Aetigkofen
«Hier redet man miteinander»

30 Jahre lang engagierte sich Niklaus Isch in Aetigkofen, 12 Jahre lang im Gemeinderat. Mehr als einmal sei es in einer Diskussion laut geworden. Aber der Umgangston war immer anständig – bis jetzt. «Seit meinem Rücktritt als Gemeindepräsident werde ich schikaniert», sagt Isch.

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Baubewilligung

Baubewilligung

Solothurner Zeitung

Rahel Meier

180 Einwohnerinnen und Einwohner hat Aetigkofen. Zwar wurde in den letzten Jahren auch gebaut, aber noch ist die Mehrheit der Bevölkerung «einheimisch». Man kennt sich, ist oft auch miteinander verwandt (siehe Kasten). Gerade darum versteht Niklaus Isch die Welt nicht mehr. Denn letzte Woche hat er einen Brief von der Baukommission erhalten.

In diesem wird er «aufgrund von Reklamationen» ultimativ dazu aufgefordert, «falls vorhanden, ein bestehendes oder sonst ein neues Baugesuch einzureichen für einen Unterstand mit Flachdach und Wetterschutz zwischen Wohnhaus und Werkstatt.» Für dieses Bauobjekt hat Niklaus Isch seit zwei Jahren eine unterschriebene und abgestempelte Baubewilligung. Eine Baukontrolle war angemeldet, sei laut Niklaus Isch aber versäumt worden. «Man hätte mich ja fragen und die Sache im Gespräch klären können.»

Retourkutsche nach Rücktritt

Für ihn ist klar, dass der Brief der Baukommission eine Retourkutsche ist, weil er von seinem Amt als Gemeindepräsident zurückgetreten ist. Die Baukommission verlangt nämlich zusätzlich auch ein Baugesuch für einen Container, der seit dem Frühling auf dem Vorplatz seines Baugeschäftes steht. Bis jetzt habe der Container niemanden gestört und jetzt plötzlich gab es Reklamationen, wundert sich Isch. «Dieses Baugesuch werde ich einreichen.» Das Aufstellen des Containers war für ihn eine dringende Notlösung. Sein Baugeschäft laufe gut und er war wegen seines zweiten Standbeines, das Betonfräsen und -bohren, platzmässig am Anschlag. «Die teuren Gerätschaften müssen in einem geschlossenen Raum lagern.»

Isch war sich bewusst, dass ein Baugesuch nötig wäre, wie er freimütig zugibt. «Aber bei uns im Dorf stehen noch ganz andere Sachen herum, für die es kein Gesuch und keine Bewilligung gibt. Das muss jetzt einfach einmal gesagt sein.» Und genau das werde er der Baukommission und dem Gemeinderat in einem Brief mitteilen. «Interessante Details zu verschiedenen Projekten», verspricht er im Gespräch mit dieser Zeitung. Er könne dabei auch auf Rückhalt im Dorf zählen. Nicht alle hätten die Vorfälle der letzten Tage und Wochen goutiert.

«Dieser Tonfall passt nicht»

Zu seinem plötzlichen Rücktritt möchte sich Niklaus Isch eigentlich nicht mehr äussern. Nur so viel: Es war der harsche Tonfall an der ersten Sitzung des neu gewählten Gemeinderates, der ihm nicht gefallen hat. «Kritik ist in Ordnung von Leuten, die schon etwas geleistet haben. Aber nicht von einem Neuling und mit einer solchen Arroganz. Das geht für mich nicht.» 12 Jahre war Niklaus Isch im Gemeinderat. In diese Zeit habe es manche laute Diskussion gegeben und nicht immer waren alle einer Meinung. «Aber der Ton war immer fair. Wir haben Sachpolitik betrieben.»

Verwandschaftliche Beziehungen

Niklaus Isch war bis vor zwei Wochen Gemeindepräsident in Aetigkofen. Er führt ein Baugeschäft. Werner Isch ist Präsident der Baukommission, betreibt den Eventteil seines ehemaligen Bauernbetriebes und ist ein Cousin von Niklaus. Bernhard Wyss-Isch ist Gemeinderat, Schwiegersohn von Werner Isch und hat dessen Landwirtschaftsbetrieb übernommen. Christoph Isch ist neu als Gemeinderat gewählt und ein Sohn von Werner Isch. Renate Emch, die sich als neue Gemeindepräsidentin zur Verfügung stellt, ist die Schwester von Bernhard Wyss-Isch. (rm)

Blick in die Zukunft

Bekannt ist auch, dass Niklaus Isch als Gemeindepräsident mehrmals versuchte einen auswärtigen Berater für die Baukommission beizuziehen. Zudem forderte er den Baukommissionspräsidenten dazu auf, sein Amt niederzulegen. «Ich hatte das Gefühl, dass er zu viele verschiedene Projekte laufen hat und es Interessenskonflikte gibt» Gleichzeitig kämpfte Niklaus Isch aber überzeugt für die Zonenplanrevision West. Diese wurde erst gerade vom Regierungsrat genehmigt und ermöglicht es der Familie Wyss-Isch, ihren Landwirtschaftsbetrieb in den Chreibenacker auszusiedeln. Zusätzlich werden die Liegenschaften im Dorf in die Erhaltungszone umgezont.

Für Niklaus Isch ist klar, dass die Gemeinde nur eine Zukunft hat, «wenn zwei Personen sofort ihr Amt abtreten». Laut Isch, der keine Namen nennen will, könne es nicht sein, dass «eine Interessengemeinschaft das Dorf regieren» könne. «Die Bevölkerung muss erwachen und helfen am Karren zu ziehen.»

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