Von Kim Allemann

«Ich bin nicht hier, um den Wels zu töten», verkündete der tschechische Sport- und Weltrekordfischer Jakub Vagner am Freitag nach seinem Vortrag in Bettlach. Und doppelte nach: «Ein Gesetz, das besagt, dass man Lebewesen töten muss, ist falsch.» Er sei bereits in Italien drei Tage in Untersuchungshaft gesessen, weil er einen Fisch, den er gefangen habe, wieder freiliess. Dies würde er hier wieder tun. «Ich werde auch den 3-Meter-Wels freilassen.»

Gegen 25 Personen, hauptsächlich aus Fischerkreisen, waren in den Gasthof Urs und Viktor gekommen, um Vagners Foto- und Videoshow über Riesenfische im Amazonas zu sehen. Vor allem aber kamen sie, um dem tschechischen Sportfischer am Ende des Vortrages kritische Fragen zu seinem Vorhaben zu stellen, den berüchtigten 3-Meter-Wels aus der Aare zu ziehen. Vagner schätzt den Wels auf maximal 2,50 Meter. «Ich habe das Video über den Wels gesehen und frage mich, ob es wirklich hier gedreht wurde.» Die Unterwassersicht sei ihm für ein Gewässer wie die Aare zu klar erschienen. «Einerseits interessiert mich der wissenschaftliche Aspekt. Ist es möglich, dass es in einem kalten Gewässer wie der Aare einen solch grossen Fisch geben kann?» Andererseits wolle er öffentlich aufzeigen, wie absurd ein Gesetz sei, das von einem Christen verlange, ein Lebewesen zu töten.

Dass längst nicht alle Fischer mit diesem Aspekt des Fischereigesetzes einverstanden sind, zeigte die Aussage eines Anwesenden, er würde grosse Welse ebenfalls wieder in die Freiheit entlassen, da sie grosses Nachwuchspotenzial bergen würden. Auch Anton Zaugg, Fischereiaufseher und Präsident des kantonalen Fischereiverbandes, der von einigen anwesenden Fischern heftig dafür kritisiert wurde, mit Vagners Aktion zu sympathisieren, betont: «Ich habe mich immer für ein Fangfenster eingesetzt. Jeder Fisch, der unter 80, und jeder, der über 170 Zentimeter ist, sollte meiner Meinung nach wieder freigelassen werden. Aber mir fehlte die Unterstützung.»

Trotzdem sei für ihn klar, dass er als Aufseher der geplanten Erlebniswoche vom 25. bis 29. Mai seine Pflicht tun werde. Konkret: «Wenn ich Jakub Vagner erwische, wie er den Wels freilässt, werde ich ihn anzeigen.»

Unter Fischerkreisen ist man sich derweil über Vagners Vorhaben nicht einer Meinung: «Wir sind total dagegen», empörten sich drei Fischer. Es sind Christian Locher aus Jegenstorf, der Bettlacher Roman Gloor und Roland Kurt, Inhaber des Fischerbijou in Grenchen. «Diese Show bringt unsere Fischerei in Verruf», sagt Locher. Er fange jährlich zwei grosse Welse, tue dies aber nicht, wie Vagner, in der Öffentlichkeit, um damit zu prahlen. Dass Vagner den Wels nur fangen und wieder freilassen wolle, um das Fischereigesetz anzuprangern, sei doch quatsch, sind die drei überzeugt.

Zum Vorwurf, dass der 3-Meter-Fisch durch seine Fangaktion gestresst werde, sagt Vagner, «Ich bin sehr sorgfältig.» Er habe in all den Jahren spezielle Techniken entwickelt, um Fische wieder ins Wasser zu entlassen. Bisher sei keiner der Fische gestorben. Er könne die emotionalen Reaktionen verstehen. Allerdings werde jeder Fisch - ob gross oder klein - gestresst, wenn man ihn fange. «Ist man dagegen, dass Fische gestresst werden, müsste man das Fischen wohl besser gleich konsequent verbieten.»