«Ich wurde das Opfer von brutaler Polizeigewalt . . .»

Bei einer Personenkontrolle wurde die Kundin eines Kleidergeschäfts in Frick verletzt und vor den Augen ihrer 5-jährigen Tochter in Handschellen abgeführt

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Schweiz am Sonntag

von Walter Christen

Sie hat das Vertrauen in die Polizei und in die Justiz verloren, die 46-jährige Rosa O. (Name von der Redaktion geändert) aus Frick: «Weil die Verkäuferin in einem Geschäft nicht gewillt war, einen Artikel zurückzunehmen - obschon dies ein paar Tage vorher beim Kauf zugesichert worden war -, habe ich das zu gross gewählte Kleidungsstück selber gegen ein kleineres umgetauscht. Das wurde mir fälschlicherweise als Diebstahl angelastet, worauf die Filialleiterin Anzeige erstattete.» So schilderte Rosa O. gegenüber der MZ den Beginn ihrer Leidensgeschichte.

Der herbeigerufene Polizist habe keine Befragung durchgeführt, um den Sachverhalt zu klären: «Er kam alleine und hat mich sogleich wie eine Schwerverbrecherin behandelt. Er hat mir nicht erlaubt, das von ihm verlangte Ausweisdokument aus meinem Auto zu holen, das ja nur einige Meter entfernt abgestellt war. Mit einem Polizeigriff hat er mich gepackt und zu Boden geworfen», hielt die zierliche Frau weiter fest. «Ich habe bei diesem Übergriff einen Nasenbeinbruch erlitten sowie weitere Verletzungen im Gesicht und am Körper - ich wurde das Opfer brutaler Polizeigewalt.» Sie legte der MZ entsprechende Berichte des Spitals Laufenburg und des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Basel vor, welche die Verletzungen bestätigen.

«Mit blutüberströmtem Gesicht und in Handschellen wurde ich abgeführt», hielt Rosa O. fest. «Das alles ereignete sich in Gegenwart meiner 5-jährigen Tochter, die alles mitansehen musste und noch lange unter diesem Trauma leiden wird.»

Bei ihrer Schilderung erwähnte sie unter anderem auch, dass sie plötzlich von vier weiteren Polizisten umringt war und sie zuerst auf den Polizeiposten in Frick, dann ins Spital Laufenburg und von dort auf den Bezirksposten der Kantonspolizei in Laufenburg gebracht worden sei. «Ich wurde befragt, aber meine Anzeige gegen den Polizisten lehnte man ab.» Zurück auf dem Polizeiposten in Frick erfuhr sie, dass das Kleidergeschäft die Diebstahlanzeige inzwischen zurückgezogen hatte. Sie jedoch wurde wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte beziehungsweise Hinderung einer Amtshandlung zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse verurteilt, während es ihr schliesslich doch noch gelang, den Polizisten wegen einfacher respektive fahrlässiger Körperverletzung anzuzeigen.

Den Namen und einen Ausweis habe er von der Frau verlangt, betonte der Kantonspolizist beim Bezirksamt Brugg, an das der Fall übertragen wurde. «Sofort und in aggressivem Ton sagte sie, dass sie mir den Namen nicht sagen und einen Ausweis schon gar nicht vorzeigen werde. Dann müsse sie zur Abklärung auf den Polizeiposten mitkommen, habe ich ihr eröffnet. Ich entschied mich, die Frau zu arretieren, um ungestört zu funken und eine zweite Person aufzubieten. Hinter dem Polizeifahrzeug drückte ich sie mit einem Polizeigriff zu Boden. Dabei fiel sie unglücklicherweise aus ihren Schlupfschuhen. Das ergab einen Ruck nach vorne, den ich nicht mehr abbremsen konnte, weshalb sie auf dem Boden aufschlug.»

Rosa O. ist bitter enttäuscht: «Auf die Untersuchungsbehörden fällt ein schlechtes Licht. Während gegen den Polizisten, der mich malträtiert hat, vom Bezirksamt Brugg eine Verurteilung erfolgte, sprach ihn das Gerichtspräsidium Brugg in zweiter Instanz vor wenigen Tagen frei.»

Sie wird das Verfahren aus Kostengründen nicht weiterziehen. Inzwischen hat Rosa O. eine neue Stelle gefunden und zieht aus Frick weg.

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