«Ich weiss nicht, wohin die Reise geht»

Flamenco-Choreografin Brigitta Luisa Merki im Gespräch mit Röbi Koller im ThiK Baden.

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«Ich weiss nicht, wohin die Reise geht»

«Ich weiss nicht, wohin die Reise geht»

Das Theater im Kornhaus in Baden hat als Schauspielkeller mit Bühne und Bar eigentlich eine unglaubliche, beinahe 57-jährige Geschichte. 20 Jahre davon besteht es – seit Auszug der Theatergruppe Claque – unter dem Namen ThiK und leistet sich zu diesem runden Geburtstag unter anderem eine nette Idee, den ThiKtalk: Fernsehmoderator Röbi Koller unterhält sich jeden zwanzigsten Tag im Monat um 20.20 Uhr mit Künstlern, die das ThiK in seiner Geschichte massgeblich geprägt und bereichert haben.

Nach den ersten zwei erfolgreichen Talks mit Ursus&Nadeschkin und Franz Hohler (Oktober 09 und November 09) zeigte sich jetzt mit Gast Brigitta Luisa Merki, dass das Spiel mit der Zahl 20 im Veranstaltungskonzept auch ihren Preis haben kann, wenn sie auf einen Sonntagabend im Schneesturm fällt. Der ThiKtalk darf sich nun immerhin eine weitere 20 auf die Fahne schreiben: diesmal allerdings leider in der Publikumszahl.

Röbi Koller, ganz Profi, witzelte erst einmal, indem er gemeinsam mit seiner Talk-Partnerin dem Publikum Applaus spendete, dass es den Weg durch die winterlichen Verhältnisse geschafft hatte.

Der Genius einfacher Fragen

Dann vertiefte man sich ins Gespräch und rasch wurde deutlich, weshalb der Talkmaster so populär ist und seine Gespräche mit Interesse verfolgt werden. Gerade die immergleichen Fragen, die man, verfolgt man die Kulturszene in Baden aufmerksam, von Brigitta Luisa Merki, Flamenco-Tänzerin, Choreografin und Gründerin der Tanzcompanie Flamencos en route, schon 150-mal beantwortet bekommen hat, ebendiese Fragen sind es, die Koller trotzdem stellt, aber anders, einfacher und raffiniert verpackt. «Von der Premiere eines Flamenco-Bühnenprogramms zurückgerechnet: Wann beginnt die Arbeit und welche Entwicklungsschritte sind nötig?» Und, dann, einfach: «Wie erklärst du den Leuten eigentlich Flamenco?» Gute Fragen liegen tatsächlich so nahe, denn: Kaum einer traut sich doch, Ronaldo zu fragen, wie man Fussball spielt. Mit nie gestellten Fragen verpasst man aber manchmal überraschende Antworten. Wie sie die 55-Jährigen einige Male gegeben hat am Sonntagabend. «Nein, ich habe keine genaue Vorstellung, wie es weitergeht in der Compagnie», und, sehr tiefblickend auf Pensionspläne angesprochen: «Eine persönliche Sicherheit habe ich nicht bei dieser Tätigkeit. Es ist ein hohes Risiko, das ich auf mich nehme, und ich weiss nicht, wohin die
Reise geht.»

Grosse Beziehung zur kleinen Bühne

Brigitta Luisa Merki, die abgeklärte, präzise artikulierende Gesprächspartnerin, machte im ThiKtalk einmal mehr deutlich, dass sie eine getriebene Künstlerin ist, die mit aller Obsession tut, was sie muss. Sie bemühte sich spürbar, sich, ihre Geschichte und ihre Passion von neuem zu erklären, Inte-
ressantes und durchaus auch Privates von sich preiszugeben. Sie verbrachte Jugendjahre im Claque-Keller, war dabei, als dieser zum ThiK wurde, und ist diesem Ort des Theaters treu und verbunden, indem sie heute noch Produktionen schafft, die auch auf der kleinen ThiK-Bühne glänzen. (BY)

Nächster ThiKtalk 20. Januar 2010,
20.20 Uhr, mit Schauspieler Clo Bisaz
und dem Theaterschaffenden Adrian Meyer.