Kreisel

Ihm wurde ein Kreisel zum Verhängnis

Ein nicht eingeschalteter Blinker und seine Folgen endeten jüngst vor dem Einzelrichter in Baden. Von einem Automobilisten, der sich einen Deut weder um die Polizei noch um eine Gerichtsverhandlung schert, und von einem Richter, dem das zu dumm ist.

Rosmarie Mehlin

Im September 2007 hatte das Bezirksamt Baden einen Strafbefehl ins sonnige Spanien geschickt. Dem Empfänger Hugo (Name geändert) wurde darin beschieden, dass er zu einer unbedingten Geldstrafe von 2000 Stutz plus 500 Franken Busse und 340 Franken Gebühren verknurrt sei. Der vor kurzem 60 gewordene Hugo, ein Schweizer, welcher einem Leben an den Stränden der Costa Blanca gegenüber dem Dasein an den Gestaden der Limmat klar den Vorzug gibt, hatte sich im Oktober 2006 hierzulande als Automobilist nicht gerade nett und auch nicht gesetzeskonform verhalten.

Mit langwierigen Folgen. An einem Freitagmorgen kurz vor halb zehn war damals in Wettingen zwei Gemeindepolizisten auf Patrouille ein Auto irgendwie ins Auge gestochen. Als dessen Lenker einen Kreisel verliess, ohne dazu den rechten Blinker eingeschaltet zu haben, beschlossen die beiden Gesetzeshüter, den Mann zu kontrollieren und ihm bei dieser Gelegenheit auch grad kundzutun, dass das mit dem nicht blinkenden Blinker eigentlich und grundsätzlich 100 Stutz Busse koste.

Den «Idioten» davongefahren

Mittels der Matrix «Stopp Polizei» wollten sie Hugo anhalten. Der aber dachte nicht im Traum daran, sondern fuhr einfach weiter. Allerdings nicht lange, denn schon bald machte ihm ein Rotlicht einen Strich durch die Rechnung. Als der eine Polizist ihn nunmehr auffordern konnte, seine Papiere zu zeigen, blieb Hugo renitent: Er weigerte sich, nannte die Polizisten «Idioten» und fuhr, sobald er Grün sah, weiter.

Nunmehr hatten die Beamten die Schnauze aber gründlich voll: Mit Blaulicht und Horn nahmen sie die Verfolgung auf, und als Hugo sich vor einem weiteren Rotlicht hinter geschlossenen Fensterscheiben und verriegelten Autotüren verbarrikadierte, stellte sich einer der Polizisten mit gezückter Waffe vor dessen Auto.

Schliesslich gab Hugo auf, allerdings nicht sang- und klanglos, sondern unter Abgabe diverser Verbalinjurien wie «Arschlöscher» an die Adresse der Beamten.

«Beschimpfung», «Nichtbeachten polizeilicher Weisungen» und bei der Gelegenheit halt grad auch noch «Unterlassung der Richtungsanzeige» summierten sich in der Folge zum besagten Strafbefehl, gegen den Hugo prompt Einsprache erhob. Nicht zuletzt wohl, weil darin auch noch eine bedingte Freiheitsstrafe von zehn Tagen wegen «grober Verletzung der Verkehrsregeln» widerrufen wurde.

Dreimal nicht erschienen

Der Verhandlung vor dem Badener Einzelrichter Peter Rüegg blieb Hugo allerdings fern. Tags zuvor hatte er aus Spanien ein Arztzeugnis ans Gericht gefaxt, wonach er nicht transportfähig sei. Es war das dritte Mal, dass Hugo zu einer Verhandlung aufgeboten war, und jedes Mal war er, mit mehr oder weniger fadenscheinigen Begründungen, nicht erschienen. Nunmehr hatte Richter Rüegg genug von dem «Spielchen». Er erklärte die Einsprache gegen den Strafbefehl für zurückgezogen, weil er das Nichterscheinen von Hugo als «ungenügend entschuldigt» taxierte.

So muss Hugo nun also die 2840 Franken hinblättern und zehn Tage hinter Gitter. Wenn er respektive sein Anwalt nicht gegen Rüeggs Entscheid Einsprache erhebt. Tut er das, könnte das Obergericht den Entscheid des Richters wieder aufheben und die ganze Chose an Rüegg zurückweisen mit der Begründung, eine erste Instanz müsse sich gefallen lassen, dass ein Beschuldigter mehrfach kneife - mit welchen «Entschuldigungen» auch immer.

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