Christine Schraner
«Ich hoffe, ich finde schnell etwas Neues»

«Ich arbeite hier sehr gerne», sagt Christine Schraner. «Denn wir sind hier wie eine grosse Familie,» fügt sie an und zeichnet mit den Armen einen Kreis in die Luft. Auch etwas Wehmut ist zu hören in ihrer Stimme, denn bald wird Christine Schraner nicht mehr im Krawattenatelier des Vereins Lernwerk in Turgi arbeiten.

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Christine Schraner

Christine Schraner

Stadtanzeiger Baden

Melanie Borter

Der Verein Lernwerk hat sich auf die Arbeitsmarkt- und Berufsintegration spezialisiert. Eine Festanstellung im Krawattenatelier soll eine Eingliederung in einen geregelten Arbeitsmarkt darstellen. In diesem kleinen Produktionsbetrieb, wo hochwertige Krawatten für die Firma Weisbrod hergestellt werden, verdienen teilleistungsfähige Personen ihren eigenen Lohn. Die Teillohn-Stellen sind speziell für Langzeitarbeitslose, ausgesteuerte Personen mit beruflich geringen Qualifikationen und Klienten der Sozialdienste bestimmt. Den Startschuss für eine mögliche Anstellung gibt jeweils eine Gemeinde oder eine andere Institution, die die Klientin zuweist und eine Kostengutsprache einreicht. Bei Teillohn-Stellen fallen Arbeits- und Betreuungskosten an, die es bei Stellen im regulären Arbeitsmarkt nicht gibt. Deshalb erhält das «Lernwerk» einen Strukturbeitrag vom Sozialdienst.

Christine Schraner war, bevor sie die Chance bekam, im «Lernwerk» zu arbeiten, vier Jahre arbeitslos - seit der Geburt ihres jüngsten Sohnes. Seit Juni 2007 arbeitet sie nun im Krawattenatelier. Ihr gefallen nicht nur die Arbeit und die familiäre Atmosphäre, sie geniesst es auch, ihr eigenes Geld zu verdienen. «Man bekommt etwas für seine Arbeit. Das ist ein schönes Gefühl, wenn man so lange arbeitslos war», sagt die gebürtige Kenianerin in etwas gebrochenem Deutsch.

Und natürlich findet es die alleinerziehende Mutter zweier Kinder schade, dass sie bald nicht mehr im Krawattenatelier arbeiten kann. «Die Gemeinde zahlt drei Jahre lang den Strukturbeitrag. Diese drei Jahre sind jetzt bald um und deshalb muss ich etwas Neues suchen. Ich hoffe wirklich, dass ich schnell etwas finde, denn ich bin es nicht mehr gewohnt, zu Hause zu sein. Ich möchte arbeiten.»
Natürlich bewirbt sich die Neuenhoferin bereits jetzt, aber sie hofft, dass es schneller klappt, wenn sie dann mehr Zeit hat, sich um die Stellensuche zu kümmern. «Viele Jobs sind für mich einfach nicht geeignet, weil sie entweder am Morgen zu früh beginnen oder abends zu lange dauern. Das ist dann einfach nicht machbar mit den Kindern», erklärt sie.

Sie suche eine 60- bis 80-Prozent-Stelle. «Wenn es wieder etwas mit Nähen zu tun hat, wäre das schön. Das Nähen gefällt mir.» Noch lieber aber wäre sie als Sachbearbeiterin tätig. «Ich kann mit Computern umgehen, bin aber kein Spezialist», sagt sie und fügt gleich an: «Eine entsprechende Ausbildung müsste ich selbst bezahlen und das ist momentan nicht möglich.»

Eine Ausbildung im Pflegebereich würde vielleicht eher finanziell von der Gemeinde unterstützt, «aber diese Arbeit kann ich mir nicht so vorstellen.»
Christine Schraner ist aufgestellt und blickt mit Zuversicht in die Zukunft, denn sie ist sich sicher: «Ich habe jetzt mehr Chancen, etwas zu finden. Ich bin sehr, sehr froh, dass es das ‹Lernwerk› gibt.»