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Hilfe im Fächer-Dschungel

Qual der Wahl: Über 100 Fächer können an der Uni belegt werden; 24 Bachelor- und 40 Master-Studiengänge kennt die ETH. abr.

ETH

Qual der Wahl: Über 100 Fächer können an der Uni belegt werden; 24 Bachelor- und 40 Master-Studiengänge kennt die ETH. abr.

Was sollen sie studieren? 6000 Schülerinnen und Schüler aus der ganzen Schweiz, die in einem Jahr die Matur ablegen, schnuppern an den beiden Informationstagen von Universität und ETH Hochschulluft – ein Rekord.

Alfred Borter

Eigentlich sind noch Semesterferien, und doch erleben Universität und ETH Zürich gegenwärtig eine kleine Invasion durch Maturandinnen und Maturanden aus der ganzen Schweiz. Sie ergreifen die
Gelegenheit beim Schopf, sich über das Angebot an den beiden Hochschulen ins Bild zu setzen. Es ist riesig: über 100 Fächer sind es an der Universität, die ETH kennt 24 Bachelor- und 40 Master-Studiengänge. Sylvia Läng, Event Managerin an der Universität Zürich, und Roman Klingler, Medienbeauftragter an der ETH, freuen sich: Noch nie haben sich so viele Maturandinnen und Maturanden für die Studieninformationstage angemeldet, 6000 für die beiden Hochschulen sind ein neuer Rekord. 5300 haben sich bei der Universität, 3800 bei der ETH angemeldet, was heisst, dass sich viele Schulen entschlossen haben, mit ihren Absolventen gleich beiden Hochschulen einen Besuch abzustatten.

Eigenverantwortung wichtig

An der Universität herrscht bei der Einführungslektion von Otfried Jarren, als Prorektor für die Lehre verantwortlich, Grossandrang: Die Aula ist hoffnungslos überfüllt. Er macht seine jungen Zuhörerinnen und Zuhörer gleich darauf aufmerksam, dass Massenveranstaltungen leider zum universitären Alltag gehören. Er gibt den Maturanden auch zu verstehen, dass sie sich - anders als noch ihre Eltern - im Zug der Bologna-Reform um Credits kümmern müssen, also um Punkte, die ihnen dann den Bachelor- oder den Master-Abschluss erlauben.

Eigenaktivität und Eigenverantwortung beim Lernen seien künftig viel wichtiger, betont er, und er ruft die künftigen Hochschulabsolventen dazu auf, sich auf eine völlig neue Lernsituation einzustellen. Hier sei das Diskutieren und Argumentieren von ausschlaggebender Bedeutung. Und man soll sich nicht scheuen, sich der kritischen Auseinandersetzung zu stellen. «Erkenntnisfortschritt beruht nicht auf Affirmation, sondern auf Kritik», lautet seine Erkenntnis.

Und dann schwärmen die Maturanden aus. Einige wissen schon ganz genau, was sie studieren wollen, andere haben noch kaum eine Ahnung. Ihnen kann geholfen werden. Sie haben die Wahl von A wie Allgemeine Sprachwissenschaft bis Z wie Zahnkunde, und bei jedem Stand sind Assistenten, Studierende oder auch Professoren bereit, Auskunft zu geben. Bei der Mittelalterarchäologie gibt sogar ein in ein entsprechendes Kostüm gewandeter Knappe Auskunft. Bei der Romanistik wird man mit dem Spruch geködert, dieses Fach gelte als Tor zur Welt, denn fast eine Milliarde Menschen sprechen eine der romanischen Sprachen.

Angst vor Computerlinguistik

Bei der Computerlinguistik hat ein Student seine liebe Mühe, die an ihm vorbeieilenden Mädchen zu einem kurzen Halt anzuregen, doch wie sie Computerlinguistik und Sprachtechnologie hören, suchen sie rasch das Weite. «Da bekommt man ja schon von diesen Begriffen Angst», lacht eine der jungen Frauen. «Und dabei wäre dieses Gebiet so vielfältig», meint der Student bedauernd.

Die Betreuerinnen der Stände für Islamwissenschaft und für Indologie haben nicht viele Fragen zu beantworten, dasselbe gilt für Indogermanistik. «Wir haben pro Jahr nur etwa fünf neue Studierende», erklärt die Standbetreuerin. Aber das habe auch Vorteile: «Wir sind wie eine Familie.»

Bei der Zahnmedizin bleiben etliche Interessentinnen und Interessenten stehen. Sie erhalten nicht nur Informationen und für die Zähne gesunde Äpfel, sondern können sich später auch gleich selber aktiv an einer Puppe versuchen und in einem künstlichen Zahn Löcher bohren respektive eine Füllung applizieren.

Und wer auch nach diesen Informationstagen noch nicht weiss, was er studieren will, hat ja noch Zeit. Für die meisten erfolgt der Übertritt an die Hochschule erst in einem Jahr.

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