Biberist
Hohe Dioxinwerte verunsichern

Das Problem ist bekannt. Die Messungen laufen. Dennoch konnte die Quelle der Dioxinbelastung in Biberist bis anhin nicht ausgemacht werden. Nun hat der Gemeinderat eine Petition erhalten, die ihn auffordert, der Sache auf den Grund zu gehen.

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Biberist Dioxinwerte

Biberist Dioxinwerte

Solothurner Zeitung

Gaudenz Oetterli

«Die Einwohner des Schachen-Quartiers sind verunsichert.» Mit diesen Worten übergab Stefan Hug gestern eine Petition an Gemeindepräsident Martin Blaser. Inhalt des Papiers: der Kampf gegen die hohe Dioxinbelastung in Biberist. 113 Unterschriften kamen für das Anliegen zusammen.

Die Petition richtet sich an den Gemeinderat Biberist. Dieser soll dem Problem - zusammen mit den kantonalen Stellen - auf den Grund gehen und Massnahmen ergreifen, sobald die Quelle eruiert ist. Martin Blaser beteuerte, dass der Gemeinderat das Problem bereits ernst nehme und das Thema weiterhin genau weiterverfolgen werde.

Keine Vergleichswerte

Das Problem an der ganzen Geschichte ist jedoch, dass es für die Dioxinbelastung keine Vergleichswerte gibt. Dies bestätigte auf Anfrage Markus Chastonay vom Amt für Umwelt: «In der Schweiz existiert kein Grenzwert für Dioxin.

Ebenso werden nirgends entsprechende Messungen durchgeführt.» Weil das Amt für Umwelt somit quasi Pionierarbeit leistet, sind verlässliche Aussagen schwierig. Als Orientierung dient einzig ein Richtwert aus Deutschland.

Chastonay glaubt aber, mit den intensiveren Messungen an nun drei Standorten in Biberist (Schachen, Ost und Feuerwehrmagazin), den so genannten Hintergrundwert eruiert zu haben: «Der Wert liegt vermutlich irgendwo zwischen fünf und zehn Picogramm pro Kubikmeter. Das ist der Wert, den die neuesten Messungen beim Feuerwehrmagazin im Mai ergeben haben. Wir nehmen an, dass dies etwa der Grundwert ist für ein bewohntes Gebiet.»

Werte im Schachen nicht höher

Noch einen Monat zuvor schlug das Messgerät an gleicher Stelle wesentlich höher aus, sogar weit über dem deutschen Richtwert. «Ich vermute, dass während dieser Messperiode in der Nähe Abfall oder Plastik verbrannt wurde», sagte Chastonay. So entstünden unter anderem nämlich hohe Konzentrationen der chemischen Substanzen, die man Dioxin nennt.

Nach wie vor recht tief sind die Werte im Schachen und bei der Messstation Biberist Ost. Die neuesten Messungen hätten zwar im Schachen wieder einen leicht höheren Wert gezeigt als im April, dieser sei aber nach wie vor recht tief. Und dies, obwohl sich sowohl die Messstationen Schachen und Ost näher am Stahlwerk befänden als diejenige beim Feuerwehrmagazin.

Deshalb will Markus Chastonay den Industriebetrieb auch nicht aufs Geratewohl als Hauptschuldigen hinstellen. «Das Stahlwerk hat insgesamt hohe Emissionen. Es hat diesbezüglich aber Fortschritte gemacht. Und die Messungen stellen keinen direkten Zusammenhang des Werks mit den Dioxinwerten her.»

Keine neuen Erkenntnisse

Die Gesamtbelastung war denn aber auch ein Thema für Petitionär Stefan Hug. «Die Anwohner des Stahlwerks sind überdurchschnittlich von Emissionen betroffen. Nicht nur von Dioxin.» Die Petition fordere den Gemeinderat auf, die Situation insgesamt ernst zu nehmen.

Einen Anhaltspunkt, wer denn nun für die Dioxinemissionen verantwortlich ist, gibt es auch nach den neusten Resultaten vom Mai nicht. Im August will das Amt für Umwelt die nächste Auswertung der Messungen präsentieren.