Brigit Leuenberger

Zwei Schulsozialarbeiterinnen, die sich ein 100-Prozent-Pensum teilen, stehen in Grenchen 1700 Kindern in sechs Schulen (inklusive der Heilpädagogischen Sonderschule), elf Kindergärten und den beiden städtischen Kinderkrippen gegenüber.

Janine Brodbeck hat ihr 70-Prozent-Pensum auf Ende letztes Schuljahr gekündigt. «Ich konnte meine Arbeit, die ich sehr gerne machte, unter diesen Umständen nicht so ausführen, wie ich mir das vorstellte», begründete sie ihren Weggang.

Ihre Stelle wird erst Anfang November durch Katrin Vogler wieder besetzt. Yolanda Andreoli ist mit ihrem 30-Prozent-Pensum derzeit die einzige Ansprechpartnerin, wenn es um Anliegen im schulsozialen Bereich geht. «Die Suche gestaltete sich aufwändig. Deshalb fahren wir im Moment einen reduzierten Betrieb», erklärt Schulverwalterin Maya Karlen.

Dies sei natürlich unbefriedigend für die Lehrkräfte und für die Kinder. «Ausserdem bekommen die Schulleiter dadurch noch mehr Arbeit, da sie die erste Ansprechperson in einem Schulhaus sind», fügt die Schulverwalterin an.

Meinung der Lehrerinnen und Lehrer

Im letzten Juni hat Maya Karlen den Gemeinderäten und Gemeinderätinnen einen umfassenden Bericht über die Schulsozialarbeit in Grenchen vorgelegt. Darin werden die beiden Schulsozialarbeiterinnen als engagierte Persönlichkeiten beschrieben, die im Schulalltag einen wichtigen Bestandteil darstellen.

Um ihre Meinung gebeten hatten Lehrkräfte die Arbeit von Janine Brodbeck und Yolanda Andreoli unter die Lupe genommen. «Ich bin sehr froh über die Schulsozialarbeit. Sie entlastet mich und ist mir eine grosse Hilfe», schreibt beispielsweise eine Lehrerin.

Aus der Umfrage geht jedoch auch hervor, dass die Lehrkräfte die beiden Frauen häufig gestresst und überlastet erlebt haben. «Ich hätte noch mehr Fälle, wenn auch nicht so schwerwiegende. Allerdings weiss ich nicht, wie intensiv ich die Schulsozialarbeiterinnen beanspruchen kann», schreibt eine Lehrkraft.

Eine Schulleiterin wird noch deutlicher bei ihren Aussagen: «Ich habe das Gefühl, die beiden Frauen stehen unter einem hohen Zeitdruck. Deshalb überlege ich mir zweimal, ob ich mich an sie wenden soll.» Im Vergleich zu anderen Schulen im Kanton hat Grenchen bei weitem die höchste Anzahl Schülerinnen und Schüler auf die bewilligten Stellenprozente.

Zeitaufwändiges Pendeln

Gemäss Richtlinien des Verbandes für Schulsozialarbeiterinnen sollte eine Schulsozialarbeiterin mit einem 100-Prozent-Pensum nicht mehr als 600 Kinder zu betreuen haben. In der Uhrenstadt werden diese Richtlinien klar überschritten. Im kantonalen Vergleich steht Grenchen am Schluss der Rangliste. Vergleichbar sind die Rahmenbedingungen etwa mit jenen in Olten: Dort sind für 1700 Kinder immerhin 170 Stellenprozente bewilligt.

Im Gemeinderat war der Tenor zur Aufstockung des Pensums nicht gerade berauschend. Die Rätinnen und Räte hatten erst vor zwei Jahren das damalige 60-Prozent-Pensum, das während der Pilotphase galt, auf 100 Prozent angehoben. Dennoch ist eine erneute Aufstockung um 50 Prozent nicht vom Tisch.

«Ich werde mit dem Anliegen noch einmal in den Gemeinderat gehen», stellt Maya Karlen klar. Eine Überlegung sei, ob eine zusätzliche Schulsozialarbeiterin mit dem 50-Prozent-Pensum ausschliesslich für das neue Oberstufenzentrum zuständig sein könnte. «Im Moment müssen die Schulsozialarbeiterinnen zwischen fünf Schulhäusern pendeln. Das ist zeitaufwändig, und diese Zeit geht bei den Kindern verloren.»