«Ich bin kein Schaf, das alles mitmacht»

Unter seinesgleichen wird der Tscheche Jakub Vagner als Rekordfischer und Tierfreund verehrt. Wegen der Jagd nach dem Bettlacher Wels wird er aber massiv kritisiert. Doch Vagner ist von seinem Vorhaben überzeugt: Der Riesenwels sei «ein Märchen» und das Fischereigesetz despotisch.

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Schweiz am Sonntag

Von Patrick Furrer

Missbrauchen Sie den Wels zu eigenen Werbezwecken?

Jakub Vagner: Glauben Sie wirklich, dass ich es riskieren würde, meinen guten Ruf zu verlieren, für etwas, wovon ich nicht überzeugt bin? Ich missbrauche den Wels nicht. Ich bin hundertprozentig von meinem Vorhaben überzeugt.

Und die Kritiken?

Die interessieren mich nicht. Die Schweizer sollten für ein unabhängiges und cleveres Gesetz kämpfen, nicht gegen einen tschechischen Fischer.

Zur Person

Jakub Vagner
Der Tscheche ist einer der bekanntesten Sportfischer Europas und begann bereits als 5-Jähriger mit dem Fischen. Er ist mehrfacher Angel-Rekordhalter und beteiligt sich laut eigenen Angaben mit seinem Namen nicht nur an der Propagierung des Gedankens «fang und lass los», sondern unterstützt auch die Angeljugend. Ende Mai will der Tscheche nun in einer «Erlebniswoche» den Mythos des Bettlacher 3-Meter-Welses entlarven. (fup)

Sie haben kein Verständnis?

Doch. Aber ich bin es ja nicht, der den Fisch töten will, sondern das Gesetz.

Sie geben sich als Tierfreund und Gutmensch. Andere sehen Sie aber eher als Möchtegern-Held und Welsjäger.

Ich komme nicht in die Schweiz, um den Wels zu jagen. Mein Hauptziel ist es, Nein zum Schweizer Fischereigesetz zu sagen. Einem Gesetz, das sagt: Wenn du einen Fisch fängst, musst du ihn umbringen. Wir leben im 21. Jahrhundert, und wir brauchen hier keine Fische für Nahrung zu töten. O.k. - entweder verbieten wir das Fischen gänzlich, oder lassen die Fischer entscheiden ob sie ein Tier töten wollen oder nicht. Eine gute Lösung für die Schweiz wäre ein Gesetz mit sinnvollen Vorgaben, wie gross oder klein ein Fisch sein muss, damit man ihn fischen darf. Und es gibt kein Gesetz, das einem Christen befehlen darf, dass er einen Fisch zu töten hat.

Deshalb wollen Sie das Gesetz missachten und den Wels, falls Sie ihn erwischen, trotz geltender Regelung wieder freilassen. Finden Sie es denn richtig, Gesetze zu ignorieren?

Ich denke nicht, dass es korrekt ist, ein geltendes Gesetz zu ignorieren. Aber ich bin auch kein Schaf, das mit allem einverstanden ist und alles mitmacht. Ich habe meine eigene Meinung, ich weiss was richtig und was falsch ist. Und ich bin verantwortlich für meine Taten.

Die Eventfirma «First Class Fishing» ist doch genauso verantwortlich für die Welsfangaktion, oder?

Nein. Ich bin für alles allein verantwortlich, das hat nichts zu tun mit dieser Firma oder der Geschäftsführerin.

Was bezahlt man Ihnen?

Nichts. Ich bekomme keinen Rappen für diese Erlebniswoche, genauso wenig, wie ich Geld für meine letzte Reise in die Schweiz erhalten habe. Ich zahle alles aus der eigenen Tasche.

Was wäre Ihrer Ansicht nach denn besser als das Verbot im Gesetz?

Der richtige Weg ist die «Catch & Release»-Ideologie. Ein Fisch muss wieder ins Wasser zurückgelassen werden können. Das wäre zukunftsgerichtet.

Was meinen Sie damit?

Die «Catch & Release»-Ideologie funktioniert überall, wo das Gesetz von Menschen gemacht wird, die sich wirklich mit der Problematik des Sportfischens auskennen - und nicht von «Grünen». Wenn wir mit solchen Verboten weitermachen, werden wir irgendwann nicht mal mehr auf Gras gehen dürfen, weil wir sonst kleine Käfer zertreten könnten. Als ich letzthin in Bettlach war, traf ich auf ein paar Fischer und fragte sie, ob sie ihre Fische töten würden. Wissen Sie was? Nicht ein Einziger würde einen Fisch töten, weil es ihm das Gesetz gebietet, nur, wenn sie ihn essen wollen.

Und Sie machen sich auch keine Sorgen darüber, dass Ihre Aktion kontraproduktiv ist und einen Haufen Fischer an die Aare lockt, die auch gerne einen Riesenwels fangen möchten?

Nein, denn die Schweizer Gewässer sind zu kalt, als dass ein «Wels-Paradies» denkbar wäre. Es gibt einige grosse Welse, aber sicher nicht viele.

Mal ehrlich: Werden Sie den Riesenwels überhaupt fangen?

Ich werde einen Wels fangen, ja. Aber keinen, der drei Meter gross ist. Denn das ist nur ein Märchen. Dieser Fisch ist höchstens 2,4 Meter gross.

(Interview aus dem Englischen übersetzt)