Judoka
«Ich mag Judo, will aber nicht Profi werden»

Der 16-jährige Florian Fritschi aus dem neuenburgischen Cressier schnuppert seit zehn Monaten Aargauer Luft. Das Austauschjahr wurde dank der guten Vernetzung der verschiedenen Schweizer Judoclubs möglich.

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"Ich mag Judo, will aber nicht Profi werden"

"Ich mag Judo, will aber nicht Profi werden"

Carolin Frei

Der Interviewtermin mit Florian Fritschi im Aarauer Telliquartier fiel just auf den Tag, an dem die Schweizer Fussball-Nationalmannschaft mit einem 1:0 gegen Spanien die ganze Schweiz überraschte. So überrascht es denn nicht, dass die Redaktorin als Erstes freudestrahlend von ihm und seinen beiden Gastbrüdern Florian und Silvan Sager gefragt wurde, ob sie den Match gesehen habe.

Nicht minder spannend ist jedoch der Sport, den der 16-Jährige seit seinem sechsten Lebensjahr ausübt - Judo. In diesen zehn Jahren hat er alle Hürden genommen, die es zu nehmen galt, um in der stärksten Klasse «kämpfen» zu können. «Ich habe den braunen Gürtel. Die Prüfung für den schwarzen darf man erst mit 18 Jahren absolvieren», sagt Florian Fritschi. Er wird sich auch dieser Herausforderung stellen, keine Frage. Allerdings steht im vorher eine weitere Arm-Operation bevor. «Im Moment trainiere ich nicht so streng, weil mir gewisse Bewegungen Schmerzen bereiten.» Und: «Ich mag Judo, aber Profi möchte ich nicht werden. In der Schweiz kann nur eine Handvoll davon leben, etwa Sergej Aschwanden. Ich möchte im nächsten Jahr eine Schreinerlehre beginnen und später Holzingenieur studieren», sagt er.

Der Sport ist somit nicht der Hauptgrund, weshalb der junge Mann in die Deutschschweiz kam. «Ich war in der Schule total schlecht im Deutschunterricht. Und bevor ich nun für ein Jahr aufs Gymnasium in Neuenburg gehe, wollte ich meine Sprachkenntnisse aufbessern.» Diesem Wunsch stellten sich seine Judokollegen gerne und fragten bei ihren Deutschschweizer-Judokollegen um Möglichkeiten für einen «Stage» nach. «Zuerst war ich sieben Monate bei einer Familie in Hirschthal. Und nun bin ich seit gut drei Monaten in Aarau. Die ersten Monate konnte ich neben meiner Arbeit bei einer Gartenbaufirma täglich trainieren gehen. Doch nun haben wir so viel Arbeit, dass dies schwierig ist. Aber das ist okay, so kann ich meinen Arm etwas schonen», meint er lachend.
Aber, auch wenn er nicht täglich trainiert, so ist er doch an den meisten Wochenenden für seinen Neuenburger Verein im Wettkampfeinsatz. Das dürfte seine Freundin freuen, weil er dann jeweils in der Romandie weilt.

Ende Juni heisst es Kofferpacken. Dann geht der «Stage» des 16-Jährigen zu Ende. Mit im Gepäck hat er viele gute Erinnerungen an Menschen, die sich Zeit für ihn genommen haben, die ihm die Sprache und Deutschschweizer Kultur näher gebracht haben. Unter anderem am 16. Juni, dem Tag, der bestimmt in die Schweizer Fussballgeschichte eingehen wird. Denn, kaum war das Interview fertig, machten sich Florian und seine Gastbrüder auf, um mit dem Auto - mit Schweizer Fahnen bestückt - am «Corso» durch die Aarauer Innenstadt teilzunehmen.