Nicole Emmenegger

Seinen Job als Verwaltungsleiter der Gemeinde Mettauertal tritt er offiziell zwar erst am 1. Januar 2010 an - aber schon heute arbeitet und denkt er für die neue Gemeinde: Wenn Florian Wunderlin (35) über die Gemeinde Wil spricht, für die er noch bis zur Fusion als Gemeindeschreiber amtet, benutzt er bereits den Begriff «Ortsteil». Auch eine neue E-Mail-Adresse hat er bereits, die auf «@mettauertal.ch» endet.

Und selbst räumlich ist er der Gemeinde Mettauertal schon ganz nahe. Sein Büro im Gemeindehaus von Wil hat er letzte Woche geräumt. Mitsamt Bürotisch und Akten ist er ins Gemeindehaus von Oberhofen eingezogen wie die anderen Verwaltungsangestellten der Fusionsgemeinden Wil, Etzgen, Mettau, Oberhofen und Hottwil (AZ berichtete). Dort bilden die Angestellten ab 1. Januar das neue Verwaltungszentrum von Mettauertal.

«Herausforderung reizt mich»

Bis dahin sind sie noch in erster Linie ihren bisherigen Gemeinden verpflichtet. Und dennoch: Im Büroalltag macht sich die Gemeinde Mettauertal bereits bemerkbar. Seit Florian Wunderlin im September 2008 zum Verwaltungsleiter der neuen Gemeinde gewählt wurde, sind viele neue Aufgaben auf ihn zugekommen. Das Pensum ist offiziell bei 100 Prozent geblieben, aber die Lichter gehen abends in seinem Büro immer später aus. Motiviert ist Florian Wunderlin trotzdem. «Mich reizt die Herausforderung, die Übergangsphase vor der Fusion erfolgreich über die Bühne zu bringen», sagt er.

Viele Sitzungen und Protokolle

Fusionieren bedeutet vor allem eines: viele Sitzungen der Umsetzungskommission, die den Zusammenschluss aufgleist und die beispielsweise Ideen für ein neues Gemeindewappen sammelt oder neue Abfall- oder Baureglemente entwirft. Florian Wunderlin bereitet diese Sitzungen vor, führt Protokoll und führt die Aufträge aus, die ihm die Umsetzungskommission erteilt. Derzeit legt er mit seinen künftigen Arbeitskolleginnen und -kollegen detailliert fest, wer welche Aufgaben in der neuen Verwaltung der Gemeinde Mettauertal erfüllen soll. Zudem hat er gemeinsam mit seinem künftigen Team das Abstimmungsbüchlein für die erste Mettauertaler Gemeindeversammlung vom 27. November verfasst, das in diesen Tagen verschickt wird.

Je näher der Fusionstermin rückt, desto grösser wird der Aufgabenberg. Kommt dazu, dass im November die fünf Fusionsgemeinden die letzten Gemeindeversammlungen abhalten und am 18. Dezember in Wil das umgebaute und erweiterte Schulhaus eingeweiht wird - auch hier muss Wunderlin organisieren.

In Thailand Energie getankt

Liegen da überhaupt noch Ferien drin? Die leichte Sonnenbräune von Florian Wunderlin verrät: Er war im Oktober mit seiner Freundin zwei Wochen in Thailand. Möglich machte dies die künftige Finanzverwalterin von Mettauertal, Priska Meyer, die seit Juli zu 100 Prozent auf der Gemeindekanzlei in Wil arbeitet und Florian Wunderlin entlastet. «Sonst hätte es mit den Ferien nicht geklappt», sagt er. Als Ausgleich zu den langen Bürotagen treibt Wunderlin zudem Sport, spielt Fussball für die 1. Mannschaft und für die Seniorenmannschaft des FC Stein.

Einzelkämpfer im Team

Ob Energie aus Sport oder Ferien - Florian Wunderlin wird bis Ende Jahr eine Extraportion davon brauchen. «Ich bin im Moment ziemlich kribbelig und hoffe, dass alles klappt», sagt er. Wie wird die neue Gemeinde von der Bevölkerung akzeptiert? Harmoniert es zwischen den Verwaltungsangestellten im neuen Grossraumbüro im Oberhofer Gemeindehaus? Solche Fragen gehen ihm derzeit durch den Kopf.

Bis vor kurzem waren die Verwaltungsangestellten über weite Strecken Einzelkämpfer, teilten ihre Büros höchstens mit ein, zwei Mitarbeitern. Jetzt sitzen sie alle in einem Raum; nur der Leiter der Steuerverwaltung hat im Parterre ein eigenes Büro. «Manche von uns haben bisher bei der Arbeit Radio gehört, andere nicht. Da wird es schon noch Diskussionen geben», sagt Florian Wunderlin und schmunzelt.

Ob ihm auch am 31. Dezember noch zum Schmunzeln sein wird - einen Tag, bevor er die Leitung über das zwölfköpfige Verwaltungsteam übernimmt? «Eigentlich sollte dann nach der zweimonatigen Testphase alles eingespielt sein», sagt Florian Wunderlin. Etwas vermissen wird er allerdings seinen bisherigen Arbeitsort, die Gemeinde Wil. Dort nahm er 2006 den Job als Gemeindeschreiber an und schätzte es, «dass die Leute mich herzlich aufnahmen und schnell duzten». Zudem ging er gerne zu Fuss zum Beck oder in den Volg-Laden, um sich etwas Leckeres für die Pause zu kaufen.

In Sachen Beck und Volg kann Oberhofen nicht mithalten. Aber wenn die Hottwiler, Wiler, Etzger, Mettauer und Oberhofer ihr neues Verwaltungsteam ebenso schnell duzen, wie dazumal die Wiler Florian Wunderlin geduzt haben, ist das Projekt Mettauertal auf gutem Weg - und besteht nicht nur in den Köpfen des Verwaltungsleiters oder der neuen Gemeinderäte.