Jessica Pfister

Die Meldung des 14-jährigen Mädchens aus Grossbritannien, das nach einer Impfung gegen Gebärmutterhalskrebs starb, erschreckte. Es waren nicht die ersten gesundheitlichen Komplikationen, bei denen ein Zusammenhang mit der Gebärmutterhalsimpfung vermutet wurde. Trotzdem scheinen viele Schweizer Mädchen und deren Eltern keine Bedenken zu haben, was die Impfung angeht.

«Staune über diese Zahlen»

Über 40 000 junge Frauen im Alter von 11 bis 19 Jahren haben sich schweizweit bereits gegen die zweithäufigste Krebsart bei Frauen geimpft (siehe Box). Die meisten von ihnen im Rahmen von kantonalen Programmen, die vor rund einem Jahr gestartet wurden. Im Kanton Aargau wurden im letzten Jahr in den Schulen 2207 Mädchen geimpft. Dies entspricht laut Marcello Baumann vom Impfdienst einer Durchimpfrate von rund 70 Prozent. «Wir haben viel weniger erwartet», sagt er. Ein ähnliches Bild zeigt sich im Kanton Baselland. Dort haben sich in den letzten acht Monaten bereits 2500 Mädchen impfen lassen. «Ich staune über diese Zahlen», sagt Kantonsarzt Dominik Schorr. Bei anderen Impfungen brauche es jeweils viel länger, bis diese so breit akzeptiert werde.

Beim Bundesamt für Gesundheit ist man über diese Entwicklung erfreut: «Damit sind wir unserem Ziel schon sehr nahe», sagt Virgine Masserey, Leiterin der Impfsektion. Bis 2012 soll bei 11- bis 14-jährigen Mädchen eine Durchimpfungsrate von 80 Prozent und bei 15 bis 19 Jahren eine Rate von 50 Prozent erreichen.

«Massiv unter Druck gesetzt»

Für SVP-Nationalrat Oskar Freysinger ist der Grund für die hohe Impfrate klar: «Die Mädchen und die Eltern werden von Ärzten und der Schule massiv unter Druck gesetzt.» Er habe dies bei seiner 14-jährigen Tochter selbst erlebt. «Wir waren uns einig, dass eine Impfung nicht infrage kommt, und meine Tochter musste sich deshalb immer wieder verteidigen.» Freysinger, der im März in einer Motion die Rücknahme des Krebsimpfstoffs Gardasil beantragt hatte, hält die Impfung für ein zu grosses Risiko: «Noch gibt es keine Langzeitstudien zu Wirksamkeit und Nebenwirkungen.»

Nutzen noch nicht erwiesen

Hans Klein, Hausarzt und Allgemeinmediziner aus Bern, bestätigt diese Einschätzung: «Der Bund hat die Impfempfehlung voreilig erlassen.» Wie könne man heute schon behaupten, die Impfung schütze vor dem Gebärmutterhalskrebs, wenn man wisse, dass der Krebs zu seiner Entstehung in der Regel 15 bis 30 Jahre benötige und die Wirkung erst seit sechs Jahren geprüft werde? «Kein einziger Fall von Gebärmutterhalskrebs ist bisher nachweislich durch die Impfung verhindert worden», so Klein. Zudem habe die Schweiz mit den regelmässigen Krebsabstrichen bereits ein funktionierendes Konzept.

Beim Verdachtsfall in Grossbritannien gab es vorerst Entwarnung. Der Grund für den plötzlichen Tod sei wahrscheinlich eine Vorerkrankung und nicht die Impfung gewesen.