Inferno
Hier brennt nur noch die Sonne

Gut zwei Monate nach dem Grossbrand am Türlersee ist das Leben auf dem Campingplatz wieder wie früher – fast.

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Türlersee
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Vorher Das Feuer hinterliess verbrannte Wohnwagen und vergiftetes Erdreich.
Nachher Die Brandmale sind abgetragen, letzte Woche wurde ausgesät.

Türlersee

Martin Reichlin

Ein «Riesenchrampf» sei sie gewesen, die Aufräumarbeit nach dem Grossbrand von Ende Mai, sagt Köbi Huber, Pächter des Campingplatzes am Türlersee. Soeben hat er einen Rundgang über das Gelände abgeschlossen, hat nach dem Rechten gesehen, Wege gesperrt und einem kleinen Trupp von Rasensprengern vorübergehend das Wasser abgedreht. Nun sitzt Huber, in T-Shirt und kurzer Hose, neben seiner Gattin am Personaltisch des Campingplatz-Restaurants und wird gleich sein verdientes Mittagessen geniessen. Wurst-Käse-Salat steht auf dem Speiseplan.

«Erst letzten Freitag haben wir auf dem Brandplatz endlich wieder Rasen aussäen können», fährt der Pächter fort und deutet mit der Hand in Richtung der zirka 2000 Quadratmeter grossen Fläche zwischen Restaurant und Campingplatz-Zufahrt. «Genau zwei Monate nach dem Feuer.» Erst im kommenden Frühling, bei Beginn der Saison 2010, können wieder Wohnwagen auf der Fläche abgestellt werden.

100 Feuerwehrmänner im Einsatz

In einem Inferno und begleitet vom gewaltigen Krachen Dutzender explodierender Flüssiggasflaschen hatten sich Ende Mai auf Hubers Campingplatz zwei Reihen Wohnwagen in Rauch aufgelöst. Übrig blieben in der Hitze glühender Schrott und blubbernde schwarze Schlacke, Reste der aus Metall und Kunststoff in Leichtbauweise gefertigten Campingmobile. Das Löschwasser, von 100 herbeigeeilten Feuerwehrmännern reichlich in die Flammen gespritzt, wusch das Plastikgift in den Boden und machte aus dem Erdreich Sondermüll. Bagger mussten die vergiftete Erde später 50 Zentimeter tief abtragen und auf Vierachs-Kipper verladen, die den Dreck zwecks Aufbereitung zu einer Spezialfirma transportierten. Insgesamt 1000 Kubikmeter, etwa 100 Lastwagenfuhren.

Tempi passati, vergangene Zeiten, seien die Ereignisse vom Frühling, meint Ueli, angesprochen auf den Grossbrand. «Über den 25. 5., den Unglückstag, wird eigentlich kaum mehr geredet», sagt der braungebrannte Dauercamper und seine Nachbarn signalisieren Zustimmung, «höchstens über seine Folgen.» Gemütlich sitzen sie zusammen, zu sechst im Schatten der Markise beim Wohnwagen von Lilo und Hans, und trinken ein Gläschen oder zwei. Es ist Mittag, die Sonne steht endlich einmal anständig sommerlich am Himmel und der gut gekühlte Weisse passt wunderbar zur Aussicht auf das grüne Naturschutzgebiet und den funkelnden Türlersee.

Eine Folge des Brandes sei, übernimmt Lilo das Wort, eine Gefühl der Verlorenheit, das sich bei einem Teil der Campinggemeinschaft eingestellt habe. «Das Feuer hat nicht nur die Habe vieler Leuten zerstört, sondern auch eine Gemeinschaft, die über lange Jahre gewachsen war», erklärt die Gastgeberin. Nun fühlten sich nicht nur jene desorientiert, die ihr Wochenend- und Feriendomizil verloren - selbst wenn sie auf dem Campingplatz einen neuen Platz an anderer Stelle gefunden haben. Den vom Brand Verschonten wiederum fehlten nun die vertrauten und geschätzten Nachbarn, mit denen sie lange Zeit Tür an Tür oder Zeltwand an Zeltwand die freien Tage verbracht hatten.

Sicherheitsvorschriften verschärft

Eine weitere Konsequenz aus dem Grossbrand sind schliesslich auch die verschärften Sicherheitsvorschriften auf dem Campingplatz. «Gas, das hier viele zum Kochen und für den Betrieb der Kühlschränke verwenden, darf nur noch in Kunststoffflaschen mitgebracht werden», erklärt Köbi Huber. Die würden bei einem Feuer schmelzen und verbrennen statt zu explodieren. «Weiter haben wir die Intervalle für die Kontrolle der Gasanlagen auf drei Jahre gesenkt und wir machen jedes Jahr eine Sichtkontrolle.» Damit werde den Campern vielleicht etwas Eigenverantwortung genommen - aber auch sichergestellt, dass am Türlersee in Zukunft nur noch die Sonne brennt.

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