Birgit Günter

Völlig ungeschützt liegen die jungen Häschen in ihren ersten Lebenswochen irgendwo im Gras. Neben nasskaltem Wetter und Landmaschinen sind es vor allem Raubtiere, die das Leben der jungen Hüpfer bedrohen. Ein Experiment hat nun Überraschendes gezeigt: Die Häschen werden nicht wie erwartet in erster Linie Opfer von wilden Tieren wie Füchsen oder Greifvögeln – vielmehr sind es Krähen, Katzen und Hunde, welche die Jungtiere aufstöbern und töten.

Für das Experiment hat der Student Arnaud Fernex im Rahmen seiner Abschlussarbeit 170 Hasen-Attrappen im Baselbieter Landwirtschaftsgebiet ausgelegt und kontrolliert, wo sie wie rasch verschwinden. Mithilfe von Fotofallen hat er dabei meist nachweisen können, wer die Täter sind. «Wir hätten nie erwartet, dass es in den Feldern so viele freilaufende Hunde hat», sagt Darius Weber, der Projektleiter des Feldhasen-Projekts «Hopp Hase». Viele der Köder seien sogar mitten im Feld gewesen. «Doch es ist fast aussichtslos, etwas gegen Katzen und Hunde zu unternehmen», hält Weber nüchtern fest.

Überlebenschance teilweise bei null

Herausgefunden haben die Forscher aber auch, dass die Überlebenschancen je nach Ort massiv variieren. Im gepflügten Acker liegt sie bei null und
an allen Feldrändern praktisch bei null. Am besten sieht es aus in der Feldmitte von Buntbrachen (unbestellten Landstücken ) und Getreidefeldern: Hier liegen sie bei 20 respektive 40 Prozent.

An diesem Punkt wollen die Hasenförderer darum ansetzen. «Unser Ziel ist es, die Bauern für das Anlegen von Buntbrachen zu begeistern», erklärt Weber. Ausserdem schliesst der Verein «Hopp Hase» mit den Landwirten Verträge ab, damit diese ihr Getreide dünner aussäen – denn Hasen gehen nicht in zu dicht bewachsene Felder. Laut Lukas Kohli, wissenschaftlicher Mitarbeiter von «Hopp Hase», existieren bereits sechs solcher Verträge. Auf 61 Hektaren, was etwa 85 Fussballfeldern entspricht, werden insgesamt 89 Massnahmen zur Hasenförderung umgesetzt.

Den erwachsenen Hasen geht es gut

Nur mit solchen Massnahmen sei es möglich, dass der Feldhase in der Region überlebe – und mittelfristig sogar wieder zulege. Zurzeit leben pro Quadratkilometer je nach Gebiet zwischen einem (Laufener Becken) und sechs (Wenslinger Feld) Hasen. Ziel des Vereins sind aber mindestens zehn Hasen.

Schon in vier Jahren will man dies erreicht haben. «Eine Häsin kann pro Saison fünfzehn Junge zur Welt bringen», erzählt Weber. Schaffe man es, dass mehr als zehn Prozent überlebten, könnte der Feldhase bald wieder ein häufigerer Gast in Feld und Wiese sein. Denn: Sind die Junghasen einmal erwachsen, kann man sie getrost sich selbst überlassen. «Für die alten Hasen bedeutet das Nahrungsangebot hier fast das Schlaraffenland», sagt Weber.