«Hey Bunny, bliib flauschig!»

In der Kofmehl-Raumbar zeigten Roland Heim und Reto Stampfli am Sonntag, dass Lehrer durchaus den Klassenclown spielen können und boten exzellente Chansons und Comedy made in Solothurn.

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Christoph Neuenschwander

Unweigerlich drängt sich dem schmunzelnden Zuschauer die Frage auf, womit Kai Schmid wohl bestochen wurde, dass er so huldigend von den Herren spricht, die das Publikum unterhalten werden – denn beide sind Lehrer des Kanti-Schülers. Coole Lehrer, muss man eingestehen.

Obwohl, man sagt ja nicht mehr «cool», sondern «geschmeidig». Aber alles der Reihe nach. Kai ist wie gesagt Schüler. Sein Lehrer für Wirtschaft und Recht heisst Roland Heim und betätigt sich nebenbei als Kantonsrat, Fussballer und Chansonnier. Reto Stampfli hingegen ist Kais Deutschlehrer, Rugby-Spieler, Theologe, Autor und Kolumnist.

Nach Kai treten Heim und Stampfli auf die Bühne, geben Lieder beziehungsweise Erzählungen zum Besten und beweisen, wie viel Charme und Humor in Lehrern steckt: Sie lassen kein Auge trocken. Nachdem sich das zahlreich erschienene Publikum ob Heims Chansons über Bratwurstwettessen und Schwarzfahrer warm gelacht hat, stellt der Sängerling eine seiner neusten Kompositionen vor.

Im «Protokollstil», also Hochdeutsch und Schweizerdeutsch gemischt, rappt er über die Kantonsratssitzung. Er erklärt aber auch, dass die Solothurner Delegierten im Bundeshaus nur deshalb so viel «Seich» von sich geben, weil es in den RBS-Zügen nach Bern keine Toiletten gibt.

Beachtenswert ist dabei: Während viele Schweizer Komiker, die sich im Rappen üben, oft eher Fremdscham als Gelächter auslösen, meistert Heim den Genrewechsel souverän und erntet verdient tosenden Applaus.

Alles gar nicht wahr

Ebenso erfolgreich ist die anschliessende Ballade über den heldenhaften Solothurner Schultheiss Niklaus von Wengi, der im 16. Jahrhundert einen Religionskrieg in der Stadt verhinderte, indem er sich vor eine Kanone stellte.

Darin räumt Heim mit Fehlüberlieferungen auf und erklärt, dass Wengi nur überlebte, weil sein Angstschweiss die Lunte der Kanone tränkte – und ein Hauswart die Schützen vor der «riesen Moorerei» warnte, die ein Schuss auf den Schultheiss verursachen würde.

Reto Stampflis Programm beginnt mit einer Sammlung allseits bekannter, aber immer wieder unterhaltsamer Fussballersprüche, wie etwa Berti Vogts «Die Breite an der Spitze ist dichter geworden.»

Der Deutschlehrer bleibt beim Thema Sprache und stellt dem Publikum Entwicklungen im Jugendjargon vor. So lernt man zum Beispiel, dass Nordic Walking auch unter dem wenig schmeichelhaften Namen «Schnecken Stechen» bekannt, und «cool» inzwischen «geschmeidig» ist.

Publikum ist gefordert

Seine Fertigkeiten im Umgang mit modernem Vokabular stellt Stampfli endgültig unter Beweis, als er eine Passage aus Goethes «Die Leiden des jungen Werthers» in die Jugendsprache übersetzt. Da spricht der tragische Held seine Geliebte etwa ganz unkonventionell mit «Hey Bunny, bliib flauschig!» an.

Das Highlight von Stampflis Auftritt ist aber die interaktive Telenovela «Carola – Sturm der Triebe». Während der nicht ganz jugendfreien Geschichte fordert der Autor das Publikum immer wieder auf, den Plot akustisch zu untermalen – mit verträumtem Summen, bedrohlichem Brummen und Kussgeräuschen. Voll geschmeidig!