Frauen
Hier haben die Frauen das Sagen

Eine Frauenmehrheit in der Regierung: Was im Bundesrat neu wäre, ist im Gemeinderat Staffelbach seit Anfang Jahr der Fall. Drei von fünf Gemeinderäte sind Frauen. Seither wird an Sitzungen länger diskutiert.

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Frauennmehrheit

Frauennmehrheit

Maja Sommerhalder

Kann eine Frauenmehrheit im Bundesrat unser Land regieren? Diese Frage sorgt momentan für rote Köpfe. So oder so: Auf lokaler Ebene funktioniert es, zumindest im idyllischen 1045-Seelen-Dorf Staffelbach. Eigentlich ist die Gemeinde im Suhrental nicht unbedingt für ihre fortschrittliche Frauenpolitik bekannt. Es wird eher konservativ gewählt, und die SVP ist die einzige offizielle Partei im Dorf.

Gegenpol dazu ist nur die Vereinigung «Einwohnerring», die angibt, politisch neutral zu sein. Und doch ist sie eine von wenigen Gemeinden, die von einer Frauenmehrheit regiert wird. Seit dem ersten Januar sind drei von fünf Gemeinderäten weiblich. Sogar das Amt des Ammanns und des Vizeammanns ist in Frauenhand.

Über Frauenquote nachgedacht

«Wir haben uns nie Gedanken über eine Frauenquote gemacht. Das war eine pragmatische Entscheidung», sagt Frau Ammann Petra Schär-Bucher und erklärt nüchtern: «Wir mussten die Vakanzen mit qualifizierten Personen besetzen, die sich zur Verfügung stellten.» Schliesslich würden die Dorfbewohner für dieses Amt nicht gerade Schlange stehen.

An diesem heissen Nachmittag sitzen sie und ihre Kolleginnen Heidi Walther-Schüpbach und Karin Hürzeler um den grossen Sitzungstisch im Gemeindehaus. Einziger Mann in der Runde ist Rudolf Müller-Affolter; Reinhard Schaffner ist in den Ferien. Die Stimmung ist gut, keine Spur von Zickenterror. «Die Zusammenarbeit ist gut angelaufen. Aber ich kenne das auch nicht anders», sagt Heidi Walther-Schüpbach, die erst seit dem Januar im Gemeinderat ist. Ihre Kolleginnen nicken zustimmend.

«Männer sind lösungsorientierter»

«Die Diskussionen dauern aber länger», sagt der langjährige Gemeinderat Rudolf Müller-Affolter bestimmt, und Frau Vizeammann Hürzeler kontert sofort: «Das hat auch damit zu tun, dass wir neu sind.» Doch der Hahn im Korb bleibt standhaft: «Männer sind tendenziell etwas lösungsorientierter; Frauen schauen eher nach links und rechts.» Das sei nicht schlecht, «aber dauert halt».

Letztlich fände man auch so eine Lösung, die gut fürs Dorf sei. Müller findet, drei Frauen im Gemeinderat genug, gleicher Meinung ist er in Sachen Frauenmehrheit im Bundesrat: «Fünf Bundesrätinnen sind das absolute Maximum. Allerdings braucht es dann zwei starke Männer, die Gegensteuer geben können.» Gegensteuer geben in seinem Fall seine Ratskolleginnen. «Eine gute Durchmischung ist wichtig. Allerdings sollten die Fachkompetenzen im Bundesrat entscheidend sein», so Walther-Schüpbach: «Zurzeit geht es nur um die persönliche Profilierung: Schade für unser Land.»

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