Hirsche
Hirschen eine Brücke bauen

Im Oberaargauer Längwald leben Hirsche. Nicht ganz freiwillig, denn wegen der Autobahn können sie nicht weiterziehen. Eine Petition fordert nun Kantone und Bund auf, eine Wildtierbrücke zu bauen.

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Hirsch

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Solothurner Zeitung

Irmgard Bayard

«Das Rothirschkonzept des Kantons Bern ist beispielhaft. Nur sollte es umgesetzt werden», sagt Mario Fracheboud. Der Buchser hat zusammen mit David Gerke aus dem solothurnischen Zuchwil die Petition «Hirsche im Oberaargau» lanciert.

Gemäss einem 2006 verabschiedeten Konzept toleriert der Kanton Bern, dass sich die Hirsche kantonsweit ausbreiten. In den letzten drei Jahren sind die Hirsche denn auch im Längwald, zwischen Autobahn und Aare, aufgetaucht (wir berichteten). Zwischen 20 und 25 Tiere seien es, sagt Fracheboud, die voraussichtlich in den Jura weiterziehen würden - wenn sie könnten. «Die Autobahn ist für die Hirsche eine unüberwindbare Barriere», sagt David Gerke.

«Die Lösung wäre ein gutes, kantonsübergreifendes Hirschmanagement», glaubt Fracheboud, wie es etwa der Kanton Graubünden kenne. Dies beinhalte unter anderem eine flächendeckende Zulassung der Rot-hirsche ohne räumliche Einschränkung, die Stabilisierung der Bestände und eine Vernetzung mit künstlichen Bauwerken. «Aber nicht Millionen teure Brücken, sondern vorgefertigte Standardkonstruktionen», so Fracheboud, «die sich architektonisch und funktional in jedes Landschaftsbild kostengünstig und vor allem wiederkehrend einbauen liessen.» Als Beispiel nennt er Italien, das innerhalb von acht Monaten auf der sechsspurigen Autobahn zwischen Mailand und Venedig alle Brücken neu erstellt beziehungsweise vorgefertigt eingebaut habe.

Kantonsübergreifend

Die breit abgestützte Petition fordert die Regierungen der Kantone Bern, Solothurn, Aargau und Jura sowie das Bundesamt für Umwelt und das Astra (Bundesamt für Strassen) auf, die Wildbrücken für die Bewegungsachsen von nationaler Bedeutung baldmöglichst zu erstellen. Priorität habe für die Rothirsche im Längwald die Wildtierbrücke S-09 zwischen Nieder- und Oberbuchsiten. Das gleiche Anliegen hat Jean-Pierre Rérat (FDP) am 2. Juni als Motion im Grossen Rat eingereicht.

Bis die Brücke gebaut ist, sollen temporäre Massnahmen ergriffen werden. Damit ist nicht das Abschiessen gemeint, wie es bereits von einigen Jägern gefordert wird, sondern das Einfangen eines Teils der Hirsche und deren Übersiedlung in den Raum Oberbipp.

In diesen Tagen wird die Petition eingereicht. Wie geht es weiter? «Wir warten jetzt vorerst ab, was passiert», sagt Fracheboud. «Je nach Antwort werden wir uns weitere Aktionen überlegen.» Zum Beispiel in der solothurnischen Region Thal. Denn eines wissen die beiden Pro Natura-Mitglieder: Über die Rothirsche und ihre Situation ist noch sehr wenig bekannt. «Aufklärungsarbeit ist nötig. Wir werden uns auf jeden Fall weiter einsetzen.»

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