«Ich wünsche mir ein Bioland»

Mit dem Einzug des Frühlings steigt der Appetit auf frisches Obst und Gemüse. Damit jeder sicher sein kann, was in den ausgestellten Bioprodukten steckt, prüfen Inspektoren aus Frick alles vom Feld bis auf den Teller. Der Geschäftsführer der bio.inspecta kennt die goldenen Regeln des gesunden Anbaus und der naturbelassenen Verarbeitung wie kaum ein anderer.

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Ueli Steiner

Ueli Steiner

Barbara Rüfenacht

Im Ortskern kennt man die bio.inspecta nicht. Kein Wunder, der Sitz der Bio-Kontrolleure liegt ausserhalb des Zentrums, angrenzend zum besser bekannten Forschungsinstitut für biologischen Landanbau (FiBL). Die unabhängige Aktiengesellschaft mit dem internationalen Qualitätsnetzwerk wurde 1999 gegründet und gilt als unumstrittene Marktführerin im Land.

Zur Person

Ueli Steiner, Jahrgang 1967, lebt mit seiner Familie auf dem eigenen Landwirtschaftsbetrieb in Schlossrued. Die Schulen durchlief er in Schlossrued, Freiburg, Zürich und Bern. Nach der Ausbildung zum Landwirt und dem Studium übernahm er den elterlichen Betrieb. Mit einer ergänzenden Tätigkeit im landwirtschaftlichen Treuhandbereich folgten schon bald erste Praxiserfahrungen im Finanzumfeld. Nach einer weiteren Station in der Welt der Informatik hat Ueli Steiner gemeinsam mit Berufskollegen die Firma bio-direct.ch aufgebaut, welche heute frische Früchte und Gemüse direkt vom Produzenten zum Konsumenten liefert. Seit drei Jahren ist er Geschäftsführer der bio.inspecta AG.

Die rund 80 ausgebildeten Inspektoren aus Frick, davon etwa 50 externe, suchen deshalb auch nach falschen Perlen unter den echten. «Von Getreide über Obst und Gemüse bis zum Fleisch wird alles kontrolliert», weiss der Geschäftsführer, der am besten in Biobaumwolldecken schläft. «Der Absatz von naturbelassenen und Fair-Trade-Artikeln steigt rasant.» Die Fricker Kontrollstelle prüft und zertifiziert mehr als 5000 Bio-Landwirtschaftsbetriebe und über 1300 Händler und Verarbeiter von Produkten in der ganzen Schweiz, davon auch die grünen Artikel der Migros. Eine Bio-Inspektion ist in erster Linie eine Kontrolle des Warenflusses. Nimmt man das Beispiel Brot, muss der Bauer, der das Getreide liefert, dem Müller nebst der Mengenangabe ein Biozertifikat vorlegen. In Stichproben wird das Getreide auch auf Rückstände überprüft. Der Müller wiederum muss belegen können, dass er seinem Kunden Biomehl geliefert hat. «Die Vorgaben sind streng, die Hersteller werden im Auftrag von Labels jährlich kontrolliert», erklärt Ueli Steiner.

So stammen die meisten Schweizer Bioprodukte von Landbaubetrieben, die nach den strikten Richtlinien von Bio Suisse mit der berühmten Knospe ausgezeichnet sind. Bei einem Knospe-Joghurt wird etwa geprüft, ob das Nahrungsmittel keine Farbstoffe oder Stabilisatoren enthält, in einer Biosuppe hingegen dürfen sich keine Geschmacksverstärker und in einer Bio-Limonade keine Süssstoffe verstecken. Wer sich genau achtet, findet die Stempel der bio.inspecta klein aufgedruckt auf den zertifizierten Produkten. Mit «Grüezi, Bio-Kontrolle» melden sich die Inspektoren mit geschulten Augen und entsprechender Fachausbildung in Backstuben, Fabrikhallen, Kuhställen, auf Äckern und in Vorratskammern. «Jemand, der noch nie eine Kuh gesehen hat, kann auch keine Milchproduktion prüfen», meint der Chef.

Inspektor «Columbo» aus Frick taucht sowohl angemeldet als auch unangemeldet auf. Stellt er eine Verletzung der Richtlinien fest, werden Sanktionen beschlossen, die bis zur Aberkennung des Bio-Status führen können. Viele Konsumenten sind gerne bereit, für Produkte mehr zu bezahlen, wenn diese ökologisch, tierfreundlich oder sozialverträglich hergestellt sind. Andere vertreten die Meinung, nur Reiche könnten sich biologische oder biodynamische Nahrung leisten. «Es ist eine klare Abwägung der Prioritäten», meint Ueli Steiner, der die Familienferien am liebsten in Bio-Hotels im In- oder Ausland verbringt. In einer Welt, die von Schnäppchen-Erlebnissen regiert werde, sei es wichtig, immer wieder zu erkennen, dass Nahrungsprodukte etwas wert seien, betont er. Leider habe der Kühlschrankinhalt viel zu wenig Prestige gegenüber anderen Objekten der Begierde wie etwa Handys, Kleider oder Autos. «Diese Haltung sollte sich unbedingt ändern, ich wünsche mir ein Schweizer Bioland, auf das jeder stolz ist.»

Dass der beschäftigte Chef von 100 Mitarbeitenden so gelassen auftritt, kann aber wohl nicht allein an der gesunden Ernährung liegen. «Ich ziehe mich ab und zu mit einem Shaolin-Mönch aus dem Alltagsleben zurück, um zu erfahren, wie wenig es braucht, um gesund zu leben und ausgeglichen zu sein.» Die Bioschoggi schmeckt auf jeden Fall ausgezeichnet - Mission geglückt!

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