Hobby auf hohem Niveau - «Panadox» mit erfolgreichem Debüt-Album

Pascal Bucher und Thomas Nagel treten in die Manege

Hobby auf hohem Niveau

Pascal Bucher und Thomas Nagel treten in die Manege

Erst haben sie mit «Manege frei» ihr erstes Album herausgebracht, schon sprechen sie vom nächsten Wurf. Die Hip-Hopper von «Panadox» machen Rapmusik ohne Klischee.

Christof Ramser

P.A.B sitzt auf der Terrasse einer Beiz am Solothurner Amthausplatz und zündet sich eine Zigarette an. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne künden den Frühling an, und P.A.B schwärmt vom zweiten «Panadox»-Album, das im Sommer rauskommen soll. «Realistisch ist eine Veröffentlichung dann wohl Ende Jahr», ergänzt Kollege DJ NailL, zündet sich eine Zigarette an und grinst. So ist die Rollenverteilung oft innerhalb der Hip-Hop-Gruppe Panadox: Rapper Pascal Bucher alias P.A.B ist der kreative Kopf voller sprudelnder Ideen, Thomas Nagel alias DJ NailL ist der ruhende Pol. Und der Dritte im Bunde? «Das ist mein Zwillingsbruder Michael alias Mickey Bounce. Der fühlt genau wie ich», sagt Bucher. «Darum hält unsere Crew ein Leben lang».

Seit über zehn Jahren sind die Lommiswiler Zwillinge dem Hip-Hop verfallen, haben in Langendorf mit Freestyle angefangen und in einem kleinen Grenchner «Rümli» an den Skills, der Rap-Technik, gefeilt. Michael Bucher hatte schliesslich die Idee zur Bandgründung, man erinnerte sich an Thomas Nagel aus Zuchwil, den Pascal von der KV-Berufsschule her kannte und von dem er wusste, dass er sich mit dem Plattenspieler auskennt.

Grosser Einsatz, auch finanziell

«Mini beschte Fründe si Stift, Block und Papier, will i so ohni Sorge cha si», heisst es im Titeltrack des Debütalbums «Manege frei». Rap gebe ihm Seelenfrieden, sagt Bucher, er könne dadurch Eindrücke verarbeiten, auf soziale Missstände aufmerksam machen – oder einfach nur Frust ablassen. Das sei mit ein Grund, warum er von der Hip-Hop-Kultur begeistert sei. Die Fusion aus Graffiti, Breakdance, DJing und Sprechgesang übt eine tiefe Faszination auf die Bucher-Zwillinge und Thomas Nagel aus. Darum haben sie sich zur Formation Panadox zusammengeschlossen. Und sie sind überzeugt von dem, was sie zusammen erschaffen – haben sie doch letztes Jahr das Album «Manege frei» herausgebracht, in Eigenregie. Und dafür tief in die Tasche gelangt. Einen fünfstelligen Betrag, «und zwar keinen kleinen» (Pascal Bucher), wendeten sie auf, um Studioaufnahme und Mastering zu finanzieren, die CDs zu pressen, Grafik und Werbung zu bezahlen. Allein für die Anmeldung eines Tonträgers verlangt die Urheberrechtsgesellschaft Suisa 2000 Franken. Viel Geld also, vor allem wenn man wie die «Panadox»-Jungs keine Plattenfirma im Rücken hat. Finanziell scheint die Rechnung jedoch aufzugehen, zumindest teilweise. Über 600 der 1000 produzierten CDs sind bereits verkauft. Und die Einnahmen fliessen nicht einer Plattenfirma, sondern grösstenteils den Künstlern zu. «Man muss bereit sein, etwas zu opfern», sagt Bucher. Denn auch wenn die gesamte Produktion verkauft wird, lege man wohl noch drauf. Einzig den Vertrieb übernimmt die Online-Plattform www.hiphopstore.ch. Dort, sowie auf exlibris.ch und cede.ch, kann das Album gekauft werden.

Im Studio mit US-Rapgrössen

Trotzdem, man sei nicht abgeneigt, in Zukunft bei einem Label unterzukommen. Bereits das nächste Album nehmen sie zusammen mit dem erfolgreichen Berner Beat-Produzenten SAD auf, und im Gegensatz zum Debüt solle es facettenreicher und kommerzieller ausfallen. Die Beats auf «Manege frei» wurden von Vichy Ratey und Dave Scott aus Deutschland produziert. «Ganz unromantisch», sagt Bucher, habe man angefragt und die Beats dann zugeschickt bekommen. Anders die Zusammenarbeit mit den Rapgrössen Afu-Ra aus New York und J-Ro von den «Liks» aus Los Angeles, die auf dem Album vertreten sind. Sie waren bei den Studioaufnahmen mit dabei.

Bekannte Featurings seien nützlich, um als Newcomer auf sich aufmerksam zu machen, sagt Nagel. Das sei beim nächsten Album aber nicht mehr nötig. Zwar ist der Druck grösser, aber so biete sich auch die Chance, die Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Bereits heute Abend haben «Panadox» im Solothurner «Kulturm» Gelegenheit dazu. Am Konzert von Greis und Manillio ist ein Kurzauftritt vorgesehen. Ende März findet im Berner Bierhübeli dann die Vorausscheidung für einen Auftritt auf der Waldbühne des Gurtenfestivals statt.

Zurück auf der Terrasse am Amthausplatz. Die Sonne ist untergegangen, vor der Beiz wirds kalt, und P.A.B zündet sich noch eine Zigarette an. «Ich überlege jeden Tag, wie wir vorwärtskommen und uns weiterentwickeln können», sagt er. Das Feuer für die Hip-Hop-Kultur brenne noch lange weiter. «Und trotzdem», ergänzt Kollege DJ NAilL, «das Ganze wird für uns wohl ein Hobby bleiben.»

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