Markt

Im Frühling tauchen die Marktfahrer auf

Elfriede Hafner verkauft Sirupe aus 25 verschiedenen Minzensorten (Fotos: Deborah Balmer)

Markt am Graben

Elfriede Hafner verkauft Sirupe aus 25 verschiedenen Minzensorten (Fotos: Deborah Balmer)

Nach der langen Winterpause hat am Aarauer Graben erstmals wieder ein Monatsmarkt stattgefunden. An die 90 Marktaussteller haben gestern ihre Produkte angepriesen; mit dem Umsatz sind nicht alle zufrieden.

Barbara Vogt

Der Himmel ist tiefblau, die Platanten am Graben Aarau sind kurz davor zu spriessen. Zwischen ihren Stämmen preisen Marktfahrer aus der Schweiz ihre Waren an: Stoffballen, Lammfelle, glitzernde Armreife, Spielsachen, Olivenbrote, Seidenhemder. Eine Frau hält ein schweres silbernes Schmuckstück vor den Spiegel, begutachtet sich damit.

Es riecht nach Duftölen, Schweinsbratwürsten, nach Räucherstäbchen, frischer Bärlauchpesto. Engel, leicht verstaubt, Bücher, vergilbt und aus dem letzten Jahrhundert, Luzerner Lebkuchen, Schuhcreme, die Wunder wirken soll, werden angepriesen. Nicht alles, was auf dem Warenmarkt zu haben ist, braucht es in jedem Haushalt.

Hudelwettersirup läuft

Dafür gibts viel zu probieren. Elfriede Hafner aus Safenwil bietet Kräutersirupe an. In ihrem Garten gedeihen 25 verschiedene Minzensorten, die sie zu erfrischenden Getränken verarbeitet: Feigenminze, Bernsteinminze, Lavendelminze, Thai-Minze. Elfriede Hafner verkauft die Sirupe auch mit Früchten aus dem Beerengarten von Pro-Specie-Rara in Riehen. «Der Hudelwettersirup läuft super, auch bei schönstem Sonnenschein», sagt Elfriede Hafner und lacht. Ein Geheimrezept? «Nein, da hats Johannis- und Holunderbeeren sowie Lindenblüten darin.»

«De Märit esch gstorbe»

Am Stand gegenüber steht ihr Mann Kurt Hafner und verkauft echte Lütticher Waffeln, eine Spezialität aus Belgien. Wann immer möglich, geht das Paar zusammen an den Markt. Der Ehemann ist weniger begeistert als seine Frau: «Im letzten Frühlings liefs besser», erinnert sich Hafner. Er fährt schon manches Jahr auf den Markt. Lange pries er Lederwaren an, dann wurde er arbeitslos und begann, Waffeln zu verkaufen.

Andere Marktfahrer jammern ebenfalls, dass die Geschäfte zurückgehen. «De Märit esch gstorbe», sagt etwa Roland Müri aus Huttwil. In seinem «Blächlädeli verkauft er 900 Ausstechformen. «Das ist nur noch was für Leute aus dem Mittelalter, die Jungen kommen nicht mehr, sie gehen in Einkaufszentren

Marktchef Hans Umbricht weist auf einige Standlücken hin. «Die Marktfahrer seien an anderen Markten, mit einem grösseren Einzugsgebiet. «Nach Aarau kommen vorwiegend Kunden aus der Stadt.»

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