Altersheim

Hunde bringen Freude

Vertrautheit Es sind Momente der Nähe für die Bewohnerin des Altersheims Stäglen, als Therapiehund Lord auf dem Bett liegt und sich kraulen lässt. Die Arbeit mit Lord macht auch Hundeführerin Brigitte Jäggi Freude

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Vertrautheit Es sind Momente der Nähe für die Bewohnerin des Altersheims Stäglen, als Therapiehund Lord auf dem Bett liegt und sich kraulen lässt. Die Arbeit mit Lord macht auch Hundeführerin Brigitte Jäggi Freude

Im Altersheim Nunningen sind Hunde gern gesehene Gäste: Die speziell ausgebildeten Therapiehunde Lord und Pasco besuchen regelmässig das Nunninger Alters- und Pflegeheim Stäglen.

Von Heiner Leuthardt

«Die Bewohner haben schon gefragt, wann denn Lord und Pasco kommen», freut sich Marlene Hänggi, Leiterin Aktivierung des Alters- und Pflegeheims Stäglen in Nunningen. Wie jede Woche seit mehr als zwei Jahren besuchen die beiden Therapiehunde das Nunninger Altersheim.

Anders als sonst kommen für einmal beide gleichzeitig. Dementsprechend gross ist die Spannung bei den Bewohnern. Aber zuerst müssen die beiden Golden Retriever und ihre Hundeführerinnen Sandra Bühler und Brigitte Jäggi über ihren besonderen Einsatz berichten.

Dass sie überhaupt regelmässig im Stäglen sind geht auf die Initiative von Marlene Hänggi zurück. «Ein Artikel brachte mich auf die Idee und bei der Suche über das Internet bin ich auf die Stiftung Medizinhunde in Lausen gestossen.»

Rasch waren die Kontakte geknüpft und erste Probeeinsätze geplant. «Bereits diese begeisterten alle», erinnert sich Marlene Hänggi. Heute gehörten die Besuche der Therapiehunde zum Heimalltag. «Oft ist uns zuwenig bewusst, was ein Tier Menschen bringen kann, egal in welcher Lebensphase sich der Mensch befindet.» Dieses Thema vertiefte Marlene Hänggi in ihrer Abschlussarbeit, die sie bei ihrer Ausbildung zur Aktivierungstherapeutin schreiben musste.

Die Nähe der Hunde tut gut

Die Hundeführerinnen sehen es gleich. Die 40-jährige Hausfrau und Krankenpflegerin Sandra Bühler erzählt, wie sich die Besuchten beim Besuch der Tiere öffnen: «Mit streicheln und der Wärme des Tieres leben sie auf, beginnen zu sprechen.» Aber auch solche, die nicht sprechen, zeigten auf ihre Weise, wie gut ihnen die Nähe ihres Pasco tue.

Für Bühler selber ist es eine Bereicherung und eine wertvolle Erweiterung ihres Hobbys. Nachdem die Kinder selbständig seien, habe sie die Gelegenheit genutzt, vermehrt mit ihrem Hund zu arbeiten. Dabei stiess sie auf die Ausbildung bei der Stiftung Medizinhunde. Diese ist dreistufig ausgelegt. Nach einer Eignungsabklärung wird der Hund zuerst zum Besuchshund ausgebildet. Mit ihm kann man Menschen besuchen, die mobil sind. Dazu gehören nicht nur Betagte, sondern auch Kinder oder Menschen in der Psychiatrie.

Bei der zweiten Stufe wird der Hund zum Therapiehund ausgebildet, der nach erfolgreichem Abschluss auch zu einem bettlägerigen Menschen aufs Bett liegen darf. Der Therapiehund besucht unter anderem Schwerstbehinderte und Pflegebedürftige, aber auch Koma-Patienten.

In der dritten Stufe wird er zum Medizinhund weiter gebildet, der für die Sterbebegleitung eingesetzt wird. «Das muss der Hund ertragen können. Dafür ist nicht jeder Hund geeignet», gibt Brigitte Jäggi zu bedenken. Parallel dazu werden ebenso die Hundeführerinnen und -führer auf ihre wertvollen, ehrenamtlichen Einsätze vorbereitet.

Offenheit für Menschen

Zu dieser müssen sie die Freude am Hund und die intensive Auseinandersetzung mit ihm, aber auch die Offenheit für Menschen mitbringen. «Ich bin mit Hunden aufgewachsen und nutze die Möglichkeit der Blockzeiten bei den Kindern, mehr Zeit für ihn zu haben, ohne dass die Familie leidet.» Auch sie habe die Ausbildungsgänge bei der Stiftung Medizinhunde besucht, sagt Brigitte Jäggi.

Langsam werden die Hunde unruhig und möchten die Besuchsrunde beginnen. Sie kennen das Haus und beginnen freudig den ersten Besuch. Sie sind aber auch nervös. Denn heute werden sie nicht nur von Marlene Hänggi begleitet, sondern auch vom Journalisten und dann sind sie auch noch ausnahmsweise beide gleichzeitig im Einsatz.

Aber im Kontakt mit den Bewohnern ist alles vergessen und eine fröhliche, gelöste Stimmung erfasst alle. Die Besuchten streicheln die Hunde, spielen mit ihnen oder schauen sie strahlend an. Man kennt sich. Vieles läuft ab. Das alles gehöre dazu, bestätigen die drei Frauen. Die Begegnung ist für Hund und Mensch intensiv. Die Hundeführerinnen spüren, wenn ihr Hund nicht mehr mag. Aber in einer Woche kehren sie gerne wieder zurück.

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