaften des Waldrandes im Hardwald hat die Burgergemeinde Schoren wesentlich zur Erhaltung und Förderung der Biodiversität beigetragen. Das liegen gelassene Alt- und Totholz bietet idealen Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten.

Ernst Glur

Schorens Burgergemeindepräsident Paul Lappert steht auf dem von den vorangegangenen Waldschlagarbeiten arg gezeichneten Flurweg. Dieser führt eng an der Gemeindegrenze zu Bützberg entlang des Hardwaldes. Vor ihm stehen die zirka acht Hektaren Burgerwald, die als Teil des 76 Hektaren Waldbesitzes der Burgergemeinde Schoren gehören.

Was der Burgerpräsident sieht, entlockt ihm ein leises Lächeln: «Der Spaziergänger könnte meinen, wir bewirtschaften unser Waldgebiet sorglos», sagt er und tritt in ein Gewirr von liegen gelassenem Holz. Tatsächlich macht ein 600 Meter langer und 15 Meter tiefer Waldsaum einen scheinbar verwahrlosten Eindruck - doch der Anblick täuscht.

Bedeutender Faktor: Totholz

Die Burgergemeinde Schoren hat sich der Biodiversität und damit der Waldrandaufwertung verschrieben. Revierförster Markus Bürki präzisiert: «Der Waldrand hat mit der natürlichen Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ein hohes ökologisches Potenzial. Diesen natürlichen Reichtum müssen wir mit gezielten Massnahmen wie eben dieser Waldrandaufwertung unterstützen und fördern.»

Die Eingriffe sind unübersehbar. Dabei galt es vor allem, die im Laufe der Jahrzehnte dicht gewachsene Baum- und Gebüschstruktur mit gezielten Fällmassnahmen aufzulockern, um den Licht und Wärme liebenden Kulturfolgern möglichst ideale Lebensbedingungen zu schaffen.

Ein bedeutender Faktor zu dem mit Subventionen bedachten Bundesprogramm zur Förderung der Biodiversität ist dabei das Totholz - und gerade dieses liegen gelassene, absterbende oder tote Holz vermittelt den Eindruck eines ungepflegten Waldgebietes. «Die nachhaltige Waldwirtschaft muss deshalb, neben verschiedenen Baum- und Straucharten, auch für genügend Alt- und Totholz als
eigentlichem Massenlebensraum sorgen», sagen Lappert und Bürki übereinstimmend.

«Im Frühling siehts anders aus»

Doch ohne Konzessionen ging es natürlich nicht: So wurden neben 140 Kubikmetern verwertetem Industrie- und Brennholz gegen 100 Kubikmeter Holz liegen gelassen. Dieses wäre als minderwertige Ware bei einem normalen Holzschlag sonst der Holzschnitzelverwertung zugeführt worden. Dass dieses Holzgewirr nun in den tristen Herbst- und Wintertagen keinen erbaulichen Eindruck hinterlässt, ist verständlich. Förster Bürki aber beruhigt: «In der Vegetationszeit im Frühling sieht es hier wieder ganz anders aus.»

Denn viele Straucharten wie Holunder, Schwarz- und Weissdorn, Pfaffenhut oder Liguster sowie Buchen, Eichen, Fichten, Tannen und Douglasien wurden ganz im Sinne der Biodiversität bewusst stehen gelassen. Zum Nutzen unzähliger Tier- und Pflanzenarten, die diese ökologisch sinnvollen Landflächen als Lebensraum bevorzugen.

Beides muss Platz haben

Während nämlich der Wald trotz intensiver Nutzung den wilden Huftieren gute Lebensbedingungen bietet, bekunden viele kleinere und weniger auffällige Tier- und Pflanzenarten Mühe mit dem Lebensraum; weil sie viel Licht und magere Böden benötigen. Schorens Burgerrat ist denn auch überzeugt, dass er sich als Waldbesitzer dieser vielfältigen Naturschutzmassnahme nicht verschliessen darf, um naturnahe Lebensräume zu schaffen. Lappert betont aber: Die Burgergemeinde Schoren richte das Augenmerk nach wie vor auf eine ertragreiche Waldbewirtschaftung.

«Beides muss seinen Platz haben», sagt Förster Bürki. Er sagt: Ein ökologisch vielseitiger Wald mit hoher Biodiversität sei auf lange Sicht auch ökonomisch

eine gute Wahl. Diesem Votum schliesst sich auch Lappert an. Während im Hardwald der Biodiversität geradezu vorbildlich nachgelebt wird, werden Holzreste im Schorenwald und entlang des über zehn Kilometer langen Waldwegnetzes nach wie vor nicht einfach liegen gelassen. Am nächsten Waldtag (Ostersamstag) wird dieses minderwertige Holz mit freiwilligen Helfern eingesammelt und der entsprechenden Verwertung zugeführt.

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