«Ich war gerne Ammann»

Der Anfang war schwierig: Fünf neue Gemeinderäte nahmen im Januar 1994 ihre Arbeit auf, nachdem zwei Bisherige ihre Wahl nicht angenommen hatten.

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«Ich war gerne Ammann»

«Ich war gerne Ammann»

Hanny Dorer

Richard Zuckschwerdt wurde mit seinen vier Gemeinderatskollegen buchstäblich ins kalte Wasser geworfen: «Die Tatsache, dass wir alle neu waren, hat den Start natürlich erschwert. Wir haben aber gespürt, dass das Dorf hinter uns steht, und haben uns rasch eingearbeitet.»

Obwohl er nach eigener Aussage immer gerne Ammann war, hat er sich nach nunmehr 16 Jahre nicht mehr zur Wahl gestellt. Der plötzliche Tod seiner Frau vor einigen Monaten dürfte ihn in diesem Entschluss noch bestärkt haben.

Gemeinde steht finanziell gut da

Heute blickt Richard Zuckschwerdt zufrieden auf seine Amtszeit zurück. «Ich habe erreicht, was ich wollte», sagt er im Hinblick auf eine finanziell gesunde Gemeinde mit einem attraktiven Steuerfuss von 80 Prozent und niedrigen Gebührentarifen.

Vieles hat sich verändert während der letzten 16 Jahren. Auch Staufen arbeitet vermehrt mit anderen Gemeinden zusammen, vor allem mit dem
Bezirkshauptort Lenzburg. Neben der Regionalschule Lenzburg-Ammerswil-Staufen bringt auch der Zusammenschluss mit der Feuerwehr Vorteile. «Wir erhalten einen besseren Service zu günstigeren Tarifen und somit mehr Sicherheit für das Dorf», stellt Zuckschwerdt fest.

Ebenfalls mehr Sicherheit brachte die flächendeckende Einführung von Tempo 30. Der Durchgangsverkehr hat markant abgenommen, die Wohnqualität ist gleichzeitig gestiegen.

Eines der grössten Forstreviere

Nach der Pensionierung des langjährigen Försters Willi Schlatter hat sich die Gemeinde Staufen den Forstdiensten Lenzia angeschlossen. Zusammen mit den Gemeinden Lenzburg, Ammerswil, Niederlenz, Othmarsingen und Staufen betreut Lenzia nun eines der grössten Forstreviere im Kanton Aargau.

Auch im Staufner Wald hinterliess der Orkan «Lothar» seine Spuren: «Wir verzeichneten einen grossen Waldschaden; rund acht Jahre Nutzung lagen am Boden, verteilt über das ganze Revier», blickt Zuckschwerdt zurück.

Nicht ganz reibungslos über die Bühne ging die Aufgabe des eigenen Schützenstandes. Inzwischen haben sich die Staufner Schützen jedoch gut in Lenzburg integriert. Heute frönen nur noch die Pistolenschützen ihrem Hobby im Staufner Schützenstand zwischen Staufen und Schafisheim.

Parteilosigkeit als Vorteil

«Für mich persönlich war es ein Vorteil, in keiner Partei zu sein. So musste ich auf keine Parteivorstände Rücksicht nehmen, sondern konnte nach eigener Überzeugung handeln», betont der scheidende Ammann. Es habe ihm eher geholfen als geschadet, besonders bei seinem Engagenemt für den «grünen Bereich». Tatsächlich lag ihm die Gestaltung von Naturoasen sehr am Herzen. So wurde etwa in seiner Amtszeit das Naturschutzgebiet Buech-Steiacher gestaltet und die Lebensräume von Amphibien weiter vernetzt.

Richard Zuckschwerdt ist ein Ur-Staufner: Er ist hier geboren und aufgewachsen. Nach der Maurerlehre war er ein Jahr lang an verschiedenen Arbeitsstellen tätig, um neue Eindrücke zu erhalten. Die Bauführer- und später die Baumeisterschule vervollständigten seine Ausbildung zum Unternehmer im familieneigenen Baugeschäft.

Spezielle Probleme habe es nicht gegeben, als Unternehmer im Gemeinderat zu sein. «Aber im Hinterkopf denkt man natürlich immer daran, dass man besonders vorsichtig sein muss, um nicht in den Verdacht der ‹Vetterliwirtschaft› zu geraten.» Er habe deshalb in den 16 Jahren praktisch nichts für die Gemeinde gebaut.

Die Jagd als grosses Hobby

Richard Zuckschwerdt ist ein leidenschaftlicher Jäger. «Schon als kleiner Bub sah ich jeweils die Jäger zu Fuss, mit Rucksack, Flinte und Hund an der Leine durchs Dorf gehen und schlich ihnen nach bis zu den letzten Häusern», schmunzelt er. Schon damals stand für ihn fest: «Ich will einmal Jäger werden.»

Diesen Wunsch hat er sich seit langem erfüllt – einerseits als Pächter in Lenzburg und Birrwil, anderseits als Mitglied einer Pächtergesellschaft in Ungarn, wo er oft und gerne jagt.

So erstaunt es denn nicht, dass er in Zukunft seinem Hobby noch mehr Zeit widmen wird. Allerdings gehört für ihn nicht nur die eigentliche Jagd dazu, sondern vor allem auch die Waldpflege und der Naturschutz im Allgemeinen.