Dieter Minder

Angefangen hat alles schon viel früher, mit dem 1922 gegründeten Lesezirkel. 1948 wurde dieser zur Volksbücherei umgewandelt. 1948 von der Gemeinde übernommen, wurde sie 1949 im Schulhaus Altenburg eingerichtet. Sie war während zwei Stunden pro Woche geöffnet. Mit 6000 Büchern zügelte die Bibliothek 1961 ins Rathaus. 1989 erhielt die Gemeindebibliothek ein eigenes Haus, kein neues, sondern das ehemalige Feuerwehrlokal.

In der neuen Bibliothek an der Mattenstrasse erinnert gar nichts mehr an die Feuerwehr. Für 2,2 Millionen Franken realisierte die Gemeinde das Projekt der Wettinger Architekten Fugazza und Steinmann. Entstanden ist ein auch nach 20 Jahren noch modernes Haus, dessen Räume lichtdurchflutet sind. Dort bedienen Leiterin Marie-Madeleine Stöckli und ihre sechs Mitarbeiterinnen die Kunden. Über 6180 Benutzerinnen und Benutzer sind im vergangenen Jahr insgesamt 71 409 mal in ihrer Bibliothek gewesen. Sie haben 137 262 mal ein Medium ausgeliehen. «2008 haben wir, im Vergleich mit 2007, 5% mehr Medien ausgeliehen», sagt Bibliotheksleiterin Stöckli.

Auf zwei Etagen stehen die rund 33 000 Medien sauber aufgereiht in den Gestellen. Fehlt einmal eines oder sucht ein Kunde ein Buch, das er nicht findet, können die Mitarbeiterinnen den Online-Katalog zu Rate ziehen. Mit diesem lassen sich auch Medien reservieren oder bestellen. So ist das Angebot, dank elektronsicher Vernetzung, nahezu unbeschränkt gross.

Immer mehr Elektronik

Längst bietet die Gemeindebibliothek nicht mehr nur Bücher oder Zeitschriften (30) oder Zeitungen (7) zum Lesen. Rund 20% der Medien sind sogenannte Nonbooks, also Höhrbücher auf Kassetten und CD, Compact Discs, DVD-Roms oder DVDs. Und sie finden sehr grossen Zuspruch. Obwohl sie nur einen Fünftel des Angebotes ausmachen, entfällt ein Drittel der Ausleihungen auf sie. «Die DVD sind sehr beliebt», sagt Stöckli. Eher weniger gefragt sind CD, dafür werden E-Books langsam zum Thema.

«Wir gehen zu den Leuten»

Die Bibliothekarinnen beschränken ihre Arbeit nicht nur auf die Ausleihe von Medien. Mit verschiedenen Anlässen werden die Leute ans Lesen, Höhren und Schauen herangeführt. Regelmässige Lesungen finden in der Bibliothek statt. Im Dezember präsentierten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Textstatt Aargau 2008 ihre Werke. Wettingen war Patronatsgemeinde des Forbildungsseminars im Müllerhaus Lenzburg gewesen.

An der Comexpo, der Gewerbeausstellung der Unternehmer von Baden und Wettingen im Tägi, präsentierte die Bibliothek eine bunte Auswahl an Bilderbüchern sowie Kinder- und Jugendmedien. Währen der Sommerferien betreibt die Bibliothek im Tägi-Gartenbad eine Aussenstelle. «Wir gehen zu den Leuten», sagt Stöckli. Regelmässig werden Schulklassen in die Nutzung der Bibliothek eingeweiht. Im Rahmen des Kurses «Deutsch für fremdsprachige Mütter» wurden die Frauen durch die Räume geführt.

Unterstützung aus Würenlos

Wettingen finanziert die Gemeindebibliothek jährlich mit rund 630 000 Franken, die Gemeinde Würenlos steuert 5750 Franken bei. Mit Jahresgebühren, Mahngebühren (auch das ist manchmal nötig), dem antiquarischen Bücherverkauf erwirtschaftet die Bibliothek rund 60 000 Franken dazu. Im vergangenen Jahr wurde das WOV-Projekt für die Bibliothek beendet. Obwohl dem Projekt attestiert wird, dass es einen wertvollen Prozess in Gang gesetzt und wichtige Grundlagen geliefert hat, wurde es aufgegeben. Gescheitert ist es im Einwohnerrat, dessen Mitglieder sich nicht mit einem Globalbudget anfreunden wollten. Zu gross ist der Wille, auch in Details mitreden zu können.