Bügeleisen-Prozess

«Ich erinnere mich nur an die Angst»

Mit einem Bügeleisen soll die Frau zugeschlagen haben (Symbolbild)

Mit einem Bügeleisen soll die Frau zugeschlagen haben (Symbolbild)

Am Amtsgericht Olten-Gösgen begann heute die Verhandlung im «Bügeleisen-Mord-Fall», der sich vor sieben Jahren in Schönenwerd ereignete. Eine Frau erschlug damals unter Todesangst ihren Ehemann.

Ungewohnte Szenen gestern vor dem Stadthaus in Olten: Nich nur unter den Medienvertretern war der Aufmarsch grösser als sonst, auch die Gäste-Tribüne des Parlamentssaals, in dem die Verhandlung stattfand, war gefüllt.

Schätzungsweise 30 Personen hatten sich dort zu Beginn des Prozesses eingefunden. Hauptsächlich Verwandte und Bekannte der Beschuldigten, die vor sieben Jahren in Schönenwerd ihren Mann im eskalierenden Ehestreit unter Todesangst mit dem Bügeleisen erschlagen hatte, waren vor Ort.

Aber auch Angehörige des zweiten Angeklagten und des Verstorbenen sowie drei der vier Kinder verfolgten den ersten Tag der dreitägigen Verhandlung.

«Es tut mir Leid, was passiert ist»

Unter Tränen äusserte die Beschuldigte, dass es ihr Leid tue, was passiert sei. «Er hat mir Angst gemacht. Er war so wütend auf mich, weil ich nicht wollte, was er wollte. Ich wusste, er will mich umbringen, jetzt meint er es ernst», erzählte sie nach und nach.

Langsam gewann sie ihre Fassung zurück. «Sonst habe ich mich immer gefügt, damit die Kinder nichts merkten von unserem Streit. Er sagte: ‹Solange du tust was ich will, passiert dir und den Kindern nichts›». Als sie den Sexualakt erneut verweigerte, habe er zuerst auf sie eingeschlagen.

Dann habe er mit der Pistole auf sie gezielt. Diese hatte sie zuvor «unbrauchbar» machen lassen. An den genauen Hergang des Abends erinnerte sich die beschuldigte Italienerin nicht mehr: «Was ich einfach weiss, ist, dass ich unglaubliche Angst hatte», wiederholte sie immer wieder. Sie habe nur das Gefühl der Angst, weder Bilder noch Erinnerungen.

«Ich fiel von Helfer- in Opferrolle»

Nachdem der Ehemann gemerkt hatte, dass seine Waffe nicht funktionstauglich war, griff er zum Bügeleisen und schlug seiner Frau einen Schneidezahn aus. Sie blutete aus dem Mund, schrie mehrfach «aiuto» (ital. «Hilfe»).

Der Partner der Schwester der verletzten Frau - er wohnte im selben Haus - tauchte daraufhin auf, nahm den Mann in den «Schwitzkasten», drückte ihn zu Boden. Die Ehefrau packte nun das Bügeleisen und schlug wie wild auf ihren Ehemann ein. Der Mann wehrte sich und kämpfte mit allen Kräften gegen den ihn zu Boden drückenden Schwager an.

«Er sei plötzlich von der Helfer- in die Opferrolle gefallen», sagte dieser gestern vor Gericht. «Ich hatte plötzlich selber Todesangst und konzentrierte mich nur auf ihn und mich.» Dass die Frau seines Gegners auf diesen einschlug, habe er erst später realisiert.

«Plötzlich wehrte er sich nicht mehr. Erst dachte ich, er sei bewusstlos. Da begann sie zu weinen und schreien und fragte, was sie getan habe», berichtete er weiter.

Prof. Dr. Ulrich Zollinger, damals Leiter Forensiche Medizin des Instituts für Rechtsmedizin (IRM), an der Uni Bern, informierte als sachverständiger Gerichtsmediziner und Gutachter über die Todesursache des Verstorbenen. Er starb an äusserem Verbluten, wie die Untersuchungen ergaben. Die Strafanträge der Staatsanwaltschaft wurden gestern noch nicht bekannt gegeben. Der Prozess vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen dauert voraussichtlich bis und mit Donnerstag.

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