Roman Huber

Von der Aussichtsplattform auf der Ruine Stein hat man den besten Blick auf Badens Altstadt, genauer: auf die obere Altstadt. Und so verhält es sich in der Realität: Den Weg in die untere Altstadt, den muss man erst finden und dann noch gehen. Doch es herrscht Leben in der ganzen Altstadt: Stadtwohnungen bleiben nur kurze Zeit unbewohnt. Einzig: Ladenlokale haben es in der unteren Altstadt bedeutend schwerer als in der oberen.

Eine gepflegte Altstadt

Die Dachlandschaft präsentiert sich in vorzüglichem Zustand: Allerdings wird bei genauem Hinsehen augenfällig, dass betreffend Gestaltung (Biberschwanzziegel) in den vergangenen Jahrzehnten auch gesündigt wurde. Bei gewissen Dachaufbauten (Lukarnen, Aufbauten) muss man doch das eine oder andere Fragezeichen setzen. Es muss ein Anliegen der Baubehörde (-polizei) sein, achtsamer zu werden.

Im Zuge der vergangenen Jahre sind in der Altstadt zahlreiche Häuser erfolgreich restauriert worden. Gerade in der Oberen Gasse, die vom Publikumsverkehr eher wenig berührt ist, legte man verschiedenenorts mit Sorgfalt Hand an. Gerade in der heutigen Zeit sind die Auflagen bei Renovationen sehr hoch, sodass sich Hausbesitzer die Frage stellen müssen, ob sie eine kostspielige Sanierung überhaupt verkraften können.

Auch Wohnen wird teurer

Es ist fast unvermeidbar, dass Sanierungskosten auf die Mieter abgewälzt werden müssen. Bei einigen Häusern in der oberen Altstadt hat dies dazu geführt, dass die Wohnungspreise sprunghaft gestiegen sind. Dennoch finden sich noch zahlreiche bezahlbare Wohnungen; wobei deren Zahl stetig abnimmt. Gerade in der unteren Altstadt ist es wichtig, dass es auch noch Familienwohnungen gibt, denn eine gute Durchmischung der Altstadtbewohnerschaft ist wichtig, wenn die Altstadt ganztags lebendig bleiben soll.

In der Mittleren, der Weiten Gasse und der Rathausgasse sowie an der oberen und unteren Halde sind Verkaufsgeschäfte, Dienstleistungs- oder in kleinerer Anzahl auch Gewerbebetriebe einquartiert. Alle Gewerbebetriebe in der Altstadt sind darauf angewiesen, dass sie nicht nur Zielpublikum, sondern auch Passanten haben. In der Mittleren und der Weiten Gasse bekundet man damit weniger Probleme. Über lange Zeit standen aber auch hier die Geschäfte ganz im Schatten der Einkaufsmeile an der Badstrasse. Mit der gestalterischen Aufwertung der Innenstadt wurde ein wichtiger Schritt nach vorne gemacht.

Weite Gasse kommt bald dran

Doch nach wie vor harrt die Neugestaltung der Weiten Gasse ihrer Realisierung. Stadtammann Stephan Attiger fragt sich heute ernsthaft, ob es richtig war, die Umgestaltung der Weiten Gasse zurückzustellen. Mit der Werkleitungssanierung beim Stadtturm musste man ohnehin die ganze Strasse aufreissen. Dazu Attiger: «Ich ärgere mich heute, dass wir diese Gelegenheit nicht ergriffen haben.»

Für den Stadtammann ist klar, dass man sich der Weiten Gasse bei der nächstbesten Gelegenheit annehmen wird. Allerdings hat sich mit der Neugestaltung des Schulhausplatzes ein neuer Aspekt hinzugestellt. «Mein persönliches Ziel ist es, die Weite Gasse vorzuziehen, sobald das Projekt Schulhausplatz steht», sagt Attiger.

Promenadenlift brachte wenig

Die Probleme der unteren Altstadt hat Stephan Attiger erkannt: «Leider hat der Promenadenlift die erwünschten Frequenzen nicht bis in die untere Altstadt gebracht.» Es gibt Geschäftsinhaber der unteren Altstadt, die seit Inbetriebnahme der neuen Verbindung vom Bahnhof nach Ennetbaden sogar von Einbussen sprechen.

«Wir haben seitens der Stadt schon einiges für die untere Altstadt unternommen», erklärt Attiger und spricht vor allem die Neugestaltung der oberen und der unteren Halde an. Ebenso habe man den Pilotversuch der neuen Weihnachtsbeleuchtung gezielt in der Kronengasse durchgeführt. Was die Ladengeschäfte in der unteren Altstadt betreffe, sieht Attiger vor allem die Ladenvereinigung City Com Baden in der Pflicht.

Angesichts vorhandener etablierter Geschäfte sieht der Stadtammann durchaus Entwicklungspotenzial für die untere Altstadt. Die Stadt sei bereit, ihren Beitrag zu leisten, wenn kreative Ideen vorhanden sind und ein gemeinsamer Wille da ist, diese auch umzusetzen. Darum ist die City Com zweifellos gefordert, diese Entwicklung in Gang zu setzen.