Uezwil
«Ich hoffe, man nimmt es mir nicht übel»

Seit 1946 ist der Dorfladen das gesellschaftliche Zentrum in Uezwil. Das Einkaufen ist beinahe Nebensache, denn im Laden trifft man sich und erfährt Neuigkeiten aus der Nachbarschaft. Am Samstag geht dieses 63-jährige Kapitel Dorfgeschichte zu Ende. Verständnis und Wehmut halten sich die Waage.

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Dorfladen Corinne Koch-Hausherr

Dorfladen Corinne Koch-Hausherr

Aargauer Zeitung

Andrea Weibel

Sie kennt fast jeden ihrer Kunden mit Namen, erkundigt sich nach der Familie und schenkt jedem ein Lächeln: Corinne Koch-Hausherr ist die gute Seele des Dorfladens in Uezwil. Seit 2002 führt sie das Geschäft mit Unterstützung ihrer Schwester Monika und ihrer Mutter Irma. Doch am Samstag, 25. April, öffnet sie die Ladentür zum letzten Mal.

Gründe dafür gibt es mehrere. Der wichtigste darunter ist kaum zu übersehen: Corinne ist im siebten Monat schwanger. «Ich freue mich darauf, einfach Mami zu sein», sagt sie strahlend. «Wir haben lange darüber nachgedacht, bevor wir den Entschluss gefasst haben, den Laden zu schliessen», erklärt Corinne Koch. «Es ist uns nicht leicht gefallen.»

Sie hofft, dass ihre Kunden ihr diesen Entschluss nicht allzu übel nehmen werden, denn einzig wegen ihrer treuen Kundschaft aus dem Dorf hat sie den Laden so lange geführt. «Reich wird man dabei nicht. Aber ich weiss, dass einige Leute sehr froh waren, wenn sie im Dorf einkaufen konnten.»

Auch diesen Aspekt hat sie zusammen mit ihrem Mann Traugott «Budi» Koch genau abgewogen. «Es sind heute gar nicht mehr so viele Leute, die nicht mobil sind», ist sie sich bewusst. Das hat ihr die Entscheidung etwas erleichtert. Dennoch bleibt es ein schwerer Schritt. «Ich gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge», sagt sie.

Ausstellungsraum im Laden

Corinne hat ihr ganzes Leben im und um den Dorfladen verbracht. In der Wohnung über dem Laden ist sie gross geworden. 2005 haben sie und ihr Ehemann das Haus umgebaut und bewohnen es seither. «Ich werde mir zum ersten Mal überlegen müssen, was ich einkaufen und kochen soll», lacht die 30-Jährige, «bisher bin ich einfach in den Laden gegangen und habe das geholt, was am ehesten abläuft.»

Am Samstag, 25. April, wird sie sämtliche Preise um zehn Prozent reduzieren. Dazu gibt es einen Abschiedsapéro und Grillwürstchen.