«Holz ist doch Inbegriff von Sonnenenergie»

Im Murimoos und in Hägglingen werden die Vorteile von erneuerbaren Energien aufgezeigt (AZ vom Donnerstag). Jules Pikali ist Geschäftsführer von Holzenergie Freiamt und hat kein Brett vor dem Kopf.

Merken
Drucken
Teilen
pikali

pikali

Aargauer Zeitung

Eddy Schambron

Der Verein Holzenergie Freiamt bietet produkteneutrale Energieberatung an. Sein Geschäftsführer Jules Pikali ist Ingenieur und sieht sich nicht als «Holzverkäufer.»

Beim Begriff Sonnenenergie denkt man in erster Linie an Sonnenkollektoren und Photovoltaik-Anlagen. Muss er mit Holz erweitert werden?

Jules Pikali: Der Wald ist der effizienteste Sonnenkollektor. Es gibt kein technisches Gerät, das Sonnenenergie so günstig und dauerhaft speichert wie Holz. So gesehen ist Holz der Inbegriff von Sonnenenergie. Das bedeutet aber nicht, dass eine andere Nutzung von Sonnenenergie hinfällig wäre. Im Gegenteil: Es macht keinen Sinn, im Sommer das Brauchwasser mit Holz aufzuwärmen. Da sind Warmwasserkollektoren die richtige Wahl.

Ist das Freiamt mit seinen Wäldern «Sonnenenergie-Land»?

Pikali: Obwohl das Freiamt nicht zu den waldreichsten Gebieten im Aargau gehört, ist eine solche Vision nicht unrealistisch. Mit einer Kombination von vorbildlicher Wärmedämmung, Sonnenkollektoren für das Warmwasser und Energieholz aus dem heimischen Wald ist eine Energieautarkie für das Freiamt denkbar. Dann wären wir «Sonnenenergie-Land».

10 Jahre Holzenergie Freiamt

Holzenergie Freiamt engagiert sich seit zehn Jahren für einen vermehrten Einsatz der Holzenergie. Ihre Aufgaben umfassen das Holzenergiemarketing, die Schaffung eines Forums für Holzenergie, die Sicherstellung der Holzlieferungen, die Unterstützung interessierter Bauherrschaften, Öffentlichkeitsarbeit sowie die produktneutrale Beratung. Geschäftsführer ist Jules Pikali. Kontakt: Telefon 041 790 80 63, E-Mail: info@holzenergie-freiamt.ch. Internet: www.holzenergie-freiamt.ch

Können Sie diese Vision einmal vorrechnen?

Pikali: Das geht nur in Kombination mit Sparen von Energie. Beispiel: Ein um 1990 erbautes Einfamilienhaus verbraucht ungefähr 2700 Liter Erdöl pro Jahr. Mit den ab diesem Jahr gültigen gesetzlichen Energievorschriften müssen rund 900 Liter Öl ausreichen. Erwärmen wir das Wasser zudem mit Sonnenkollektoren, bleiben noch 600 Liter. Das entspricht rund drei Ster Holz, und zwar ohne jede Komforteinbusse. Das ist doch genial! Bei einem so geringen Holzverbrauch wird Stückholz wieder attraktiv. Um energieautark zu werden, müsste also vor allem auch in die energetische Sanierung von Gebäudehüllen investiert werden. In dieser Vision Sonnenenergieland bleibt die Elektrizität noch ausgeklammert, wo wir noch zu weit über zwei Drittel von Atomstrom abhängen.

Holzheizungen haftet aber der Ruf an, Feinstaubschleudern zu sein

Pikali: Ob eine Holzheizung die Umwelt belastet, wird hauptsächlich vom Betreiber bestimmt. Wer veraltete Technologie einsetzt, falsch gelagertes Holz oder gar Abfälle verfeuert und den Ofen falsch bedient, erzeugt Feinstaub. Ich stelle aber fest, dass die Holzfeuerungsbetreiber Selbstverantwortung gross- schreiben. Sie wissen in der Regel auch, dass falsches Feuern ineffizient ist und sogar die Anlage schädigen kann. Das zahlt sich nicht aus. An der Asche sieht man sofort, wenn unzulässige Brennstoffe verwendet wurden. Abgesehen davon gibt es eine «inoffizielle» Kontrolle, nämlich die Nachbarschaftskontrolle. Die ist nicht zu unterschätzen. Kein Problem sind hingegen moderne Grossanlagen. Ihre Emmissionen werden regelmässig gemessen und sie sind mit wirksamen Feinstaubfiltern ausgerüstet.

Stehen Solaranlagen zur Holzenergie in Konkurrenz?

Pikali: Überhaupt nicht, im Gegenteil. Sie sind dringend notwendige und ideale Ergänzungen. Sie sprechen auch die gleichen Zielgruppen an und es gibt viele schöne Beispiele von gelungenen Kombinationen.

Lohnt es sich auch wirtschaftlich, in ökologische Heiz- und Energiesysteme zu investieren?

Pikali: Bei einem Einfamilienhaus ist die Holzheizung eine eher teure Variante. Aber man darf andere Werte nicht unterschätzen: Holz ist der einzige Energieträger, der lokal und dezentral zur Verfügung steht. Man bekommt mit der Holzheizung nicht nur einen ökologischen Mehrwert, sondern gewinnt auch Lebensqualität. Holz ist stimmungsvoll und erzeugt eine angenehme Strahlungswärme.

Aber sind nicht eher die Kosten als das «Lustgefühl» bei der Wahl einer Heizung ausschlaggebend?

Pikali: Der Preis des Brennstoffes ist dann nicht mehr so wichtig, wenn der Energiebedarf stark reduziert wird. Bei einem nach heutigem Standard gedämmten Haus ist der Preis des Brennstoffes deshalb ziemlich sekundär. Damit gewinnt eine Entscheidung nach mehr Lebensqualität viel mehr Gewicht.

Und bei Grossanlagen?

Pikali: Grosse Anlagen sind aus wirtschaftlicher Sicht wesentlich besser als kleine. Bei Grossanlagen ist Holz heute das wahrscheinlich kostengünstigste System, weil es sehr effizent betrieben werden kann. Grenzen setzt uns hier nur das Verteilsystem. Eine Holzschnitzelheizung bietet sich darum vor allem in Gebieten mit einer hohen Bebauungsdichte an.

Holzenergie Freiamt bietet neutrale Beratung an. Ist sie wirklich neutral?

Pikali: Wenn wir beraten, schauen wir ein Haus oder eine Problemstellung umfassend an. Wir machen auch Vorschläge zur Verbesserung der Gebäudehülle, empfehlen Solaranlagen, wo sie Sinn machen. Die Beratung ist übrigens kostenlos.

Haben Sie auch schon vom Einbau einer Holzfeuerung abgeraten?

Pikali: Ja, das hat es auch schon gegeben. Ich sehe mich nicht als Holzverkäufer, auch wenn das die Förster jetzt nicht so gerne lesen. Ich versuche, mit den Ratsuchenden eine für sie optimale und umweltfreundliche Lösung zu finden. Das ist letztlich eine Frage der Glaubwürdigkeit.

Welches ist eine der meistgestellten Fragen im Zusammenhang mit Holzenergie?

Pikali: Sicher diejenige nach der Verfügbarkeit und der Liefersicherheit des Brennstoffes. Holz ist zwar eine nachwachsende, aber letzlich auch beschränkte Ressource. Dafür ist die Versorgungssicherheit sehr gross. Bei Grossanlagen werden beispielsweise langfristige Lieferverträge abgeschlossen. Das vermittelt Sicherheit.

Was heisst langfristig?

Pikali: Hier handelt es sich um Liefervereinbarungen mit einer Vertragsdauer von zwanzig Jahren. Solche Verträge werden bei keinem anderen Brennstoff unterschrieben.

Lohnt es sich für die Holzenergie Freiamt, Veranstaltungen wie jetzt im Murimoos durchzuführen?

Pikali: Natürlich sind solche Anlässe mit einem gewissen Aufwand verbunden. Aber er lohnt sich für uns, weil wir ein interessiertes Publikum gezielt und mit umfassenden Informationen ansprechen können. Vor allem aber lohnt es sich für das Publikum, unsere Veranstaltungen zu besuchen.