Beatrice Strässle

Für Benjamin Wildi aus Schafisheim ist es unverständlich, dass viele Menschen ihren Abfall aus dem Autofenster oder sonst einfach wegwerfen und dieser dann am Strassenrand und in den Feldern landet. «Für mich hat die Landwirtschaft immer noch einen sehr hohen Stellenwert und darum möchte ich auch das Land schützen und mich graust manchmal, was ich so alles finde», hält Benjamin Wildi fest. So steigt er, wenn es das Wetter erlaubt, auf sein Fahrrad und begibt sich auf die Tour. Sie führt ihn bis an die Gemeindegrenzen von Schafisheim und er sammelt den von anderen verursachten Unrat ein. Ob ihm das nicht zuwider ist? «Irgendjemand muss doch handeln, man kann das Zeugs nicht einfach liegen lassen. Und ich hab auch schon zwei Zehnernoten gefunden», fügt er lachend hinzu.

Er muss handeln

Was er allerdings nicht mehr macht ist, junge Leute auf ihr Verhalten anzusprechen, das ist ihm eine Spur zu gefährlich. Ja, an der Schulstrasse sei es manchmal besonders schlimm, erzählt Wildi weiter. Mutwillig zerschlagene Wein- und Bierflaschen liegen in der Wiese und am Strassenrand. Und einzelne Schüler hätten ihm auch schon recht derbe Beleidigungen zugerufen.
Ab und zu trifft er auch auf «Kollegen», die Bauamtsarbeiter von Kanton und Gemeinde. «Aber es hat immer wieder so viel Unrat, die kommen mit dem Aufsammeln gar nicht nach», ist Wildi überzeugt. Benjamin Wildi ist über die Situation nicht verbittert, er kann aber auch nicht die Augen vor der Sauerei verschliessen, welche sich ihm auf seinen Rundgängen bietet. Witzig und lebensfroh, obwohl ihn immer wieder arge Schmerzen plagen, erzählt er über sein Tun. «Ich baue mich auch am Wort Gottes auf und spiele in meiner Freizeit gerne auf dem Keyboard», erzählt er weiter.

Zuerst einsammeln, dann entsorgen

Mit dem Einsammeln ist es aber noch nicht getan, der rüstige 74-Jährige trennt dann zu Hause Brennbares von Büchsen und Glas und entsorgt dies auf reguläre Art und Weise. Er weiss auch, dass seine Aktion geschätzt wird, von der Bevölkerung wie auch vom Gemeinderat. Doch: «Jetzt gehe ich erst wieder, bis besseres Wetter kommt.» Dann schwingt er sich, bewaffnet mit einer langen Zange - die hat er übrigens auch auf einem seiner Rundgänge gefunden - wieder auf sein Fahrrad.