«Ich bin doch kein Sesselkleber»

Wieder voller Tatendrang - FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid schaut nach vorne. (Bild: Susi Bodmer)

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Wieder voller Tatendrang - FC-Aarau-Präsident Alfred Schmid schaut nach vorne. (Bild: Susi Bodmer)

Aaraus Klubverantwortlicher Alfred Schmid spricht vor dem Heimspiel gegen den FC St. Gallen Klartext und sagt: «Dank Neutrainer Martin Andermatt herrscht jetzt Ordnung und Disziplin innerhalb der Mannschaft.»

Ruedi Kuhn

Alfred Schmid, bereitet Ihnen der FC Aarau schlaflose Nächte?
Alfred Schmid: Nach der Niederlagenserie und vor dem Trainerwechsel hatte ich einige schlaflose Nächte. Die sind jetzt aber vorbei. Dass die Mannschaft gegen Xamax einen Zweitorerückstand aufgeholt und dank Willensstärke ein 3:3 erreicht hat, war wichtig. Für den Trainer, für die Spieler und für mich.

Fühlen Sie sich für die sportliche Krise verantwortlich?
Schmid: Ja, natürlich. Es wäre nicht normal, wenn ich mich als Präsident nicht verantwortlich fühlen würde.

Wollten Sie zurücktreten?
Schmid: Ich war kurzzeitig verbittert. Und ein verbitterter Präsident nützt keinem. Ausserdem bin ich kein Sesselkleber. Ich will für den FC Aarau nur das Beste. Um das zu erreichen, brauche ich vom Verwaltungsrat und von den Sponsoren die volle Unterstützung. Für mich war deshalb klar, dass ich die Vertrauensfrage stellen muss. Als man mir den Rücken stärkte, blieb ich im Amt.

Was sagen Sie zur Polemik um Sportchef Fritz Hächler?
Schmid: Ich habe diese Polemik nicht begriffen, habe sie verurteilt und war darüber äusserst verärgert. Fritz Hächler wurde zum Sündenbock für die Fehltransfers gemacht. Zudem wurden über ihn Dinge geschrieben, die unter der Gürtellinie waren. Hächler und ich können mit Kritik leben, aber wenn wir persönlich angegriffen werden, ist das nicht in Ordnung. Alles hat seine Grenzen.

Wie haben Sie die Krise bewältigt?
Schmid: Es war schwierig. Und zwar deshalb, weil mir in den vergangenen zwei Jahren fast nur auf die Schultern geklopft wurde. Ich musste erst einmal lernen, mit der schwierigen Situation umzugehen.

Was haben Sie falsch gemacht?
Schmid: Ich würde die eine oder andere Verhandlung mit Spielern anders angehen. Ich würde versuchen, Teamstützen wie Frédéric Page, Kristian Nushi und Paulo Menezes zu halten. Für diese Fehler muss ich jetzt Lehrgeld bezahlen.

Eine Teamstütze ist auch Torhüter Ivan Benito. Sein Vertrag läuft Ende Saison aus. Will man Benito in Aarau halten?
Schmid: Der FC Aarau wird erst einmal die Vorrunde zu Ende spielen. Im Januar werden wir mit allen Spielern, deren Verträge Ende Saison auslaufen, mögliche Szenarien besprechen. Wenn wir uns mit Benito in finanzieller Hinsicht einigen können, werden wir den Vertrag mit ihm verlängern. Benito ist ein Aarauer Urgestein, eine Führungspersönlichkeit und hat viel Ausstrahlung. Eine wichtige Rolle spielen bei meinen Überlegungen aber auch die Goalie-Talente Sascha Studer und Joël Mall.

Warum hat der FC Aarau vor dieser Saison keinen Rechtsverteidiger verpflichtet?
Schmid: Wir haben mit Frédéric Schaub einen Rechtsverteidiger. Schaub ist ein Talent, braucht als junger Spieler aber etwas Zeit, um sich an den hohen Rhythmus zu gewöhnen. Bis Schaub so weit ist, wird Giuseppe Rapisarda auf dieser Position eingesetzt.

Was hat der Trainerwechsel von Jeff Saibene zu Martin Andermatt gebracht?
Schmid: Sehr viel. Seit Martin Andermatt Cheftrainer ist, wird ganz anders, viel härter gearbeitet. Er bringt frischen Wind und neue Ideen in den Verein. Andermatt ist erfahren und weiss genau, wie man Krisen bewältigt. Dank Andermatt herrschen wieder Ordnung und Disziplin. Und dank Andermatt ists auch vorbei mit dem Angsthasenfussball.

Andermatt kann im Gegensatz zu Saibene auf die Unterstüzung der Verantwortlichen zählen.
Schmid: Andermatt hat ein ganz anderes Auftreten als Saibene. Er ist selbstbewusster und arbeitet professioneller. Am Donnerstag hat Andermatt den Mitgliedern des Sportausschusses einen Bericht abgegeben. In dieser Analyse nimmt Andermatt jeden Aarauer Spieler unter die Lupe und beurteilt ihn auf die Super-League-Tauglichkeit.

Könnten Sie sich Andermatt in einer Doppelrolle als Trainer und Sportchef vorstellen?
Schmid: Vielleicht. Warten wir aber doch einmal die nächsten Wochen und Monate ab. Momentan hat Andermatt auf dem Spielfeld genug zu tun. Klar ist jetzt schon, dass er bei möglichen Transfers während der Winterpause ein Mitspracherecht hat.

Was ist Ihnen der Ligaerhalt wert?
Schmid: Sie glauben doch nicht, dass ich Ihnen eine Zahl nenne. Eines steht fest: Der Ligaerhalt ist mir viel wert. Würden wir nämlich absteigen, wäre ein Aufstieg eine teure Sache.

Was passiert in der Winterpause?
Schmid: Der Trainingsbetrieb der ersten Mannschaft dauert
bis zum 15. Dezember. Die Pause geht dann bis zum 4. Januar. Sehr viel verspreche ich mir vom neuntägigen Trainingslager in der Türkei Mitte Januar.

Findet während der Winterpause eine Kaderbereinigung statt?
Schmid: Es ist noch zu früh, um diese Frage zu beantworten. Wir werden erst den Bericht von Andermatt analysieren und darauf reagieren. Wer nach Ansicht von Andermatt nicht Super-League-tauglich ist, der muss gehen.

Was ist, wenn der FC Aarau absteigt? Haben Sie einen Plan B in der Schublade?
Schmid: Unsere Aufgabe ist erst einmal, alles für den Ligaerhalt zu tun. Sollten wir tatsächlich absteigen, müssten wir das Budget von 4,5 Millionen Franken für die erste Mannschaft um rund die Hälfte reduzieren.

Gibt es Spieler, deren Verträge nur für die Super League gelten?
Schmid: Ja, die gibt es.

Der FC Aarau hat das Budget mit dem Trainerwechsel und spontanen Transfers längst überzogen: Stecken Sie privates Geld in den Verein?
Schmid: Ja, ich unterstütze den Verein.

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