Roland Brack

«Ich bin mit der Firma gewachsen»

Als Schüler baute und verkaufte er Modellflugzeuge und bot gleich das passende Benzin dazu an. In der Lehre wurde der Import von Computern aus Taiwan zu seiner liebsten Nebenbeschäftigung. Heute gehört Brack Electronics zu den führenden Online-IT-Händlern der Schweiz und rangiert unter den 500 wachstumsstärksten Unternehmen Europas. Gestern stieg in Mägenwil die grosse 15-Jahr-Jubiläumsparty.

Von Barbara Rüfenacht

«Gebastelt und gehandelt habe ich schon immer», berichtet der 37-jährige Firmeninhaber, der vor kurzem den Aargauer Unternehmerpreis gewann. Die Auszeichnung kommt ihm gelegen. «Ich stehe nicht gerne hin und erzähle, ich sei der Grösste - ein Pokal spricht für sich.» Roland Brack tritt bescheiden auf.

Nötig hätte er das nicht, angesichts seine Erfolgsstory, die an eine amerikanische Tellerwäscherkarriere erinnert. Besonders die IT-Branche liebt den Jungunternehmer mit Flair zur Technik und Gespür für Trends.

Kein Wunder. Während seines Elektronikstudiums an der Fachhochschule Windisch handelte er bereits so erfolgreich mit Computern, dass die Gründung einer Einzelfirma notwendig wurde. «Während ich tagsüber paukte, baute mein Partner PCs zusammen, am Abend war ich dann an der Reihe mit dem Verkauf.»

Kurzentschlossen stellte der geschäftstüchtige Student seinen Kollegen als Mitarbeiter an und mietete sich im Gewerbepark Mägenwil ein. Dort sitzen die beiden heute noch - nur dass inzwischen aus dem Zwei-Mann-Betrieb ein Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern geworden ist.

Hier stösst man auf Fotos der zweiten Leidenschaft des Mannes, der gerne Tempo macht. Als begeisterter Motorsportler unternimmt er mit seinem «Buschtaxi» abenteuerliche Expeditionen durch die Wüste und über Berge oder fährt an spektakulären Rallyes mit. Das Buschtaxi ist ein Geländewagen, ausgestattet mit Seilwinden und Satellitentelefon.

«Wenn man auf 5000 Metern Höhe fährt und bis zu 1000 Kilometer ohne Tankstelle, braucht es schon eine etwas andere Ausrüstung.» Die Liebe zu Motoren und dünner Luft ist nicht neu. Als er noch etwas mehr Zeit hatte, absolvierte Roland Brack die Fliegerische Vorschule (FVS) für Militärpiloten, später sattelte er aufs Privatfliegen um.

Die schönen Hobbys bleiben auf der Strecke, seit sich das Tagesgeschäft des CEO immer mehr um die Übernahme neuer Unternehmen dreht. «Hier geht es vor allem um Vertrauen, und daran habe ich in der Branche hart gearbeitet.» Der Einsatz hat sich gelohnt. So gab Brack Electronics vor drei Jahren die Sortimentszusammenführung mit dem IT-Distributor Alltron bekannt. Kaum war der Deal unter Dach und Fach, verkündete das Mägenwiler Unternehmen die Übernahme des Aargauer Komponenten-Distributors Wyscha Computer, was einen Umsatzanstieg auf 220 Millionen Franken auslöste.

Wie verkraftet man als Inhaber und Verantwortlicher zahlreicher Mitarbeiter ein so rasches Wachstum? «Von aussen sieht alles rasant aus - ich bin aber gemeinsam mit der Firma gewachsen», meint der CEO. Am Anfang brachte der junge Gründer haufenweise Ideen ins Unternehmen ein, er war der Antrieb, der Motor. «Heute agiere ich im Hintergrund, meine Fachspezialisten bringen mir oft die neusten Dinge bei.»

Seine grösste Verantwortung sieht der Mann an der Spitze darin, sämtlichen Angestellten die besten Tools und Arbeitsbedingungen zur Verfügung zu stellen. «Ich habe noch nie unmotivierte Mitarbeiter getroffen, nur schlecht ausgerüstete.» Motivieren will er durch Vorleben. Seine Firma ist eines seiner liebsten Hobbys. «Ich habe das Glück, mich täglich auf einer technischen Spielwiese austoben zu können.»

Trotzdem: Die vielgerühmte Work-Life-Balance muss stimmen. Am Abend verlässt der Chef die Firma spätestens um 19 Uhr, die Wochenenden sind für die Familie reserviert. «Ich kenne genügend ausgebrannte Manager, das ist nicht mein Ziel.» Ziel ist es, wohl weiterhin zu wachsen, aber nicht um jeden Preis und ins Bodenlose. Bodenhaftung findet der Vielbeschäftigte zu Hause bei seiner Frau, einer ausgebildeten Chirurgin, und den zwei gemeinsamen Kindern. «Wir haben schon mal vorsorglich Kindersitze ins Buschtaxi eingebaut», schmunzelt der Familienvater, der seine Partnerin auf einer Expedition kennen gelernt hat.

Lassen kann er das Expandieren dann aber doch nicht. Erst kürzlich wurde der neue Online-Shop Daydeal eröffnet und verzeichnet eine rasant wachsende Community. «Während 24 Stunden offerieren wir ein einziges Produkt zu einem Schnäppchenpreis, gleichzeitig können Besucher mit anderen über das Angebot diskutieren - ich habe einfach das Aldi-Konzept aufs Internet übertragen.» Gesagt, getan. Die Ideen werden Roland Brack wohl noch lange nicht ausgehen.

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