Im Fricktal wollen nur wenige die Kasse wechseln

In diesen Tagen flattern die Krankenversicherungspolicen ins Haus – und bereiten einigen Versicherten Bauchschmerzen. Eine Umfrage im Fricktal zeigt allerdings: Viele bleiben ihrer Kasse vorerst treu.

Nicole Emmenegger, Lilly-Anne Brugger

Der Blutdruck stieg gefährlich an, als Gesundheitsminister Pascal Couchepin Anfang Oktober den massiven Prämienaufschlag bei den Krankenkassen bekannt gab: Im Kanton Aargau müssen die Versicherten durchschnittlich mit einem Anstieg von 10,5 Prozent rechnen. «Jetzt bricht bei den Versicherten Hektik aus», titelten Zeitungen. Und bei einer repräsentative Umfrage des Internet-Vergleichsdiensts Comparis.ch gaben 12 Prozent der Befragten an, die Krankenkasse wechseln zu wollen - fast 50 Prozent mehr als im Vorjahr.

Doch wie sieht es im Fricktal aus? Rennen die Versicherten den Kassen die Türen ein, oder machen sie die Faust im Sack, weil ja sowieso alles immer teurer wird? Das Ergebnis der AZ-Umfrage erstaunt: Nur wenige schreiten zur Tat und sagen ihrer Krankenkasse «Tschüss» - einige Versicherte akzeptieren sogar, dass sie künftig massiv tiefer ins Portemonnaie greifen müssen. In Rheinfelden sagte ein Mann, er müsse einen Anstieg um über 12 Prozent schlucken. «Wechseln werde ich trotzdem nicht. Ich bin seit 27 Jahren bei dieser Krankenkasse und zufrieden mit ihrer Leistung.»

«Müssen die Aufschläge wohl annehmen»

Andere Versicherte sind erleichtert, dass ihr Prämienanstieg nicht ganz so massiv ausgefallen ist wie erwartet. «Wir müssen die Aufschläge wohl hinnehmen», sagt der 67-jährige Hugo Scheurmann. Resignation ist auch bei Martin Bebi (51) aus Frick zu spüren: Er beobachte, dass auch günstigere Versicherungsmodelle mit der Zeit aufschlagen, weil die Kosten im Gesundheitswesen stetig steigen. Deshalb bleibe er bei seiner Krankenkasse, mit der er zufrieden sei. «Wir sind zehn Personen in der Familie - wegen 200 bis 300 Franken mehr pro Monat wechsle ich nicht», sagt der Krankenpfleger.
Von den Auswirkungen des Prämienschocks spürt man bisher auch bei unabhängigen Beratern im Fricktal wenig.

Roberto Lüthi vom Krankenkassen-Center Fricktal hat kürzlich ein Zeitungsinserat geschaltet, in dem er auf eine günstige Kranken- und Unfallversicherung für Kinder aufmerksam machte. In diesem Bereich gebe es bei den traditionellen Versicherungsmodellen gewisser Krankenkassen Aufschläge um über 70 Prozent, sagt Lüthi. Aber: «Niemand hat auf das Inserat reagiert. Daraus schliesse ich, dass viele Leute die höheren Prämien immer noch in Kauf nehmen.» Auch Uwe Bruderer, selbstständiger Finanzberater aus Gansingen, wird momentan nicht mit Anfragen für Kassenwechsel überrannt. «Ich habe meine Kunden bereits im Frühling per Mail über die kommenden Prämienerhöhungen informiert», erzählt er.

Bei Kunden, die sich auf dieses Mail gemeldet haben, stellt Bruderer fest, dass meist nur die Grundversicherung, nicht aber die Zusatzversicherung gewechselt wird. Grundsätzlich ist für ihn aber klar: «Nur wenn vorgängig die Bedürfnisse abgeklärt werden, kann die optimale Krankenkasse empfohlen werden.»

Bis Ende November noch Kasse wechseln

Wie die AZ-Umfrage zeigt, sind Termine bei Beratern oder auch der Internet-Vergleichsdienst Comparis eher bei jüngeren Menschen gefragt - wohl auch deshalb, weil viele Krankenkassen die bisherigen Rabatte für junge Erwachsene kürzen. Der 24-jährige Davy Sternfeld muss 2010 allenfalls mit einem Prämienanstieg um 14 Prozent rechnen. Deshalb will er sich bald mit einem Berater seiner Krankenkasse treffen. Und vielleicht bricht die Hektik auch unter den restlichen Versicherten im Fricktal noch aus: Bis zum 30. November können sie ihre Grundversicherung noch wechseln.

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